Amtsgericht verurteilt 31-Jährigen aus Ottersberg

Freiheitsstrafe trotz Abwesenheit

Das umfangreiche Vorstrafenregister sowie die Nichteinhaltung seiner Bewährungsauflagen veranlasste das Amtsgericht Rotenburg mitunter, den 31-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, ohne Bewährung zu verurteilen.

Rotenburg/Stuckenborstel - Obwohl ein wegen häuslicher Gewalt angeklagter Mann aus Ottersberg am Dienstag nicht zu seinem Gerichtstermin erschienen ist, hat ihn das Amtsgericht Rotenburg zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung verurteilt. „Er hat bereits Anfang Mai rechtliches Gehör erhalten, die Körperverletzung in zwei Fällen lässt sich nicht bestreiten“, argumentierte Richterin Petra Simon in ihrer Urteilsverkündung.

Während des ersten Verhandlungstags am 9. Mai hatte das Gericht Fotos von den Verletzungen einer 33-jährigen Mutter und ihrer 16-jährigen Tochter gesehen. Für die Justiz war die Straftat damit eindeutig belegt. Für Verwirrung sorgten damals allerdings die widersprüchlichen Aussagen der beiden Opfer, wodurch sie sich teilweise selbst belastet hatten. Laut Anklageschrift hatte der Ottersberger seine damalige Verlobte am Morgen des 3. Dezember 2016 in ihrer gemeinsamen Wohnung in Stuckenborstel geschlagen und ihre 16 Jahre alte Tochter verletzt. Eifersucht sei damals das Motiv gewesen: Die 33-Jährige habe ihrem Ex-Verlobten damals vorgeworfen, er habe eine sexuelle Beziehung mit einer Anderen.

Kurios war, dass Mutter und Tochter vor Gericht damals behauptet hatten, genaue Details zum Hergang nicht mehr zu wissen. In ihren Aussagen bei der Polizei im Dezember sagten beide aus, der Mann hätte die 33-Jährige nach ihren Vorwürfen unter Einfluss von Drogen mehrfach geschlagen, im Eifer des Gefechts die 16-Jährige am Auge getroffen und schließlich gedroht, beide umzubringen. Das Paar sei aufeinander losgegangen, sagte die Tochter Anfang Mai vor dem Amtsgericht aus. Sie war es auch, die während der Auseinandersetzung die Polizei angerufen hatte. So galt es für die Justiz herauszufinden, was im Dezember 2016 genau passiert ist. Die Aufnahme des Notrufs der 16-Jährigen bei der Leitstelle hätte vielleicht für mehr Klarheit sorgen können. Allerdings wurde diese Datei nach sechs Wochen gelöscht.

Mitarbeiter aus Notrufzentrale berichtet im Zeugenstand

Um Licht in die Sache zu bringen, hat das Gericht am Dienstag den damals zuständigen Mitarbeiter der Notrufzentrale in den Zeugenstand geladen. Der konnte sich nach eigener Aussage „noch recht genau“ an das Gespräch mit der Tochter erinnern. Einen solchen Anruf zu einer derart frühen Uhrzeit habe er zuvor noch nicht erlebt. Er erinnerte sich, dass das Mädchen äußerst hysterisch gewesen sei. Sie habe davon gesprochen, dass „irgendwer ihre Mutter schlägt“. Im Verlauf des Telefonats habe die Tochter auch schmerzerfüllte Laute von sich gegeben. „Mir kam es so vor, dass der Freund gerade bei der Mutter und dann bei der Tochter handgreiflich wurde“, so der Zeuge. Der habe ihr schließlich geraten, den Angeklagten gehen zu lassen, um so die Situation zu deeskalieren. Die Mutter allerdings hatte die Haustür verriegelt. Schlussendlich ließ die Tochter den Mann dann aber auf Geheiß der Notrufzentrale frei. Als die Polizei eintraf, war er bereits verschwunden.

Zu der Verhandlung am Dienstag erschien der 31-Jährige nicht – unentschuldigt. Sein Bewährungshelfer hingegen war anwesend, konnte zu seiner Lebenslage aber keine Angaben machen. Sie hätten keinen Kontakt, ein unangekündigter Hausbesuch und mehrere Anschreiben blieben erfolglos. Für Richterin Simon und die Staatsanwaltschaft sprach das umfangreiche Vorstrafenregister sowie die Nichteinhaltung seiner Bewährungsauflagen für die Freiheitsstrafe. 

jo

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