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„Freedom Day“ fürs Federvieh: Landwirt aus Höperhöfen ist erleichtert

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Von: Lars Warnecke

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Mehr Aufwand: Geflügelzüchter Cord Meyer aus Höperhöfen kontrolliert, ob im mobilen Stall alles in Ordnung ist.
Mehr Aufwand: Geflügelzüchter Cord Meyer aus Höperhöfen kontrolliert, ob im mobilen Stall alles in Ordnung ist. © Warnecke

Noch mussten sie am Dienstag im mobilen Stall bleiben, die rund 800 Hühner von Züchter Cord Meyer aus Höperhöfen. Doch damit ist dem 16. März Schluss: Der Landkreis hebt die Stallpflicht für Geflügel auf, die seit Anfang Februar flächendeckend gegolten hatte, um das Federvieh vor einer Infektion mit dem Geflügelpest-Virus zu schützen.

Höperhöfen – Sechs Wochen lang mussten sämtliche fast 2 000 Geflügelhalter im Landkreis Rotenburg ihre Tiere im Stall behalten. Wegen der sich ausbreitenden Vogelgrippe hatte das Veterinäramt per Allgemeinverfügung eine sogenannte Aufstallung angeordnet. Die ist ab Mittwoch wieder aufgehoben – quasi ein „Freedom Day“ für das Federvieh. Einer, der die Auflagen ebenfalls konsequent einhalten musste, ist Cord Meyer aus Höperhöfen.

800 Hühner nennt der Landwirt sein Eigen. Deren Eier kommen normalerweise direkt von der Weide auf den Tisch. Freilandhaltung nennt sich das. Nun musste auch der 56-Jährige die „Damen“, wie er seine Hühner nennt, in Quarantäne-Einheiten unterbringen – in drei mobilen Ställen auf einer Weidefläche an der Kreisstraße zwischen Höperhöfen und Bötersen. Mehrmals am Tag habe er dort nach dem Rechten gesehen. „Ich musste ständig gucken, dass sie sich nicht gegenseitig die Federn auspicken und verletzen“, sagt Meyer. Denn die Tiere würden jeden Tag um 10 Uhr zum Ausgang drängen, weil sie es gewohnt seien, dann nach draußen zu kommen.

Aber die Klappen, die sich sonst vollautomatisch öffnen, blieben seit Anfang Februar dicht. Obwohl die Ställe an sich viel Platz böten, verursache die ungewohnte Situation bei der Herde Stress. „Und das verkürzt auch die Nutzungsdauer der Hennen, weil die darunter wirklich leiden“, weiß der Landwirt, der die Eier aus Freilandhaltung sowohl auf dem eigenen Klangens Hof wie auch auf Wochenmärkten in Sottrum und Achim vertreibt sowie mit den Erzeugnissen zwei inhabergeführte Edeka-Märkte beliefert.

Das ist das Wichtigste überhaupt, dass die Hühner abgelenkt sind.

Cord Meyer

Immerhin: Ein selbst gebauter Weideschuppen, eine nach allen Seiten hin offene Remise mit Vogelschutznetz drumherum gespannt, habe den Tieren während der Aufstallungsphase wenigstens ein wenig Freilauf gewährt. „Da haben die aus dem mobilen Stall direkt reinlaufen können.“ Und: Damit das Federvieh beschäftigt ist und sich nicht mit seinen messerscharfen Schnäbeln gegenseitig verletzt, seien in den Ställen vom ersten Tag an Körbe aufgehängt worden mit Möhren, Roter Bete sowie Heu. Und auch Körner seien über eine Zeitschaltuhr in schöner Regelmäßigkeit verstreut worden. Meyer: „Das ist das Wichtigste überhaupt, dass die Hühner abgelenkt sind, wenn die Klappen nicht wie gewohnt aufgehen.“

Was den Landwirt jedoch mehr beschäftigt als die Stallpflicht: Durch den Krieg in der Ukraine seien auch die Futterpreise für die Legehennen enorm gestiegen – von vormals 32 Euro pro Zentner auf nunmehr 65 Euro. „Das bedeutet, dass wir den Preis erhöhen mussten – auf jetzt 40 Cent pro Ei.“ Denn aus reiner Nächstenliebe, sagt er, würde man das Geschäft natürlich nicht betreiben.

Eine Neudeklarierung der Erzeugnisse ist Cord Meyer indes erspart geblieben. Wie er berichtet, sei ein Freilandei nach 14 Wochen, in denen ein Aufstallungsgebot in Kraft ist, nicht mehr als ein solches zu sehen, sondern als ein Bodenhaltungsei. „Wären wir über diesen Zeitraum hinausgekommen, hätten wir unsere Kartons, auf denen wir für unsere Freilandhühnerhaltung werben, nicht mehr nutzen können.“ Tatsächlich, weiß er, würde seine Kunden der Unterschied gar nicht so sehr interessieren. „Aber es muss Regeln geben – und an die hat sich jeder zu halten.“

Die Ställe hat Meyer übrigens schon so in Position gebracht, dass sie wieder auf einer freien Fläche stehen. Ob ihm ein Stein vom Herzen fällt, dass das Geflügel wieder ins Freie darf? „Ja, aber vor allem meinen Damen.“

Landkreis hebt Stallpflicht auf

Am Mittwoch, 16. März, endet die Stallpflicht für die heimischen Geflügelhaltungen im Landkreis Rotenburg. Die Verwaltung hebt die allgemeine Verfügung auf, die seit dem 1. Februar kreisweit gegolten hatte. Die sogenannte Aufstallungspflicht war angeordnet worden, um die heimische Geflügelhaltung vor einer Infektion mit dem Geflügelpest-Virus zu schützen. „Eine aktuelle Betrachtung der Seuchenlage in Niedersachsen, der Wildvogelfunde im Landkreis sowie der umgebenden Gebiete macht es nach derzeitigem Stand möglich, die Pflicht aufzuheben“, heißt es aus dem Kreishaus. Bei einer Verschärfung der Tierseuchenlage könne sie jedoch jederzeit erneut angeordnet werden. Auffällige Tierverluste seien dem Veterinäramt unter der Telefonnummer 04261/983-2366 beziehungsweise -2358 oder per E-Mail an veterinaeramt.row@lk-row.de zu melden. 

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