Geige, Watt und Vogelzug

Vortrag und Konzert in Hellwege widmet sich dem Wattenmeer

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Kati Bartholdy (v.l.), Petra Walentowitz, Normann Grabow und Holger Harms-Bartholdy traten im HuK in Hellwege auf.

Hellwege - Von Heidi Stahl. Anlässlich der kommenden Zugvogeltage vom 14. bis 22. Oktober im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer fand im Heimat- und Kulturhaus (HuK) Hellwege ein ganz besonderer Abend mit Küsten-Folk-Musik, Information und wunderschönen Bildern statt.

Für das September-Konzert im HuK hatte der Veranstalter Edwin Bohlmann ein in erster Linie für Naturliebhaber interessantes Programm zusammengestellt. Den versierten Dezernenten und Ornithologen Normann Grabow von der Nationalpark Verwaltung hatte er für den informativen Teil des Abends gewinnen können und das Folk-Trio „DreyBartLang“ sorgte für die musikalische Umrahmung.

Wie zählt man Vögel in Schwärmen?

Das Trio an Akkordeon (Petra Walentowitz), Geige (Kati Bartholdy) und Gitarre (Holger Harms-Bartholdy) sorgte mit eigenen Kompositionen in warmer unaufdringlicher Folk-Manier für die Begleitung zu den eindrucksvollen Bildern, mit denen Grabow seinen Vortrag über die Zugvögel im Weltnaturerbe Wattenmeer bereicherte. Austernfischer, Eiderenten, Brandgänse, Basstölpel, Küstenseeschwalben, Ringelgänse und viele andere ans Salzwasser gebundene Vogelarten nutzen das Wattenmeer und die Salzwiesen an Dollart und Jadebusen als Raststätte, zur Brutaufzucht oder als Energietankstelle für den kräftezehrenden Flug zur Überwinterung in wärmeren Ländern.

Grabow erklärte die Mechanismen, mit denen Vögel ihren Weg auf dem viele tausend Kilometer langen Flug finden, ging ein auf die Nutzungskonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie im Nationalpark oder verdeutlichte wie man Vögel in den Schwärmen zählt oder welche Schritte nötig sind, um die Lebewesenvielfalt in einem Quadratmeter Wattboden zu bestimmen.

Im lebhaften Gespräch mit den Zuhörern beantwortete er viele Fragen, wie sich beispielsweise die zunehmende Anzahl der Windkrafträder an Land und Offshore auf die Lebenswelt der Vögel auswirken. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Vögel lernfähig sind, nach oben ausweichen oder andere Umgehungswege finden, aber dass der Eingriff des Menschen in die Natur auf jeden Fall Auswirkungen hat, von denen man nur hoffen kann, dass die Evolution Wege findet, das natürliche Gleichgewicht zu erhalten.

Musikalische Begleitung des Filmes durch das DreyBartLang-Trio

Im zweiten Teil des Abends zeigte Grabow den beeindruckenden Film „Ein Vogeljahr im Wattenmeer“ des Vareler Naturfilmers Dieter Harms. Beginnend mit Eisgang im Wattenmeer und gegen Kälte aufgeplusterte Vogelgruppen führt der Film durch die Jahreszeiten mit Paarung, Nestbau, Brutgeschäft und Aufzucht der Jungen bis hin zum Sammeln der Vogelschwärme vor dem Aufbruch in wärmere Gefilde. Begleitet wurde der Film nicht mit gesprochenem Text, sondern einfühlsam mit der live gespielten Begleitmusik des DreyBartLang-Trios. 

Hier untermalte es die faszinierende Choreografie der am Himmel kreisenden Vogelschwärme, das Anschleichen der Fressfeinde wie Fuchs oder Habicht, das Trippeln der vielen kleinen Gänsefüße, die hinter der Glucke her laufen oder auch die schillernden Bilder von Ebbe und Flut, die der Film zu bieten hatte. Mag man auch noch so verwöhnt sein von den Naturfilmen in den Medien, Dieter Harms’ Film ist so authentisch mit der norddeutschen Landschaft verwurzelt, dass jeder vielleicht schon Erlebtes wieder finden konnte und wurde mit dieser einzigartigen Stummfilmmusik-Begleitung zu einem ganz besonderen Erlebnis. Im dritten Teil des Abends konnte man noch dem ganz eigenen Stil des Küsten-Folk-Trios lauschen, das mit Musik aus allen Ländern, die der Vogelzug überquert, den Abend harmonisch ausklingen ließ.

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