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Gitta Krause hört nach 20 Jahren beim Sottrumer Laientheater auf

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Von: Andreas Schultz

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Textmarker, Skript und Aufmerksamkeit: Das waren für Gitta Krause 20 Jahre lang die Werkzeuge des Soufflierens beim Sottrumer Laientheater. Nun legt sie die farblich markierten Drehbücher zur Seite; der TV Sottrum sucht jemanden, der ihren Platz einnimmt.
Textmarker, Skript und Aufmerksamkeit: Das waren für Gitta Krause 20 Jahre lang die Werkzeuge des Soufflierens beim Sottrumer Laientheater. Nun legt sie die farblich markierten Drehbücher zur Seite; der TV Sottrum sucht jemanden, der ihren Platz einnimmt. © Schultz

Nicht jeden zieht es beim Theater auf die Bühne: Gitta Krause hat die Laienschauspieler in Sottrum 20 Jahre als Souffleuse unterstützt und half bei Texthängern aus. Sie erzählt, wie das so ist, wenn das Ensemble bei der Aufführung zwei Seiten Skript überspringt.

Sottrum – Mit einer guten Aufführung im Laientheater ist es wie mit einer Mathearbeit: Ohne jemanden, der bei mangelnder Stofffestigkeit vorsagt, geht es einfach nicht. Den Job des Zuflüsterns hatte 20 Jahre lang Gitta Krause bei der Laienspielgruppe des TV Sottrum inne. Nun suchen die Bühnenhelden nach einer neuen Souffleuse – die Gelegenheit, mal bei der Stimme aus der Box nachzufragen, was eigentlich so toll daran ist, unsichtbare Textstütze zu sein.

Frau Krause, braucht man als Souffleuse eine Vorliebe für dunkle, enge Räume?

Nein, aber ich habe mich in dem Kasten auch nie eingezwängt gefühlt – ich habe ja auch den Vorteil, dass ich nicht so groß bin, ich stoße oben nicht mit dem Kopf an (lacht). Aber das gilt auch für meine Vorgängerin, die wesentlich größer war.

Platzangst?

Nie gehabt.

Darf man also auch nicht haben?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht, muss ich zugeben. Man muss es halt ausprobieren. Und wenn es nicht geht, geht’s nicht.

Wie sind Sie zur Laienspielgruppe gekommen?

Mein Mann (Fritz Krause: Anm. d. Red.) hat schon in Stuttgart gespielt. Als wir hierher gezogen sind, wollte er das weiterführen, nachdem er die Gruppe kennengelernt hatte. Die hatte zu dem Zeitpunkt eine Souffleuse, die aber irgendwann aufhörte. Und dann kam die Frage: Wen können wir jetzt nehmen? Wie wär’s mit deiner Frau? Und ich dachte mir, warum eigentlich nicht?

Sie spielten dann die Rolle in der Box: War eine Bühnenrolle nichts für Sie?

Nein überhaupt nicht. Ich würde mich nie auf eine Bühne stellen, ich muss immer im Hintergrund bleiben. Ich bin nicht der Typ dafür. So unter Menschen kann ich mich frei bewegen, bin immer da, bin immer ich. Aber vor Publikum treten, Stunden lang auf der Bühne meinen Text aufsagen und die Leute schauen nur auf mich: Nein, das kann ich nicht.

Dann gibt es aber auch weniger Chance auf stehende Ovationen.

Das ist kein Problem für mich.

Nachfolge für Gitta Krause und Requisitensuche

Auch wenn es bis zum Herbst noch eine Weile hin ist – die Laienspielgruppe des TV Sottrum hat mit den Vorbereitungen für ihr neues Stück „Verrückt hoch zwei“ begonnen. „Eine heitere Liebeskomödie, mit viel Schwung“, wie es aus den Reihen der Schauspieler heißt. Damit es auch zur Bühnenreife kommt, suchen sie nun nach einem Ersatz für Gitta Krause als Souffleuse und nach alten Küchen für die Dekoration. Bereits vor zwei Jahren war das Stück geplant, musste aber umständehalber kurzfristig abgesagt werden. „Beim zweiten Anlauf steht daher das Bühnenkonzept schon fast final und die Laienspieler starten mit der Verteilung der Rollen und der Suche nach Requisiten. Bei Letzterem geht es insbesondere um alte Küchen, denn in einer Küche soll das neue Stück spielen“, heißt es in einer Mitteilung an die Kreiszeitung. Wer also gerade renoviert und seine alte Küche nicht mehr benötigt oder sie einer weiteren Nutzung zuführen möchte, der findet bei den Laienschauspielern des TV Sottrum dankbare Abnehmer. Dankbar sind sie auch jenen, die Interesse daran haben, die Rolle des Souffleurs einzunehmen: Der TV Sottrum sucht Menschen, die daran Interesse haben, das Zuflüstern zu übernehmen. Wer Lust hat, wendet sich an Jens Högermeyer. Der Abteilungsleiter ist per E-Mail erreichbar. Eine langfristige Nachfolge ist kein Muss, auch über Unterstützung für eine Saison würde sich die Gruppe sehr freuen.

Also lieber soufflieren. Wie geht das eigentlich?

