Geschäfte für Geschäfte

Seniorenbeirat möchte „Nette Toilette“ in der Samtgemeinde etablieren

Hans-Joachim Dodenhof (v.l.), Dietrich Adler und Heinz-G. Hill wünschen mehr öffentlich zugängliche WCs in Sottrum. - Fotos: Röhrs

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Man muss schon wissen, wo sie zu finden sind, die beiden einzigen öffentlichen Toiletten in Sottrum. Und wer ihren Standort – übrigens am Landhaus gegenüber der St.-Georg-Kirche – kennt, steht meist vor verschlossenen Türen. Doch was tun, wenn sich die Natur meldet? Dieselbe Frage hat sich auch der Sottrumer Seniorenbeirat gestellt – und eine Antwort gefunden: Er hat beim Samtgemeinderat einen Antrag eingereicht, dass sich die Kommune an der Aktion „Nette Toilette“ beteiligt.

Das Konzept ist einfach. „Wir wollen vorhandene Toiletten in der Öffentlichkeit sichtbarer machen“, sagt Dietrich Adler vom Beirat. Sprich: Geschäfte und Gastronomiebetriebe in Sottrum und den anderen Mitgliedsgemeinden stellen ihre sanitären Anlagen der Öffentlichkeit – also auch Nicht-Kunden – zur Verfügung, die Samtgemeinde steuert im Gegenzug einen „kleinen Obolus“ für die Reinigung bei und übernimmt auch die einmaligen Kosten von etwa 1 000 Euro für die Vermarktung der „Netten Toilette“. In der Region nehmen zum Beispiel die Städte Soltau und Verden bereits am Projekt teil. Adler wünscht sich, dass etwa sechs Betriebe in Sottrum mitmachen – größere mit hohem Kundenaufkommen.

Der Kostenaufwand sei wesentlich geringer als der Betrieb einer einzigen Toilettenanlage, so der Beirat im Antrag. Der Samtgemeinderat habe sich mit dem Problem in der vergangenen Wahlperiode beschäftigt. Adler berichtet von der Idee einer öffentlichen Toilette am Bahnhof, diese gestalte sich aber schon aufgrund offener Fragen nach Besitz, Kosten und Reinigung als schwierig.

Der Beirat hat das Projekt bereits dem Sottrumer Gewerbeverein vorgestellt und spricht davon, dass sich danach spontan zwölf Betriebe positiv geäußert und eine Beteiligung in Aussicht gestellt hätten. Rieke Hesse vom Vereinsvorstand bestätigt dies. Die Geschäfte würden mitmachen, sofern es ihnen möglich ist – also Betriebsabläufe nicht gestört würden.

Mit dem Fachwerk sehen die beiden öffentlichen Toiletten in Sottrum von außen ganz gut aus, innen häufig aber nicht. Deshalb sind sie in der Regel geschlossen.

Dass es Vorbehalte gibt, ist aber auch dem Beirat bewusst – vor allem in puncto Hygiene. Die Geschäftsinhaber fürchteten den Missbrauch ihres Angebots, wenn der „Nette Toilette“-Aufkleber im Schaufenster hängt, so Beiratsvorsitzender Heinz-G. Hill, der diese Befürchtungen eigenen Worten nach durchaus nachvollziehen kann. „Es gibt nicht viel Vandalismus, aber er kommt vor.“ Es sind dieselben Gründe, warum in Sottrum die öffentlichen Toiletten in der Regel nur zu Veranstaltungen geöffnet seien. Wobei der „Grad der Frequentierung“, wie Hill es ausdrückt, in den Geschäften kein hoher sein werde. Und Vandalismus könne man unterbinden, indem man die Anlagen etwa durch einen Schlüssel sichere, den man auf Nachfrage herausgibt – wie bei Tankstellen.

Der Beirat denkt aber ein bisschen weiter. Das Projekt könnte Menschen, die gerade im Ort unterwegs sind und einkaufen, dazu bringen, mehr Zeit im Ort zu verbringen, so Adler, der darauf hinweist, dass so Wickelmöglichkeiten für Kleinkinder geschaffen werden. Auch könne man die „Nette Toilette“ auf Tourismuskarten vermarkten, argumentiert der Beirat in seinem Antrag.

„Eigentlich ist das kein Thema“, gibt Hill zu. Es sei schon jetzt kein Problem, in den Geschäften nach einer Toilette zu fragen und daraufhin auch Zugang zu einer zu bekommen. Auch Hesse sagt: „Wer fragt, der darf auch.“ Ein Aufkleber „Nette Toilette“ am Eingang könnte aber Hemmschwellen abbauen. „Wir wollen eine Selbstverständlichkeit erreichen“, so Adler.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Studie: Zehn Berufe, die vom Aussterben bedroht sind

Studie: Zehn Berufe, die vom Aussterben bedroht sind

Wie werde ich Luftverkehrskaufmann/-frau?

Wie werde ich Luftverkehrskaufmann/-frau?

Erntefest in Neddenaverbergen 

Erntefest in Neddenaverbergen 

Trecker-Oldtimer-Treff in Vethem

Trecker-Oldtimer-Treff in Vethem

Meistgelesene Artikel

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

„La Strada – Straßenzirkus“ startet Freitagabend

„La Strada – Straßenzirkus“ startet Freitagabend

Bundestagskandidaten sind sich in vielen Punkten erstaunlich einig

Bundestagskandidaten sind sich in vielen Punkten erstaunlich einig

Kommentare