Gemeinde Sottrum will Fachpersonal einstellen / Grüne sind dagegen

„Gibt keine andere Lösung“

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Lühr Klee (v.l.), Heike Stäcker und Marcus Winde von der Grünen-Fraktion in der Gemeinde Sottrum sind gegen die Ausschreibung einer neuen Stelle.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Mehrere hundert Überstunden sind zu viel: Die Gemeinde Sottrum sucht Unterstützung für Gemeindedirektor André Bischof. Doch mit der geplanten Umsetzung ist die Grünen-Fraktion nicht einverstanden.

Die Idee: Durch eine zusätzliche Fachkraft erhält der Gemeindedirektor Unterstützung. Diese Überlegung kommt auch bei Bischof gut an. „Es fällt schon viel Arbeit an. Eine Entlastung wäre da sinnvoll und hilfreich“, macht André Bischof deutlich, der zusätzlich zu seiner ehrenamtlichen Arbeit als Gemeindedirektor als Abteilungsleiter bei der Samtgemeinde angestellt ist.

Da die räumlichen Kapazitäten im Rathaus bereits erschöpft sind, gehen die Überlegungen nun so weit, dass die Gemeinde Sottrum eine eigene kleine Verwaltung realisiert – die Bürogemeinschaft mit der Samtgemeinde im Rathaus soll aber bestehen bleiben, macht Hans-Jürgen Krahn (CDU) deutlich. Auch sind die Mitarbeiter im Rathaus weiterhin für die Bürger der Gemeinde ansprechbar.

„Wir sehen es als problematisch an, wenn die Gemeinde Sottrum eine eigene Verwaltung aufbaut“, macht Lühr Klee (Grüne) deutlich. Vor allem die Auslagerung eines Büros aus dem Rathaus gefällt der Fraktion nicht. „Die Mitarbeiter brauchen einfach die Verbindung zur Samtgemeinde. Wir fragen uns, ob das so der richtige Weg ist“, so Klee weiter.

Die Grünen-Fraktion wolle mit ihrem Schritt an die Presse dafür sorgen, dass auch die Öffentlichkeit Bescheid wisse. „Wir brauchen eine Ehrlichkeit in der Diskussion“, betont Heike Stäcker.

Schwierig sei dabei auch die finanzielle Lage der Gemeinde Sottrum. „Es kann nicht sein, dass wir schon knapp 50 Prozent der Samtgemeindeumlage bezahlen und dann zusätzlich noch eine eigene Verwaltung finanzieren sollen“, stellt Klee klar.

Die finanzielle Mehrbelastung sieht auch Krahn. „Es stellt sich aber die Frage, ob es besser ist, dass wir die zusätzliche Kraft lieber nicht einstellen, einfach abwarten und es dadurch versäumen, die Arbeit zu erledigen. Oder ist es besser zu sagen: ‚Ich habe jemanden, der die anfallende Arbeit umsetzt‘?“, so Krahn.

Dass die anfallende Arbeit nicht mehr zu schaffen ist, müssen auch die Grünen zugeben. Wichtige Themen, die die Gemeinde Sottrum betreffen, würden immer wieder verschoben, so Stäcker. Zwar habe die Fraktion Verständnis für die momentane Situation der Mitarbeiter in der Verwaltung und dass „sie an ihren Grenzen arbeiten“. Die Samtgemeinde müsse jedoch dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter nicht so stark überlastet seien.

Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag sieht in der momentanen Mehrbelastung eine „Arbeitsspitze“. Daher habe die Samtgemeinde auch eine befristete Stelle ausgeschrieben, die sich mit der Flüchtlingsunterbringung beschäftigen soll. „Diese Mehrbelastung in der Verwaltung schlägt sich auch auf die Gemeinde Sottrum in der Bürogemeinschaft nieder. Das ist ganz klar“, macht Freytag deutlich. Daher müssten einige Aufgaben zurückgestellt werden – dabei gehe es aber nach Wichtigkeit und nicht nach der Aufteilung zwischen Gemeinde und Samtgemeinde.

Krahn sieht daher in der Anstellung eines eigenen Mitarbeiters einen Vorteil. Wenn die Gemeinde dieses Vorhaben umsetzen würde, würde sich diese Kraft nur um die Belange der Gemeinde kümmern. „Wenn die Samtgemeinde eine Person einstellt, ist sie immer in erster Linie Angestellter bei der Samtgemeinde“, erklärt Krahn. Außerdem müsste Sottrum eine neue Kraft durch die Samtgemeindeumlage immer zur Hälfte mitbezahlen. Wichtig sei vor allem, dass es Fachpersonal ist, dass die Gemeinde unterstützen würde.

Dass die Gemeinde einen Mitarbeiter nur für sich einstellen wolle, ergibt für Freytag inhaltlich keinen Sinn, da Sottrum immer auf das Personal der Samtgemeinde zugreifen könnte. Aus seiner eigenen Zeit als Gemeindedirektor weiß Freytag aber auch, wie umfangreich dessen Aufgabenbereich ist. „Wir haben die Bürogemeinschaft damals gegründet, damit die Gemeinde die Arbeitskraft der Samtgemeinde mitnutzen kann“, berichtet Freytag. Man müsse dieses Instrumente aber auch einsetzen.

Bürgermeister Krahn steht derweil vollkommen hinter der Idee und betont: „Ich sehe diesen Schritt als den richtigen Weg an. Es gibt keine andere Lösung.“ Er wolle die Bürger nicht noch zusätzlich belasten und dem Ort schaden, indem er anfallende Arbeiten nicht umsetzt. Doch Peter Freytag fordert auch ein Umdenken der Ratsmitglieder: „Es ist schön, dass man innovativ sein will, aber man muss der Verwaltung auch mal die Chance geben, Dinge, die beschlossen wurden, abzuarbeiten.“

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