Rat beschließt Absage und diskutiert Glockenturm-Sanierung

Gemeinde verzichtet auf Erntefest

Der Glockenturm in Reeßum ist ein Sanierungsfall. Ob das marode Holz nur ausgetauscht wird oder es doch einen Neubau gibt, dazu wollen die Gemeinderatsmitglieder erst Kostenrechnungen einholen.  
Foto: Daus
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Der Glockenturm in Reeßum ist ein Sanierungsfall. Ob das marode Holz nur ausgetauscht wird oder es doch einen Neubau gibt, dazu wollen die Gemeinderatsmitglieder erst Kostenrechnungen einholen. Foto: Daus
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Reeßum – Kein Erntefest und keine Besuche bei außergewöhnlichen Jubiläen und Geburtstagen: Die Gemeinde Reeßum hat eindeutige Maßnahmen zum Schutz vor Coronainfektionen festgelegt. Außerdem hat der Glockenturm des Ortes bei der aktuellen Ratssitzung für Gesprächsstoff gesorgt.

Die Überraschung hielt sich in Grenzen und die Akzeptanz dafür, dass das Erntefest in der Gemeinde Reeßum in diesem Jahr abgesagt wird, war groß. Bürgermeister Marco Körner sah diesen Schritt als alternativlos an. „Ein Erntefest hat auch immer eine gesellige Komponente und da ist es schlicht unmöglich, die derzeit geltenden Abstandsregeln einzuhalten“, erläuterte er. Lediglich Ratsmitglied Herbert Cordes (CDU) war hier anderer Meinung und appellierte an die Eigenverantwortung der Leute. Julian Loh (CDU) hielt dagegen: „Wir als Gemeinde sind Veranstalter des Erntefestes und ich sehe das nicht, dass Ratsmitglieder sich an diesem Tag damit beschäftigen, die Einhaltung der geforderten Standards für die Coronabekämpfung laufend zu überprüfen.“ Am Ende der Diskussion stand ein einstimmiges Votum der Ratsmitglieder dafür, das Erntefest in diesem Jahr auszusetzen. Auf Nachfrage wurde Taaken, das in diesem Jahr Ausrichtungsort gewesen wäre, für das nächste Jahr in dieser Aufgabe bestätigt.

Auch die geplante Abschlussfeier für die Verbunddorferneuerung ist von den Coronaabwehrmaßnahmen betroffen. Da man hier allerdings nicht an einen festen Termin gebunden sei, wurde die Feier auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Man werde die Gesetzeslage genau beobachten und gegebenenfalls relativ kurzfristig etwas auf die Beine stellen, so Körner.

Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang ist der Umgang der Gemeinde mit besonderen Jubiläen und Geburtstagen, zu denen Mitglieder des Rates mit Aufmerksamkeiten und Geschenken persönlich zu Besuch kommen. Soll man in Corona-Zeiten an dieser Tradition festhalten? Wäre es eine Alternative, die Geschenke abzugeben, ohne die Wohnungen der Jubilare zu betreten? Was ist vertretbar und was nicht?

Um aufkommende Diskussionen und Unsicherheiten zu vermeiden, sah es Reeßums Bürgermeister als wichtig an, eine klare Richtlinie vorzugeben. Diese sieht vor, dass vorerst bis Jahresende auf diese Besuche verzichtet werden soll. Der Beschluss wurde rege diskutiert und bei einer Enthaltung mit großer Mehrheit angenommen.

Auch mit den Sanierungsarbeiten am Glockenturm in Reeßum beschäftigten sich die Ratsmitglieder. Kurz zusammengefasst ist es so, dass der Turm in seinem jetzigen Zustand nicht funktionsfähig ist. Die Gesamtstruktur des Ständerwerkes ist durch Witterungseinflüsse derart marode, dass die Schwingungen der Glocke die Stabilität des Bauwerks derart gefährden könnten, dass ein Einsturz durchaus im Bereich des Möglichen läge. Eine Sanierung ist nötig. Welche möglichen Maßnahmen es gibt, das erläuterte der Architekt Joachim Krampitz, der auch eine Bestandsaufnahme des jetzigen Zustandes des Turms gemacht hatte.

Das Problem an der Bauweise sei, dass es unmöglich sei, für die Ausführung durch gezapfte Verbindungen statische Berechnungen zu erstellen. Ohne Statik liegt die Verantwortung für diesen Glockenturm bei der Gemeinde und dem ausführenden Handwerksbetrieb.

Die Schäden am Ständerwerk seien allerdings derart gravierend, dass Krampitz dazu rät, einen kompletten Neubau ins Auge zu fassen, bei dem die Verbindungen durch Metallplatten ausgebildet würden. Hierfür wäre eine statische Berechnung möglich und die Gemeinde stünde nicht mehr in der Verantwortung. Eine Variante, zu der auch Bürgermeister Körner tendiert. Herbert Cordes hingegen sah es eher als eine handwerkliche Angelegenheit an, die Sanierung auch mit der derzeitigen Bauweise vorzunehmen. „Es müssten dann lediglich die Hölzer ausgetauscht werden, die zu stark verwittert sind“, erläuterte er seine Ansicht. Da der Fäulnisprozess schon sehr weit fortgeschritten sei, wären im Prinzip alle Holzbauteile betroffen, so Körner. Eine Teilsanierung sei demnach kaum günstiger oder praktikabel. Bis zur nächsten Ratssitzung soll Joachim Krampitz nun eine Kostenberechnung für einen Neubau erstellen. Parallel dazu soll Herbert Cordes mit einem Fachbetrieb ermitteln, wie eine Teilsanierung in historischer Bauweise möglich sein könnte und welche Kosten sie verursachen würde. Die Ergebnisse sollen dann verglichen werden, und auch die Bürger aus Reeßum sollen bei der Entscheidungsfindung mit ins Boot geholt werden. Wie das geschehen soll, darüber werde man sich Gedanken machen.

Die letzten Maßnahmen der Verbunddorferneuerung sind entweder abgeschlossen, wie das Dach des Taakener Sporthauses, oder werden demnächst beginnen, wie im Falle des Radweges von Schleeßel nach Platenhof oder dem Pavillon am Sporthaus in Taaken. Beide Maßnahmen sollen noch im Juni beginnen. Die Dachsanierungsarbeiten beim Spielkreis in Taaken werden kurzfristig ausgeschrieben.

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