Schau in Zeven

Nach Corona-Lockerungen: Horstedterin darf endlich ausstellen

Eine Frau steht vor einem gelblichen, abstrakten Gemälde.
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Elfi Wiese vor einem ihrer Bilder. Im dritten Anlauf darf sie im Zevener Königin-Christinen-Haus ausstellen.

Horstedt/Zeven – Im dritten Anlauf hat es dann doch geklappt. Zwei Mal musste die Horstedter Künstlerin Elfi Wiese ihre Ausstellung „Neue Landschaft“ im Zevener Königin-Christinen-Haus verschieben.

Doch seit Donnerstag ist sie nun endlich dem Publikum zugänglich – wenn auch mit Einschränkungen. Es war eine stille Eröffnung, eine richtige Vernissage war aus den bekannten Gründen natürlich undenkbar.

Wiese nimmt einen ungewöhnlichen Weg für ihre Landschaften, die auf den ersten Blick vielleicht auch gar nicht als solche zu erkennen sind. Auf Farbschichten malt sie unzählige Zeichen und Formen, die nach einer Weile der Betrachtung im Auge regelrecht zu flimmern scheinen. „Von Landschaften hat man bestimmte Vorstellungen, aber das wird nicht erfüllt werden von mir“, sagt Wiese. Dem Betrachter ist es selbst überlassen, was für eine Landschaft er darin sieht. Vielleicht ein Teichufer mit Spiegelungen der Sonnenstrahlen im Wasser? Eine Dünenlandschaft in der Wüste? Im Bild ergibt sich ein Spiel aus Licht und Farben. Eine Farbe wirkt in einem Einfallswinkel des Lichtes gerne auch mal anders als im anderen.

Wann und wie

Die Ausstellung „Neue Landschaft“ von Elfi Wiese ist vom 18. März bis zum 30. Mai 2021 in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11, in Zeven zu sehen. Öffnungszeiten sind donnerstags, sonntags sowie an allen Feiertagen von 14.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Pandemiebedingt sind Besuche zurzeit nur mit Voranmeldung möglich. Telefonisch geht das während der Öffnungszeiten unter der Rufnummer 04281 / 7971.

Kleine Zeichen in den Bildern der Ausstellung „Neue Landschaft“ sind charakteristisch. Überall auf dem Bild sind sie dicht verteilt, schaffen durch ihre Farbtönung sogar die Illusion von Raum. Diese kleinen Zeichen – Wiese nutzt für sie keinen besonderen Ausdruck – „kommen mittlerweile aus dem Handgelenk“. Die Bilder wirken dadurch chaotisch und üben dabei eine gewisse Faszination aus. Man kommt nicht umhin, mit dem Blick in Bewegung zu geraten.

Es kann vorkommen, dass gerade die älteren Bilder sich an die bekannten Buchstaben und Zeichen orientieren. Manches mutet chinesisch an, ist aber ebenfalls frei erfunden. „Buchstaben sind auch nur Zeichen, deren Sinn wir verstehen“, sagt Wiese. „Mir ist nicht daran gelegen, das die Leute das lesen können.“ Hier bricht nicht zum ersten Mal ein wenig Pragmatismus durch. Interpretationen, Gefühle des Betrachteten kann sie nicht erzwingen.

Dass Landschaft aber in den Bildern drinsteckt, lässt sich nicht bestreiten. Naturmaterialien wie Erde oder Pflanzen, die die Horstedterin auf Reisen sammelt oder Bekannte und Freunde ihr zuschicken, sind teilweise in die Farben eingearbeitet. „Es muss das rein, was das Bild zum Bild macht“, drückt Wiese es aus. Die rötliche Grundierung in einem Bild kommt zum Beispiel von der Erde an einer griechischen Kultstätte. Seit sie das macht, habe sich ihr Blick auf die Dinge in ihrer Umgebung verändert, so Wiese.

Die Natur im Bild beziehungsweise in der Farbe: Das macht sie aber in erster Linie für sich selbst. Für den Betrachter sei das allenfalls eine nette Geschichte zum Bild, sagt Wiese. Für ihn sei das Material aber nicht wichtig. „Wenn das Bild da hängt, hängt da das Bild“, sagt Wiese trocken. Doch durch das Material bekomme sie Lust, etwas zu machen. „Ich weiß vorher nicht, was es werden soll.“ Anfangs gibt es zwar eine Idee, doch wie es oft so ist, kommen im Schaffensprozess immer wieder neue Ideen dazu. Das Bild entwickelt sich beim Malen.

Künstlerin als Forscherin

Elfi Wiese wurde 1957 in Leverkusen geboren. Nach einem Studium Soziologie in Trier und Sozialpädagogik in Köln begann ihre eigentliche künstlerische Arbeit. 1986 folgt ein Studium Kunst und Kunsttherapie an der Fachhochschule in Ottersberg und der Umzug nach Horstedt. Neben ihrer Arbeit als Kursleiterin und Dozentin entwickelte sie für die Gesellschaft für soziale Hilfen (GESO) das künstlerische Atelier der Tagesstätte Quab in Zeven, das sie viele Jahren lang leitete.

Man könne Wiese auch als Forscherin bezeichnen, so Kurator Jan Jaap Roosing, die experimentell auf einer Leinwand mit Farben und Formen auf Entdeckungsreise geht. Somit seien ihre Bilder die Ergebnisse ihrer Expeditionen. Dabei sei sie immer bestrebt durch Kontrastierung und Harmonisierung unterschiedlicher Form und Farbelemente zu einem stimmigen Gesamtbild zu gelangen. Für diese Ausstellung seien speziell diese Bilder aus Wieses Gesamtwerk ausgewählt.

Wer aber klassische Landschaftsbilder erwarte, werde sich wundern, bestätigt Roosing. Bei ihren „Neuen Landschaften“ gehe es vielmehr um künstlerische Annäherungen, um Landschafts-Stimmungen und den Versuch, die Atmosphäre, Luft, Duft und Farben einer Landschaft einzufangen.

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