TV-Journalistin Heide Nullmeyer liest aus ihrer Autobiografie

Ganz persönlich

Heide Nullmeyer hat ein bewegtes Leben und weiß viele teils skurrile Geschichten zu erzählen. Am 25. Oktober liest sie in Hellwege aus ihrer Biografie.
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Heide Nullmeyer hat ein bewegtes Leben und weiß viele teils skurrile Geschichten zu erzählen. Am 25. Oktober liest sie in Hellwege aus ihrer Biografie.

Hellwege – Zu ihrem 80. Geburtstag hat sich der Kreis geschlossen. Das Radio-Bremen-Format „buten un binnen“ widmete sich im Juni seiner ehemaligen Kollegin Heide Nullmeyer ein Filmporträt. Sie selbst hatte Jahrzehnte lang Filme für den Regionalsender gedreht – oft von Frauen, „die mutig waren, aus dem Leben auszusteigen und neue Wege zu gehen“, wie die Hellwegerin selbst erklärt. Mit neuen Wegen kennt Nullmeyer sich aus, schließlich ist sie selbst in ihrem Leben oft überraschend abgebogen. Großhandelskauffrau, Au-pair, Sekretärin, TV-Journalistin, Diplom-Psychologin, Traumarbeiterin stehen unter anderem auf ihrer Vita – sie führt ein Leben voller Geschichten, die sie im Frühjahr in einer Autobiografie veröffentlicht hat. Am Sonntag, 25. Oktober, liest sie im Hellweger Heimat- und Kulturhaus.

Mit einem Schwur fing alles an. Die damals 13-jährige Heide Nullmeyer hat gerade eine Ablehnung für eine Sprechrolle für ein Hörfunk-Stück erhalten, das ihre Schulklasse machen sollte. „Ich war empört“, erinnert sie sich. Sie wollte das nicht hinnehmen, und schwor sich, irgendwann eine solche Rolle zu bekommen. Der Buchtitel „So soll es sein“ spielt auf diese Episode an; der Untertitel „Höchstpersönliches aus einem Frauenleben und der Welt des Fernsehens“ auf das, was stattdessen geschah.

Und das war eine ganze Menge. Geboren ist sie 1940 in Frankfurt am Main als uneheliche Tochter. Erst mit zehn Jahren lernte sie ihren Vater kennen. „Das waren zwei Welten, in denen ich mich bewegte.“ Während der Vater in Saarbrücken als wohlhabender Unternehmer lebte, musste die Mutter in Frankfurt putzen, um sich und ihre Tochter über die Runden zu bringen. Schon in jungen Jahren heiratete sie einen Griechen und zog nach Athen, ging nach der Trennung nach Spanien, arbeitete dann als Au-pair in England, um dann in Bremen, zunächst als Sekretärin im Theater am Goetheplatz, später dann bei Radio Bremen.

Ein folgenreicher Schritt. Schließlich ergriff sie die Chance, noch als Sekretärin ihr erstes TV-Interview zu führen – damals mit dem Designer, Schauspieler und Sänger Jean Claude Pascal. Ihr Intendant Hans Abich war begeistert, rund 40 Jahre lang sollte sie fortan für den Sender arbeiten, wo sie mit Hörfunk-Beiträgen schließlich ihren Schwur als 13-Jährige einlöste.

Das Lob Abichs hatte sie beflügelt, und auch im Herbst 2020 in der Rückschau ist ihr der Stolz auf ihre Arbeit anzumerken. Zahlreiche Prominente hatte sie vor der Kamera, darunter auch Hans-Joachim Kulenkampff, der in ihrer Kindheit auch Untermieter ihrer Mutter war. Sie war gut, gewann Preise und war mit dem Film „Ich heiße Erika und bin Alkoholikerin“ für den Grimme-Preis nominiert.

Ihre Filme galten als etwas Besonderes, oft erzählten die Protagonisten ihr mehr, als sie es vielleicht ihren Kollegen gegenüber getan hätten. Das liege wohl an ihrer eigenen Geschichte, vermutet die Hellwegerin. Ein Beitrag über ein Frauenhaus wäre sicher anders verlaufen, wenn sie nicht selbst eine Missbrauchsgeschichte gehabt hätte. Doch nicht nur dort hat alles seinen Preis. „Ich habe damals gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet. Man will den Erfolg ja aufrecht erhalten“, sagt Nullmeyer. Es endete mit einem Zusammenbruch bei einem Dreh, es folgten zwei Jahre Therapie. Mit 40 begann sie nach etwas, „was man heute Burn-out nennen würde“, parallel zur Arbeit als Journalistin ein Psychologiestudium, das sie acht Jahre später abschloss. In den Jahren lernte sie Annelie Keil, eine der ersten Professorinnen in Deutschland, und später Ortrud Grön, eine Traumarbeiterin, kennen. Beide sollten Freundinnen Nullmeyers werden, sie inspirieren und prägen. Über Keil drehte sie auch den 100. Beitrag zur ARD-Serie „Frauengeschichten“. Eine Serie, zu der sie schon den ersten Film beitrug: über die Schauspielerin Marika Rökk.

Ihr Lebenswerk würde sie heute schon als emanzipatorisch beschreiben. Ist insbesondere der Nachwuchs im Journalismus heute überwiegend weiblich, war er zu Nullmeyers Zeiten eine Männerdomäne. „Ich hatte auch immer nur mit Männern zu tun“, erinnert sie sich, sie musste sich oft durchsetzen, gerade zur Anfangszeit, wo sie für so manchen Kollegen noch als Sekretärin galt.

Die Vielseitigkeit ihres Lebens spiegelt sich im Buch wider. In ihrer Biografie schreibt Nullmeyer nicht nur herunter, was sie erlebt hat, sondern ergänzt es mit Tagebucheinträgen aus jenen Zeiten und mit kleinen Einschüben, in denen sie ihr jeweiliges Verhalten zu diesen Zeiten psychologisch analysiert. Vieles aus ihrer Vergangenheit sei ihr erst beim Schreiben des Buches aufgefallen, erzählt sie heute. Und am 25. Oktober dazu noch mehr.

Erst in Hellwege, im November in Waffensen

„So wird es kommen – Höchstpersönliches aus einem Frauenleben und der Welt des Fernsehens“– unter diesem Titel hat die Hellweger Fernsehjournalistin und Diplom-Psychologin Heide Nullmeyer ihr Leben aufgeschrieben. In ihrem Heimatdorf, genauer im Heimat- und Kulturhaus Hellwege, hält sie am Sonntag, 25. Oktober, von 15 Uhr an eine Lesung ab. Karten gibt es noch bis zum 21. Oktober für fünf Euro das Stück ausschließlich über den Webshop der Kulturinitiative Sottrum unter www.kulturinitiative-sottrum.de/kartenshop.

Am 22. November liest sie ab 15.30 Uhr im Waffensener Mehrgenerationenhaus. Wie in Hellwege ist der Platz begrenzt, eine Anmeldung per Whatts-app oder Textnachricht an 01590/4429240 ist erforderlich. Der Eintritt kostet drei Euro.

Und für die, die langfristig planen: Am 17. März 2021 liest Nullmeyer in der Rotenburger Stadtbibliothek.

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