Freilandschweine der „Dammsteg Outdoor GbR“ lassen sich von dem Wetter nicht abschrecken

Saukälte – auch in Ahausen

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Die Freilandschweine fühlen sich auch im Schnee pudelwohl.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Saukälte – wohl einer der häufig gebrauchten Begriffe in diesen Tagen. Doch können Schweine überhaupt frieren? Den Ahauser Freilandschweinen der „Dammsteg Outdoor GbR“ ist von der Kälte zumindest nichts anzumerken. Nur, wirklich bewegungsfreudig wirken sie derzeit nicht gerade.

Das liegt aber eher an der Bodenbeschaffenheit. Gerade war alles feucht und der Boden einfach auf den Kopf zu stellen, dann herrschen schlagartig Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und entsprechend „Frostbeulen“ auf der Wiese. „Klauen sind durchaus empfindlich. Die raue Oberfläche, die ist schon schwierig für die Schweine“, sagt Dr. Joachim Wiedner, Leiter des Veterinäramtes beim Landkreis. „Bei einer geschlossenen Schneedecke sieht die Welt dann schon wieder ganz anders aus.“

Helge Jacobsen, einer der „GbR“-ler und diese Woche gerade mit „Schweindienst“ an der Reihe bestätigt: „Sie pennen jetzt mehr.“ Zumindest verschwinden sie häufiger und länger in ihren Koben (Unterständen) und zeigen deutlich weniger Aktivität. Wiedner weiß: „Das schweinetypische Wühlen ist im Moment nicht möglich. Oberstes Gebot ist, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, Kalorien zu sparen und deshalb nur das Notwendigste zu machen.“ Wiedner: „Wenn sie wirklich frieren würden, wären sie ständig drinnen. Sie empfinden dieses Wetter nicht als mega toll, sie haben sich aber an die Umweltbedingungen angepasst, da sie ganzjährig draußen sind.“ Wer die Ahauser Freilandschweine häufiger mal sieht, kann feststellen, wie stark die Allesfresser zum Winter hin Borsten bekommen haben. Nicht nur viele, sondern vor allem lange.

Für die offenen Eingänge der Unterstände hat Helge Jacobsen gerade in Streifen geschnittene Vorhänge aus Teppichresten angebaut, damit der Wind von den Tieren abgehalten wird und die Borstenviecher ihre Unterkünfte bei kaltem Wetter besser auf Temperatur bringen können. „Die erste Garnitur haben sie schon kaputt gemacht“, berichtet Jacobsen. Schweine wollen beschäftigt werden, sie spielen gerne herum. Da kommt so ein Vorhang schon einmal ganz recht.

„Eine trockene, windgeschützte Unterkunft ist wichtig. Schweine sind so klug, dass sie sich aneinanderkuscheln und sich gegenseitig warm halten“, erklärt auch Wiedner. Bei dem reichlichen Stroh in den Koben haben die Schweine genug für Futter und Nestbau. Letzterer wird täglich neu betrieben beziehungsweise werden die vorhandenen Liegemulden ausgebessert.

Aneinander kuscheln tun sich allerdings nur Familienmitglieder, da Schweine über eine matrilineare Sozialstruktur (Mutterlinie) verfügen. Dabei haben die Sauen in der Familie das Sagen. Die Eber würden von Natur aus nach etwa einem Jahr abwandern. In Ahausen sind allerdings nur kastrierte Exemplare zwischen den einzelnen Sauen zu finden, Borg oder Altschneider genannt, die nicht entkommen können.

Die Rangordnung wird bei den Freilandschweinen jedes Mal neu mit Beißen und Schubsen ausgefochten, wenn ein Teil entweder zum Schlachter kommt oder neue Läufer zur artgerechten Haltung dazu stoßen, die seit Frühjahr 2014 betrieben wird. Läufer werden die Schweine zwischen 25 und 50 Kilogramm genannt.

Derzeit das Sagen haben die äußerst kräftigen Rotbunten Husumer Schweine oder auch Dänisches Protestschwein genannt und die Angler Sattelschweine. Vielleicht aber auch „nur“, weil sie am längsten auf der Weide am Dammsteg in Ahausen stehen. Untereinander kriegen sich die beiden Rassen immer wieder in die Haare.

Hervorragend lässt sich – allerdings bei wärmerem Wetter – das Sozialverhalten dieser Borstenträger beobachten und die vorherrschende Rangordnung. Neben den bereits ausgewachsenen Exemplaren wächst derzeit gerade die landläufig genannte „Drei-Rassen-Kreuzung“ heran. Ihre Mutter, eine Mischung aus der Landrasse Sau und dem Edelschwein Eber, wurde mit einem Duroc-Eber belegt, der typischerweise sehr robust ist.

Robust, Fettschicht und Borsten hin oder her: Wer hält sich bei dem scharfen, eiskalten Ostwind schon gerne im Freien auf, wenn es auch kuschlig in der guten Stube sein kann?

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