Ein gemeinsames Leben

Brigitte und Johann Wolf aus Bötersen feiern die Eiserne Hochzeit

Vor 15 Jahren: Brigitte und Johann Wolf während ihrer Goldenen Hochzeit.

Bötersen - Von Matthias Daus. So wie auch der längste Weg mit dem ersten Schritt beginnt, kann der Moment, an dem sich zwei Menschen kennenlernen, der Beginn eines langen gemeinsamen Lebens sein. Im Falle der Eheleute Brigitte und Johann Wolf aus Bötersen ist es ein sehr langes gemeinsames Leben, denn die beiden haben Dienstag ihren 65. Hochzeitstag.

Es ist eine Eiserne Hochzeit. Da drängt sich natürlich die Frage auf, was das Geheimnis einer langen Ehe ist. „Es gibt nicht das eine Geheimnis“, sagte Brigitte Wolf, „bei uns war es immer so, dass wir gemeinsame Leidenschaften geteilt haben und immer offen und ehrlich miteinander reden konnten.“ Eine dieser Leidenschaften ist das Tanzen, und so verwundert es nicht, dass sich das Paar beim Tanz kennengelernte. Es war Anfang der 50er Jahre, als die damals 15-Jährige zusammen mit einer Freundin und den jeweiligen Müttern auf einem Fastnachtsball in Waffensen war und drei junge Männer, die an der Theke standen, erblickte. Der eine von ihnen gefiel ihr sofort, aber mehr als ein paar verstohlene Blicke waren zunächst nicht drin.

Der Auserwählte war Johann Wolf, auch er hatte ein Auge auf seine spätere Frau geworfen. Schließlich fasste er sich ein Herz und forderte sie zum Tanzen auf. Und das war dann dieser eine Moment, der das Schicksal dieser beiden Menschen zusammenführte. Was auf den ersten Blick sehr einfach klingt, war jedoch schwieriger, als es zunächst den Anschein hatte, denn er war ein Einheimischer und sie ein Flüchtlingskind. Eine Konstellation, die damals nicht sehr gerne gesehen wurde. „Ich bin 1945 zusammen mit meiner Schwester, meiner Oma und meiner Mutter mit dem allerletzten Zug aus Stettin entkommen“, erinnert sich die heute 82-Jährige. Man stand vor dem Nichts und besaß buchstäblich nur das, was man am Leibe trug. „Wir lebten dann in Flüchtlingsbaracken, die es damals in Hohenesch gab“, erzählt Brigitte Wolf.

Schon als junges Mädchen musste sie arbeiten, um zum Einkommen der Familie beizutragen. Genauso erging es Johann Wolf, der auch schon als Kind seinem Vater, der seinerzeit Landwirt und zudem Milchkutscher war, sehr viel helfen musste. Aber auch in harten Zeiten gibt es Lichtblicke und eine Veranstaltung, wie ein Fastnachtsball, war damals schon ein Ereignis, zu dem man ging und bei dem man sich kennenlernen konnte. Die Partnerbörse der damaligen Zeit, wenn man so will. Nach dem ersten Kontakt in Waffensen folgte eine Zeit der Ungewissheit und der heimlichen Treffen, denn aus dem Umfeld von Johann Wolf gab es große Bedenken gegen die junge Frau, in die er sich verliebt hatte.

Bis er sich schließlich ein Herz fasste und sich zu seiner Liebe bekannte. Dass die beiden dann sehr früh ein Kind erwarteten, machte die Sache nicht einfacher und so kam es, dass am 11. Dezember 1953 das junge Paar nicht nur die gemeinsame Hochzeit feierte, sondern auch die Taufe der Tochter. „Wir feierten damals auf der Diele meiner Schwiegereltern“, erinnert sich Brigitte Wolf. Und dort, bei den Schwiegereltern, lebten sie zunächst in einem kleinen Dielenzimmer, bis sie dann in Bötersen zur Miete in sehr bescheidenen Verhältnissen wohnten. Eine kleine Wohnung mit Kochgelegenheit und ohne fließend Wasser und Badezimmer, das war alles.

Aber das Gefühl, endlich allein zu wohnen, überwog die offenkundigen Unzulänglichkeiten. Es folgte eine weitere und auch bessere Mietwohnung, bis sich die Eheleute 1964 den Wunsch nach einem eigenen Haus erfüllen konnten. Ein Meilenstein in der Geschichte des Paares. „Uns wurde nichts geschenkt. Alles was wir besitzen, haben wir uns hart erarbeitet“, sagt Brigitte Wolf.

Aber bei all der Arbeit war ihnen auch wichtig, dass sie ihre oft knapp bemessene Freizeit genießen konnten. Wann immer es ihnen möglich war, gingen die beiden tanzen und auch manch ein gemeinsam verbrachter Urlaub an der Ostsee versüßte ihnen das Leben. In all den Jahren ist aus dem Paar eine große Familie geworden, zu der die drei Kinder, acht Enkelkinder und mittlerweile 14 Urenkel gehören. Eine Familie, die allein deswegen entstehen konnte, weil sich zwei Menschen bei einem Fastnachtsball kennenlernten. „Wir haben uns damals keine Gedanken darüber gemacht, ob es für ewig sein würde. Ich hatte nur die Hoffnung, dass unsere Liebe stärker sein würde, als die Vorurteile der Menschen um uns herum“, erinnert sich die Jubilarin.

Natürlich geht es im Leben nicht immer geradeaus und wenn man derart lange zusammenlebt, dann gibt es auch mal das ein oder andere Problem. Man habe die Krisen immer gemeistert, indem man offen darüber sprechen konnte und keiner dem anderen etwas nachgetragen habe, sind sich die Eheleute einig. Außerdem habe man immer zueinander gestanden, egal wie die Zeiten auch waren. Ein grundsätzliches Vertrauen, das die beiden durch ihre gesamte gemeinsame Zeit begleitet hat und letztendlich wahrscheinlich das Geheimnis einer langen Ehe ist.

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