BI gegen atomares Endlager mit ersten Projekten / Thema im Samtgemeinderat

Gelbe Fässer als Mahnmale

Von Matthias Röhrs

„Kein Atommüll im LK ROW“: Die Bürgerinitiative gegen das atomare Endlager wird langsam aktiv.

Sottrum/Taaken – In einer doch eher grauen Jahreszeit sind die gelb bemalten Tonnen ein Hingucker. In einem Taakener Garten steht Deborah Martens mit Farbrolle in der Hand, und streicht eine alte Blechtonne an. Eine andere ist bereits fertig, „Kein Atommüll im LK ROW“ steht darauf. Warum sich die Schülerin hier engagiert? „Das Thema ist einfach zu wichtig“, sagt die Schülerin.

Es ist ein Satz, den man in den vergangenen Monaten häufiger gehört hat in Taaken, in der Samtgemeinde und mittlerweile auch vermehrt im ganzen Landkreis. Und mit Aktionen will die Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll im Altkreis ROW“ nun vermehrt für ihre Sache werben. Seit dem Herbst steht ein Salzstock in der Region von Taaken bis Ostervesede nun offiziell auf der Liste möglicher Standorte für ein atomares Endlager. Und wenn es nach der kurz darauf gegründeten BI geht, muss sie da schnell wieder runter. BI-Sprecher Rolf Wedemeyer: „Wir bemalen diese Fässer wie Atommüllfässer, um sie als Mahnmal aufstellen zu können.“

Widerstand in dieser Sache ist schwierig in diesen Pandemie-Zeiten. Treffen sind kaum möglich, insbesondere wenn man viele Menschen für seine Sache gewinnen will. Und auch ein Infostand, mit dem die BI durch die Region ziehen will, ist angedacht und wünschenswert, aber nur eingeschränkt möglich – wenn überhaupt. „Sollten die Beschränkungen aus der Pandemie aufgehoben werden, werden wir sicherlich gleich aktiv werden“, so Wedemeyer weiter. Geplant sind zudem Flyer, Plakate und Aufkleber. Die BI steht in den Startlöchern.

Rolf Wedemeyer weiter: „Derzeit ist es nur möglich, die Politik aufzurütteln. Ich habe alle Fraktionen im Kreistag angeschrieben, damit das Thema Endlager auf die Agenda des Landkreises kommt. In anderen Landkreises ist man da bereits weiter. So ist laut Bürgerinitiative im Landkreis Lüneburg ein Gremium aus Abgeordneten und Bürgern gegründet worden, um das Thema kritisch zu begleiten.“

In der Gemeinde Reeßum mit Taaken ist das mögliche Endlager schon seit einigen Jahren Thema, nachdem die Anti-Atomorganisation Ausgestrahlt eine erste, auf eigener Recherche basierende Liste möglicher Standorte veröffentlichte und auch Taaken darauf setzte. Seit diesem Herbst gibt es die offizielle Liste der sogenannten Teilgebiete der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGA). Wedemeyer hat von Anfang an damit begonnen, Infos zu sammeln, hat zu Infoveranstaltungen eingeladen und selbst besucht. Nach anfänglich mäßigeren Interesse an seiner Sache, beschäftigen sich immer mehr damit.

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Auch der Samtgemeinderat Sottrum hat sich in seiner letzten Sitzung vor Weihnachten auf Antrag von Michael Schröck (SPD) erstmals offiziell mit einem möglichen Endlager befasst und wird sich vermutlich im nächsten Bau-, Planungs- und Umweltausschuss, aktuell für den 18. Januar terminiert, erneut damit befassen. Der Antrag ist ergebnisoffen. Schröck fordert darin im Namen seiner Fraktion eine sachliche Unterrichtung über den gegenwärtigen Verfahrensstand und eine Beratung über die künftigen Möglichkeiten der Einflussnahmen durch die Samtgemeinde Sottrum, den betroffenen Mitgliedsgemeinden und den bestehenden und künftigen Bürgerinitiativen und Bürgerbewegungen.

Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag: „Das Thema bewegt uns seit langer Zeit.“ Es werde die die Region verändern, 80 Prozent der Fläche Niedersachsens seien als Suchraum definiert. Inhaltlich könne man noch nicht viel zu der kommenden Bau-, Planungs- und Umweltausschusssitzung sagen. Außerdem bleibe Corona ein Problem, weil unklar ist, in welcher Form Veranstaltungen möglich sind. „Das Thema ist eins, was langsam wächst, man weiß nie, wo man steckt, es ist schwierig, sich zu orientieren“, so Schröck. Es sei aber wichtig, dabei auf dem Laufenden zu bleiben. Käme ein Endlager tatsächlich, würde sich die Region stark verändern – etwa den bei Immobilienpreisen.

Dieter Szczesnsy (Grüne) schlug vor, bereits jetzt an einer an einer Stellungnahme zu arbeiten, um vorbereitet zu sein. Denn wenn es so weit ist, würde keiner warten. Daher schlug er vor, sich in den kommenden Wochen schon zu treffen. Dann sei die Chance umso größer, „dass der Kelch an uns vorübergeht“. Laut Freytag wolle das Rathaus die Angelegenheit verwaltungsseitig begleiten und sich damit auch mit anderen Gemeindevertretern beschäftigen. Es habe schon Videokonferenzen dazu gegeben. Zu der Fachausschusssitzung Sitzung könnte dann auch Rolf Wedemeyer von der Bürgerinitiative eingeladen werden.

„Und es ist auch ein Thema für unseren Landtagsabgeordneten“, so der Samtgemeindebürgermeister. Dieter Szczesny, übrigens Stifter der nun gelb bemalten Fässer, plädierte auf der Sitzung: „Ein bisschen Emotionalität gehört auch dazu. Wir müssen Gas geben, sachlich sein, aber auch emotional.“ Zu sachlich bedeute, dass die Leute eher eingelullt werden.

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