Ich habe mich da selbst reingefuchst, ein Schema entwickelt. Dass man zum Beispiel Stellen in Heft und Drehbuch markiert. Erst mal markiere ich Sachen, die nicht gesprochen werden.

Namen, Regieanweisungen ...

Genau. Und dann wird gespielt. Wenn der Text dann von den Schauspielern nicht kommt, greife ich ein.

Kommt das oft vor, dass die Schauspielkollegen den Einsatz verpassen?

Nicht oft. Zumindest nicht in der Spielzeit. Vorher lernen die das alles, warten auf das Stichwort vom Partner. Und wenn das kommt, dann funktioniert alles. Und wenn nicht, dann muss ich eben was sagen. Und bisher waren wohl alle zufrieden mit mir, ich war ja immerhin 20 Jahre dabei. (lacht)

Werden Sie als Souffleuse sauer, wenn Sie merken, dass der Kollege da auf der Bühne den Text nicht richtig gelernt hat?

Nein. Vorher wird ja auch fleißig gelernt und geprobt. Daher weiß ich auch, wo es öfter hängt, wo mal was passieren könnte. Das markiere ich mir dann auch. Und ich schaue den Schauspielern immer ins Gesicht, wenn sie anfangen zu sprechen und ich merke auch an der Mimik, wenn dann etwas kommt oder nicht. Und wenn ich mir nicht sicher bin, dann sage ich lieber was. Das gefällt den Kollegen auf der Bühne nicht immer, kann ich auch gut verstehen, weil es sie auch manchmal durcheinanderbringen kann. Aber für mich ist es in dem Moment eine Sicherheit, dass sie dann auch den Einsatz mitkriegen. Aber Ärger gab es deswegen bisher nicht. Bei den Proben muss ich auch schon mal was sagen, und dann heißt es schon mal energischer: „Ja, das weiß ich doch!“ (lacht)

Muss man als Souffleuse selbst denn auch textsicher sein?

Nein, ich habe nie was auswendig gelernt. Wenn auf der Bühne gesprochen wird, weiß man zwar meist schon, was kommt. Aber ich halte mich ans Skript, damit ich mich auf keinen Fall vertue.

Was war das Beste an der Tätigkeit?

Die Gemeinschaft. Aber auch mitzukriegen, wie das alles zustande kommt. Den Text lesen kann jeder, aber jeder Schauspieler bringt seine Rolle ganz anders, manchmal allein schon durch die Mimik. Das ist sehr interessant. Jeder ist eine Persönlichkeit und man versucht, die Rolle damit so zusammenzubringen, dass es passt. Wenn man jetzt eine witzige Rolle hat, dann braucht man zum Beispiel jemanden wie Klaus Tietjen, der so was auch gut spielt. Aber der hat ja mit mir zusammen aufgehört.

Was geht in Ihnen vor, wenn die Kollegen auf der Bühne improvisieren?

Das muss manchmal sein, zum Beispiel, wenn jemand seinen Text durcheinandergebracht hat. Wir hatten das auch schon, dass wir zwei Seiten aus dem Drehbuch ausgelassen haben. In der Pause habe ich dann gefragt, ob das überhaupt aufgefallen ist, aber nein. Wenn man auf der Bühne steht, merkt man das auch nicht unbedingt. Und das Publikum weiß es in der Regel auch nicht. Wie es dann trotzdem passt, ist sehr interessant. Gut – wenn es sein muss, dann muss ich die Kollegen auch zurückbringen, weil sonst etwas Wichtiges von der Handlung fehlt. Dann muss ich ein Stichwort bringen, bei dem sie wieder anfangen können, aber es muss halt passen. Wenn es aber nicht wichtig ist, dann lasse ich es einfach weg. Dann sind es halt zwei Seiten weniger. Das passiert halt einfach mal.

Solche Situationen müssen aufregend sein. Geht bei Ihnen im Kasten da nicht der Puls hoch?

Doch! Aber ich habe keine Zeit, darauf zu achten. Ich muss ja reagieren. Dann merke ich, es geht weiter, und dann ist auch alles wieder gut.

Warum hören Sie nach 20 Jahren mit dem Zuflüstern auf?

Mein Mann hat ja schon vor fünf Jahren aufgehört und hat hin und wieder etwas gedrängelt, ich sollte doch auch mal aufhören. Aber ich habe gesagt: Nö, ich will das nicht. Aber mit dem Gedanken habe ich mich danach doch immer mal wieder beschäftigt. Ich meine, ich bin 20 Jahre dabei gewesen und bin dadurch inzwischen eine von den Ältesten. Irgendwann hat man das Gefühl, nicht mehr ganz reinzupassen – auch wenn die anderen mir sagen, dass das gar nicht so wäre. Aber das Gefühl bleibt, dass es mal jemand Neues für den Souffleur-Kasten braucht.

Und warum genau haben Sie vor fünf Jahren „nö“ zu Ihrem Mann gesagt?

Weil es mir immer Spaß gemacht hat! Aber es ist auch zeitaufwendig. Jetzt möchte ich mir das Ganze auch mal ganz entspannt aus dem Zuschauerraum angucken können. Jedes Stück war super, das weiß ich auch so. Aber ich möchte das jetzt aus einer anderen Perspektive sehen, ich möchte einfach mal zum Gucken neben meinem Mann sitzen.

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