Sportart im Wandel

Gegen den Trend: Kegelsportverein in Sottrum feiert 50-Jähriges

Hans-Wilhelm (v.l.) und Wilhelm Röhrs sind schon seit Jahrzehnten beim Kegelsportverein Sottrum aktiv. - Fotos: Röhrs/KSV

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Mit sieben Sportlern hat es 1968 einmal angefangen, mittlerweile zählt der Kegelsportverein (KSV) Sottrum stolze 50 Jahre. Die großen Zeiten gehören im Jubiläumsjahr allerdings der Vergangenheit an. Immer mehr Bahnen verschwinden aus den Gaststätten in der Region, ebenfalls geht die Anzahl der Aktiven nach unten. Dennoch bleibt Kegeln eine Angelegenheit, die an der Wieste sehr ernst genommen wird.

„Wir sind ein Sportverein, kein Kegelclub.“ Schon ganz zu Anfang macht Wilhelm Röhrs deutlich, dass es um Sport geht, nicht um ein monatliches Treffen von Freunden auf der Bahn – den sogenannten Privatclubs. Wilhelm Röhrs gehört zu den Gründungsmitgliedern des Anfang August 1968 aus der Taufe gehobenen KSV und ist seitdem im Vorstand dabei. Die ersten 29 Jahre unter anderem als Sportwart, die 21 danach als Vorsitzender.

Der Verein hat bewegte Jahre hinter sich. Nachdem sich damals die ersten sieben Interessierten zum KSV zusammengeschlossen hatten, wuchs ihre Zahl im Laufe der Zeit auf bis zu 120 Mitglieder an. Sieben Herren- und zwei Damenmannschaften waren in Spitzenzeiten beim Verband gemeldet. 

„Sottrum war eine Kegel-Hochburg“, erinnert sich Wilhelm Röhrs. Auch die Erfolge konnten sich sehen lassen: 20 Jahre in der Verbandsoberliga – die dritthöchste Spielklasse – Kreis-, Bezirks- und Landesmeistertitel, Teilnahme an deutschen Meisterschaften. Sein Sohn Hans-Wilhelm Röhrs schaffte es sogar in die Nationalmannschaft. 1987 trat er mit ihr in Hameln gegen Dänemark an.

Die aktuellen Spieler und Spielerinnen der beiden Herren- und der einer Damenmannschaft des KSV Sottrum.

Mittlerweile sind noch rund 40 Mitglieder im Verein eingeschrieben. Drei Teams sind in den Wettbewerben dabei: zwei Herren- und eine Damenmannschaft. Wenn sie wöchentlich, natürlich in Trikot und Sporthose, zusammenkommen, geht es nur ums Kegeln. Die Geselligkeit wie bei den Privatclubs, sich zu treffen, gemeinsam zu essen, zu trinken oder sich zu unterhalten. „Alkohol wird fast gar nicht getrunken“, so Hans-Wilhelm Röhrs. Sportkegeln werde unterschätzt. Denn wer einmal ungeübt 200 Würfe am Stück mache, umreißt er, spüre man das am nächsten Tag. Nicht nur im Arm, sondern insbesondere in Muskeln, die normalerweise weniger beansprucht werden – und in den Knien.

Die Faszination des Sportkegelns ist, so Hans-Wilhelm Röhrs weiter, dass ein Einzelner das Spiel komplett drehen und entscheiden kann. Wenn er zum Beispiel – in der Regel als Letzter seines Teams – die Bahn betrete und vielleicht einen 30-Holz-Rückstand zu einem Sieg drehen kann, „dann ist das ein richtig gutes Gefühl“. Ähnlich wie im Fußball, wenn man nach einem 0:3-Rückstand noch als Sieger vom Platz geht. Das kann natürlich auch anders herum passieren. Erst kürzlich ist der Vorsprung der Sottrumer Herren in der letzten Runde von 75 Holz auf zehn geschrumpft. Glück gehabt.

200 Würfe pro Kegler im Spiel waren früher üblich, mittlerweile sind es 120. Ein Zeichen, dass auch die Kegelverbände auf das zunehmende Alter und weniger werdende Aktive reagiert hat. Auch die Mannschaften sind kleiner. Waren es früher acht Kegler inklusive Ersatzspieler, sind es heutzutage sechs. 

Wenn alte Bahnen schließen, wechseln viele nach Sottrum

Der Trend geht an den Privatclubs ebenfalls nicht vorbei. Auch die Gesellschaftskegler werden immer weniger. Im familieneigenen Gasthaus Röhrs sind aktuell 45 Gruppen aktiv. Früher seien es laut Wilhelm Röhrs einmal mehr als 100 gewesen, neue gründen sich fast gar nicht. Sie wechseln in der Regel nach Sottrum, weil in ihren Heimatorten alte Kegelbahnen schließen und sie sich dann neue Bahnen suchen müssen.

Dass das Gesellschaftkegeln den Laien den sportlichen Aspekt verkennen lässt, wollen beide nicht ausschließen. Das Sportkegeln hat kein gutes Image. Aber es liegt auch daran, dass sich Nachwuchskegler mit der Zeit immer eher gegen den Sport und für andere Hobbys entscheiden. 

Und sollte sich bei den Privatclubs mal ein Talent herauskristallisieren, hat es aus diesen Gründen oft keine Zeit für das Sportkegeln. Obwohl, viele Spieltage gibt es gar nicht. Da pro Tag zwei Spiele absolviert werden – übrigens immer auf neutralem Grund – und die Liga nur zwölf Teams umfasst, sind es pro Saison gerade einmal sechs. Dazu kommen noch Kreis-, Bezirks- oder Landesmeisterschaften.

Dabei bestehe immer noch Interesse daran, sich eine Bahn zu mieten – auch bei der jüngeren Generation. Immer wieder würden sie nach einer Bahn fragen, berichtet Hans-Wilhelm Röhrs. Allerdings seien sie terminlich weniger flexibel, sondern wollen spontan spielen. „Wenn dann gerade was frei ist, dann kommen sie. Wenn sie aber ein paar Wochen warten müssen, dann lassen sie es.“

Wer Interesse am Kegelsport hat, kann sich an Hans-Wilhelm Röhrs unter der Telefonnummer 04264 / 8340 wenden.

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