Projekt des Hegerings

Kitzrettung: Mehr als 70 Tiere vor dem Tod bewahrt

Mithilfe einer Wärmebildkamera an der Drohne können die Ehrenamtlichen die Kitze aufspüren, bevor der Landwirt die Mäharbeiten aufnimmt.
+
Mithilfe einer Wärmebildkamera an der Drohne können die Ehrenamtlichen die Kitze aufspüren, bevor der Landwirt die Mäharbeiten aufnimmt.

Mehr als 70 Rehkitze haben Freiwillige aus der Region Rotenburg in diesem Jahr retten können. Das Netzwerk steht früh auf, um die Tiere vor dem Mähtod zu schützen. Nun hat es auch technisch aufgerüstet.

Sottrum – Auf Initiative von Friedel Lossau aus Schleeßel sowie Petra und Thomas Hopp aus Hassendorf fanden sich im vergangenen Jahr Freiwillige zusammen, um Kitze vor dem ersten Grasschnitt mittels eines Copters aufzuspüren. Ausgestattet ist die Drohne mit einer Wärmebildkamera, die das Aufspüren erleichtert. In diesem Jahr konnten sie durch ihren Einsatz mehr als 70 Kitze retten.

Der Sottrumer Hegering, der damals einen entsprechenden Aufruf in der Zeitung und auf kreiszeitung.de startete, hatte Glück: Danach meldeten sich gleich mehrere interessierte und begeisterte Piloten, die engagiert bei der Stange blieben – obwohl ursprünglich kein einziger Frühaufsteher unter ihnen ist. Schnell kristallisierte sich ein „harter Kern“ heraus. Keiner von ihnen hat einen landwirtschaftlichen Hintergrund, und nur wenige Jäger schließen sich dem zeitintensiven und mitunter kräftezehrenden Job an. Während der Großteil des Teams nach der zusätzlichen Frühschicht zur Arbeit fährt, gibt es Freiwillige, die sich extra Urlaub für die gut drei Wochen dauernde Mahd-Saison nehmen. Ebenfalls entscheidend für den Erfolg eines solchen Suchtrupps: Jemanden im Team zu haben, der Erfahrung mit der Kitzrettung hat. Ist diese Person auch noch Jäger und der Landwirtschaft nahe, gelingen die Einsätze in der Regel reibungslos.

Es geht los: Die Helfer besprechen sich.

An 19 Einsatztagen wurden in der ersten Saison in 59 Stunden 340 Hektar abgeflogen. Das sind sechs Hektar pro Stunde inklusive der Logistik. 24 Kitze wurden gerettet, sechs Personen waren im Schnitt im Einsatz. Die Stadtwerke Rotenburg sponserten 2019 den ersten Copter. Dann folgte die Entscheidung, einen Verein zu gründen und auf modernere, effektivere Technik zu setzen. Sponsoren wurden gesucht, Spenden eingesammelt und Zuschüsse beantragt. Die Stadtwerke beteiligten sich, dazu gab es einen Zuschuss von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. So flogen die Mitglieder des Vereins „Rehkitzrettung Sottrum“ in dieser Saison mit einem Copter von DJI, ein „Mavic 2 zoom”, 900 Gramm schwer, und mit etwa 20 Minuten Flugzeit beziehungsweise Akkukapazität. Die Ausrüstung ergänzt außerdem eine Kamera „Flir Boson” mit höherer Wärmeempfindlichkeit, sodass die Rehkitzretter künftig in einer Höhe von 50 bis 70 Metern fliegen und so mehr Fläche schaffen können. Je wärmer es wird, desto schwieriger sei es, Wärmepunkte auf dem Display zu erkennen. Oft sind die Einsätze daher schon um 8 Uhr vorbei. Dafür stehen die Retter aber schon ab 4.30 Uhr an der Wiese, fliegen und laufen ab, retten Kitze.

Erst Kitzrettung, dann zur Arbeit

Gut drei Wochen geht es jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett und auf die oftmals kalte Wiese. Viele der Teammitglieder stellen fest, wie aufwendig und kräftezehrend die Einsatzbereitschaft ist. Während alle nach dem erfrischenden Morgen ihren regulären Jobs nachgehen, geht die Kitzretttung weiter. Die Jungtiere sind sicher am Wiesenrand, möglichst in einem schattigen Bereich, unter einem Wäschekorb verwahrt. Die Behältnisse sind mit Heringen gesichert, da die Kitze es sonst schaffen, sich zu befreien oder von den Ricken befreit werden. Zusätzlich werden die Körbe mit Gras verblendet, damit sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Über die mobileren Tiere, die sich nicht mehr fangen lassen, wird der Landwirt informiert, damit er auf der entsprechenden Fläche achtsam mäht.

Gut versteckt sind die Kitze im Gras.

Mehr als 70 Kitze haben die Ehrenamtlichen in diesem Jahr vor dem Mähtod retten können. Die mobileren Jungtiere wurden nicht erfasst. Der Verein sucht noch Interessierte für die kommende Saison. Informationen gibt es auf der Website des Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die Handykamera kann mehr als Fotos

Die Handykamera kann mehr als Fotos

Zu Besuch bei den Elefanten im Naturschutzgebiet Lubombo

Zu Besuch bei den Elefanten im Naturschutzgebiet Lubombo

Maria Schrader gewinnt Emmy für "Unorthodox"

Maria Schrader gewinnt Emmy für "Unorthodox"

Wie werde ich Baumpfleger/in?

Wie werde ich Baumpfleger/in?

Meistgelesene Artikel

Kommentare