Erik Robin über die personelle Zukunft der Feuerwehren

„Der Gemeinschaftssinn ist abhanden gekommen“

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Der Sprecher der Feuerwehren in der Samtgemeinde Sottrum, Erik Robin, warnt davor, dass sich mittelfristig zu wenige ehrenamtlich im Brandschutz engagieren. 

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Das Engagement in der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr – für viele ist das nicht mehr selbstverständlich. Auch die Feuerwehren in der Samtgemeinde fangen langsam an, dies zu spüren. Die Lage sei laut ihrem Sprecher Erik Robin zwar noch nicht akut, dennoch warnt er mittelfristig vor Problemen. Die Gründe für den Rückgang liegen für ihn in der generellen Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens.

Der Gedanke, sein Eigentum zu schützen, ende meistens schon bei Rauchmeldern und Feuerlöschern, kritisiert Robin. Vielen scheine der Gemeinschaftssinn, auch den Besitz anderer vor Feuer zu schützen, abhanden gekommen zu sein. Do das Problem liegt nur beim Individuum. Nach Robin müssen die Feuerwehren mit einem ohnehin breiteren Freizeitangebot konkurrieren, sofern wegen der Arbeit überhaupt Zeit für ein ausgedehntes Hobby ist.

Eine Arbeitsstelle hat mehr mit dem Personalmangel im Löschwesen zu tun, als man sich im ersten Moment vielleicht denkt. Robin spricht von „Tagesverfügbarkeit“ – wie viele Kameraden sind tagsüber tatsächlich vor Ort? Früher war das wohl einfacher, früher gab es viel mehr Jobs in den Dörfern. Und heute? „Wer in Winkeldorf oder Stuckenborstel lebt und in Rotenburg arbeitet“, nennt der Feuerwehrsprecher Beispiele, „der ist tagsüber nicht verfügbar.“

Weitere Schwierigkeiten liegen in der Nachwuchsarbeit. Zwar sei die Bereitschaft der Mitglieder in den Jugendfeuerwehren in Ahausen, Bötersen, Hassendorf, Reeßum, Sottrum und Stuckenborstel, als Erwachsene in eine Löschgruppe zu wechseln, durchaus hoch, allerdings verschwinden sie häufig erst einmal in andere Städte, um beispielsweise zu studieren. Dann stehen sie der heimischen Feuerwehr nicht zur Verfügung. „Auch eine sehr gute Nachwuchsarbeit löst das Problem nicht“, bestätigt Robin. Ein Lösungsansatz, den viele Wehren mittlerweile verfolgen, sei eine Art passive Mitgliedschaft. So gehöre der betreffende Nachwuchskamerad zu einem trotz Abwesenheit immer noch der Gemeinschaft an, auf der anderen Seite kann die Feuerwehr den Kontakt aufrecht erhalten.

Gemeinsame Wachen schwer umzusetzen

Wobei nicht nur über die Jugendarbeit „Nachwuchs“ für den ehrenamtlichen Dienst bei einer Feuerwehr gewonnen werden könnte. Robin berichtet von einer Löschgruppe in seiner Heimat Hellwege, die bis auf die Gruppenführer nur aus Einsatzkräften besteht, die in ihrer Jugend keinen Kontakt mit einer Feuerwehr hatten. Diesen habe man einst über einen Informationsabend hergestellt. Alter und Fitness spielen laut dem Feuerwehr-Sprecher keine so große Rolle wie angenommen, schließlich gebe es viele verschiedene Aufgaben in einer Freiwilligen Feuerwehr.

Es sei keine gute Entwicklung, die zurzeit herrsche. Die Feuerwehren beobachten sie genau. „Wir kennen immer den aktuellen Stand, was eine Dorfgemeinschaft hergibt“, sagt Robin. Und die Tendenz ist keine gute: Es könne sein, dass mittelfristig in manchen Wehren vier oder fünf Kräfte fehlen. In einigen Kommunen außerhalb der Samtgemeinde ist man daher bereits dazu übergegangen, Ortswehren zusammenzulegen. Laut Robin wäre das in Sottrum allerdings nur schwer umzusetzen. „Die einzelnen Gemeinden liegen vergleichsweise weit auseinander“, sagt er.

Es wäre wohl auch schwer, eine solche Idee in den Dörfern zu etablieren. „Manchen würde man damit sicherlich vor den Kopf stoßen“, so Robin, wobei eine Konzentration der Wachen mehr Planungssicherheit für die Politik bedeuten würde.

Aber: Man müsse das schon sehr gut kommunizieren – bei den betroffenen Feuerwehren und in den Dörfern. Eine Universallösung gebe es nicht. Robin: „Das muss örtlich angepasst diskutiert werden.

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