Im Glauben frei, in der Liebe gebunden

Rosenplänter referiert „Von der Freiheit des Christenmenschen“

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Der Ahauser Pastor im Ruhestand, Egbert Rosenplänter, hat am Dienstag die Vortragsreihe zum Lutherjahr der St.-Georg-Stiftung abgeschlossen.

Sottrum - Von Heidi Stahl. Ahausens ehemaliger Pastor Egbert Rosenplänter erläuterte im vierten und letzten Vortrag, den die St.-Georg-Stiftung im Jubiläumsjahr der Reformation in der Sottrumer Kirche ausgerichtet hat, die Bedeutung Luthers für den Übergang des Mittelalters zur Neuzeit und seinen theologischen Begriff von der Freiheit eines Christenmenschen.

Ein Pastor im Ruhestand predigt oder hält keine Vorträge mehr an seiner alten Wirkungsstätte, das ist gute evangelische Tradition, um nicht in das Wirken ihrer Nachfolger einzugreifen. Umso schöner war es für Rosenplänter, dass so viele seiner „alten Schäfchen“ aus Ahausen sich zu seinem Vortrag in Sottrum eingefunden hatten. Gemeinsam mit den Sottrumern lauschten sie am Dienstagabend den Ausführungen Rosenplänters zu Luthers zentraler Schrift von 1520 „Von der Freiheit eines Christenmenschen“.

Dieses Traktat ist Luthers Reaktion auf die päpstliche Bannandrohungsbulle aus dem Juni 1520 und gleichzeitig eine der bedeutendsten Schriften der Reformation. Heiner Schröder vom Vorstand der St.-Georg-Stiftung begrüßte die vielen Zuhörer und dankte Rosenplänter für seine Bereitschaft, nach seinem Vortrag im März dieses Jahres über die 95 Thesen, ein zweites Mal nach Sottrum zu kommen.

Stefan Orth, Kantor der Kirche „Zum guten Hirten“ aus Rotenburg, umrahmte mit Variationen zu bekannten Kirchenliedern aus der Lutherzeit die einzelnen Abschnitte des Vortrags an der Orgel. Rosenplänter stellte zwei zentrale und scheinbar sich widersprechende Sätze Luthers gegenüber: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan“ und „ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“. Er erklärte im Folgenden den theologischen Begriff der inneren und äußeren Freiheit in seiner Lehre.

Lebendiger und informativer Vortrag

In acht Abschnitten – „Luther und 1. die Humanisten, 2. die Kirche, 3. das Reich, 4. die Unruhen, 5. die Bauern, 6. die Juden, 7. die Lutheraner und 8. die Freiheit“ – stellte Rosenplänter die Auswirkungen der Lutherschrift auf seine Zeit und seine Umwelt dar. Neben den detailliert geschilderten historischen Fakten arbeitete er explizit Luthers Kernaussage in dieser richtungsweisenden Schrift heraus: Indem der Christenmensch an den Heil bringenden gnädigen Gott glaubt, wird er frei davon, sich selbst um sein Heil nach dem Tod kümmern zu müssen. Und er wird dafür frei, sich um andere zu kümmern und auf Erden humanitäre und gute Werke zu tun. Rosenplänter betonte damit den ihm sehr am Herzen liegenden Begriff der Nächstenliebe als zentrale Tugend und Bestimmung eines Christenmenschen im lutherischen Sinn.

Sein lebendiger und sehr informativer Vortrag griff auch Widersprüchlichkeiten und missverstandene Auswüchse des theologischen Freiheitsbegriffes in der damaligen Zeit und den verschiedentlichen Missbrauch in neuerer Zeit auf – beispielsweise im Kaiserreich und im Dritten Reich. In der Pause zeigten die lebhaften Diskussionen und vielen Fragen der Zuhörer an den Pastor im Ruhestand, wie viel Interesse sein fundierter Vortrag an diesem Abend gefunden hat. Dieser Abend bildete einen würdigen und großartigen Abschluss in der Reihe der Informationen, die die St.-Georg-Stiftung zum Lutherjahr ausgerichtet hat.

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