Frühschwimmer machen sich morgens um 6 Uhr auf ins Sottrumer Freibad / 24 Grad warmes Wasser

Der erste Sprung ins kühle Nass

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Heide Sackmann (v.l.), Angelika Heckmann und Luise Henke gehören zu den Stammgästen.

Sottrum - Von Antje Holsten-Körner. Das Thermometer zeigt lausige zwölf Grad an – alles andere als sommerliche Temperaturen. Trotzdem lassen sich sechs Wasserratten nicht abschrecken und stehen schon vor Öffnung vor der gelb getünchten Tür des Sottrumer Freibades.

Punkt 6 Uhr dreht Henry Kraft, Schwimmmeister des Bades, von innen den Schlüssel um und öffnet die Tür mit einem gut gelaunten „Morgen“. Jetzt gilt es noch schnell, die Schlüssel für die Schließfächer zu nehmen, ab in die Umkleidekabine und dann ins 24 Grad warme Wasser.

„Manche Besucher kommen gleich im Bademantel“, erzählt Henry Kraft, seit 2004 Chef im Bad der Wiestegemeinde. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits seit mehr als einer Stunde bei der Arbeit, denn sein Tag beginnt in der Frühschicht um fünf Uhr. Folglich übernimmt Kollege Patrick Wallbaum an diesem Tag die Spätschicht.

Die wichtigste Aufgabe ist morgens die Entnahme von Wasserproben. Zwar zeige der Bildschirm Werte an, doch ein manueller Abgleich ist erforderlich. „Die Anlage ist träge. Daher müssen wir die Probe rechtzeitig entnehmen, damit wir noch eingreifen können“, erklärt der 50-Jährige. Aber das ist nur sehr selten nötig. Bevor der Badebetrieb beginnt, sind Kontrollen der Wasseruhren, der Heizung, der Wassertemperatur, des Geländes und aller Räume erforderlich. Außerdem gilt es, die Becken mit Saug-Robotern zu reinigen.

Sobald die Gäste im Freibad sind, kann Kraft nur noch kleine Nebentätigkeiten ausführen, denn zur Sicherheit der Badegäste muss er das Wasser immer im Blick behalten. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Kraft oder Wallbaum im Entengang rund um das Becken unterwegs sind, um es zu reinigen. Zeit für die Kaffeemaschine ist aber vorhanden. „Für Schwimmmeister ist Kaffee ein Grundnahrungsmittel“, verrät Kraft.

Inzwischen ziehen immer mehr Schwimmer ihre Bahnen, bis zu 50 seien es bei schönem Wetter in den ersten beiden Stunden. Dazu gehört Bernd Runge, der dienstags und donnerstags, wenn das Freibad bereits um 6 Uhr öffnet, auf dem Arbeitsweg von Bremen nach Rotenburg Halt macht, um 3000 Meter zu schwimmen. Wer jetzt kommt, holt sich entweder den Schrankschlüssel im Schwimmmeister-Büro oder geht direkt ins Wasser.

„Es ist eine Abmachung, dass ich mir bei den Stammgästen am Anfang der Saison die Saisonkarte anschaue“, so der Freibad-Chef. Wer keine Karte besitzt, zahlt bar oder muss eine der vorhandenen Felder der Zwölferkarte entwerten. „Bis 8 Uhr bin ich auch Hauptkassiererin“, sagt Henry Kraft schmunzelnd. Zu den zahlenden Gästen zählen an diesem Morgen Hans-Werner und Margit Wilke sowie Doris Forian, die alle schon in der dritten Saison regelmäßig nach Sottrum kommen.

Während Kraft einen weiteren Schluck aus seiner Kaffeetasse nimmt, erscheint Luise Henke an der Bürotür, um nach ihren Runden im Wasser den Schlüssel wieder abzugeben. „Am liebsten würde ich jeden Morgen so früh kommen“, spielt die 65-Jährige darauf an, dass sie sich weitere Frühschwimmertage wünscht. Vom Freibad ist sie, genauso wie Heide Sackmann, begeistert. Beide Frauen müssen rechtzeitig zurück sein, um die Ladentüren ihrer Geschäfte zu öffnen.

Das frühe Aufstehen ist für Kraft und Wallbaum kein großes Problem. „Vor allen Dingen wenn man dann die lachenden Leute sieht, weiß man, wofür man es macht. Es macht Spaß“, so der Schwimmmeister. Da nimmt er es sogar in Kauf, was in der Branche sonst verpönt ist, auch mal „Bademeister“ genannt zu werden. Überhaupt war die Entscheidung, mit seiner Familie nach Sottrum zu kommen, „eines der glücklichsten Dinge, die uns passieren konnte“. Und die hat Familie Kraft bis heute nicht bereut.

„Hast du für mich eingeheizt?“, fragt in diesem Augenblick Jeannette Riebesell. Obwohl die 47-Jährige mit ihrem Ehemann ein Ferienhaus in der Karibik besitzt und daher noch wärmeres Wasser gewohnt ist, fühlt sie sich im Freibad sehr wohl. Auch die anderen Badegästen loben immer wieder die angenehme Atmosphäre.

Schon bevor der Zeiger 8 Uhr anzeigt schaut Heike Landwehr, die an diesem Tag als Kassieren arbeitet, um die Ecke, lässt sich von Henry Kraft die Schlüssel geben und die Kasse aufschließen. Die Frühschicht des Schwimmmeisters dauert noch bis 14 Uhr. Patrick Wallbaum ist aber bereits um 13 Uhr vor Ort, da die beiden in den Überschneidungszeiten Schwimmkurse leiten. Neben den Anfängerkursen gibt es um 13 Uhr einen offenen Kurs für Fortgeschrittene, die das nächste Schwimmabzeichen erreichen möchten. Besonders vorteilhaft empfinden viele Besucher, dass sie nur pro Übungsstunde bezahlen müssen. Auch Einzelstunden sind möglich. Derzeit unterrichtet Kraft drei Geschwisterkinder aus Montenegro, die kein Deutsch sprechen. Der Sottrumer Schwimmmeister findet: „Es ist eine spannende Sache. Überhaupt unterrichte ich gerne, wenn ein Handicap vorhanden ist.“

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