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Kontakt mit Kalki: Fünftklässler am Gymnasium Sottrum erleben tiergestützte Pädagogik

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Von: Nina Baucke

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Fiona (v.l.), Rojeen und Lilly mit den gefiederten „Pädagogen“ Karl-Heinz und Kalki: Das Projekt von „RespekTIERt“ setzt auf den Kontakt zu Tieren.
Fiona (v.l.), Rojeen und Lilly mit den gefiederten „Pädagogen“ Karl-Heinz und Kalki: Das Projekt von „RespekTIERt“ setzt auf den Kontakt zu Tieren. © Baucke

Mehr miteinander und ein besserer Umgang untereinander: Das will das Gymnasium Sottrum bei den Fünftklässlern durch tiergestützte Pädagogik erreichen.

Sottrum – Unbeeindruckt stolzieren Karl-Heinz und Elisabeth durch den Raum, während Kalki noch ein wenig mit dem offenbar ungewohnten Fußbodenbelag hadert. Da irritieren auch nicht die Kinder, die zwischen ihnen sitzen, ganz im Gegenteil: Die beiden Brahma-Hühner und der Hahn haben kein Problem, sich den Fünftklässlern auf kurze Distanz zu nähern. Sie sind an diesem Tag als tierische Pädagogen am Gymnasium Sottrum im Einsatz – und nicht nur sie.

„Wir haben außerdem noch Kaninchen, einen Hund, Ziegen und Esel dabei“, sagt Inga Struck mit einem Lachen. Sie gehört zum Team von „RespekTIERt“ aus Soltau, einem Projekt, dass Kindern durch den Kontakt mit Tieren Hilfestellung beim Verhalten untereinander geben will. „Uns ist aufgefallen, dass durch die Coronasituation Kinder den Umgang miteinander nicht so einüben konnten, und dann kam für die Fünftklässler ja auch noch der Schulwechsel dazu“, erklärt Claudia Witzek, stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums. „Dabei sind die Kinder in einem sensiblen Alter. Tiere können da als Medium helfen. Beispielsweise zeigt sich immer wieder im Einsatz von Schulhunden, dass Tiere eine beruhigende Wirkung auf Kinder haben.“

Wir wollen ihnen vermitteln, Vorurteilen zu begegnen und hinter die Fassaden zu blicken.

Inga Struck

Auf ihre Initiative hin bringen die Mitarbeiterinnen von „RespekTIERt“ an drei Tagen in der vergangen und dieser Woche den drei fünften Klassen den Umgang mit den Tieren näher. Oft sind sie mit dieser Art des Sozialtrainings in Grundschulen zu Gast, dann über mehrere Tage, aber auch in der fünften Klasse lasse sich mit tiergestützter Intervention etwas erreichen, ist Struck überzeugt: „Kinder bauen da sehr schnell Ängste ab. In Anwesenheit der Tiere nehmen sie viel mehr Rücksicht.“ Das wird an diesem Tag in Sottrum schon deutlich, als die Kinder mit verbundenen Augen den Klassenraum betreten, wo Elisabeth, Karl-Heinz und Kalki umherstreifen. Schnell erkennen sie anhand des Gluckens der beiden Hennen, mit welchen Tieren sie es zu tun haben, bevor die Augenbinden abgenommen werden dürfen.

Liebevoller Umgang

„Leise, langsam, liebevoll“ sind die drei Regeln, nach denen sich die Kinder in der Interaktion mit den Tieren verhalten sollen. Und es funktioniert, weder Kinder noch Brahmas legen großartig Scheu voreinander an den Tag. „Hühner haben eine ganz eigene Faszination“, findet Struck. „Oft haben Kinder vorher keinen Bezug zu Tieren, aber dann erleben wir sie hier im direkten Umgang mit ihnen total liebevoll. Und sie machen keine Unterschiede. Nur wenn es zu den Ziegen und Eseln geht, haben sie mehr Respekt.“ Bei den größeren Tieren geht es für die Kinder darum, mit ihnen einen Parcours zu absolvieren, bei den kleineren, wie den Hühnern, Hasen und dem Hund zählt eher der direkte Kontakt, dazu kommen Übungen, die auf die Gruppendynamik abzielen. „Die Kinder reagieren dabei sehr gut auf die Tiere“, erklärt Witzek. Etwa, wenn die Kinder einen Sitzkreis bilden, in dessen Mitte die Hasen sitzen, während um sie herum die drei Brahmas unterwegs sind. „Wir wollen ihnen vermitteln, Vorurteilen zu begegnen und hinter die Fassaden zu blicken“, macht Struck klar.

Inga Struck und Henne Elisabeth gehen auf Tuchfühlung mit den Kindern.
Inga Struck und Henne Elisabeth gehen auf Tuchfühlung mit den Kindern. © -

Aber auch das Wissen um die verschiedenen Tierarten spielt eine Rolle: Denn als Struck und ihre Kollegin Henrike Nossol Fragen zu Hühnern und ihren Verhaltensweisen haben, zeigen sich die jüngsten Gymnasiasten als aufmerksam und informiert. Dass der Unterricht mit den gefiederten und vierbeinigen Pädagogen ankommt, davon ist Witzek überzeugt: „Wir haben das schon am ersten Tag gesehen, dass die Kinder positiv auf die Tiere reagieren. Und wir merken, dass die Erfahrung mit den Tieren auch einen Einfluss auf das Miteinander zwischen den Schülern hat.“ Für Karl-Heinz, Elisabeth und Kalki bedeutet das: Mission erfüllt.

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