Schwimmmeister reparieren Fliesen

Sottrumer Freibad-Team führt Reparaturen im laufenden Betrieb durch

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Der Kleber reicht noch nicht, also gibt Patrick Wallbaum noch ein bisschen obendrauf.

Sottrum - Von Antje Holsten-Körner. In einer halben Stunde öffnet das Sottrumer Freibad seine Türen für die Badegäste. Zu dieser Zeit sind Schwimmmeister Henry Kraft und sein Kollege Patrick Wallbaum startklar für einen besonderen Einsatz: Sie werden sozusagen eine Operation am offenen Herzen vornehmen. „Elf Fliesen müssen neu verlegt werden, ohne dass wir das Wasser ablassen“, berichtet Kraft. Diese haben sich in den vergangenen Wochen am Boden des Schwimmerbeckens gelöst.

Jedes Frühjahr, bevor es heißt „Wasser marsch“, wechselt ein Fliesenleger alle durch den Frost beschädigten Fliesen aus. „Wir wägen ab, wo es wirklich notwendig ist, denn alle auszutauschen wäre viel zu teuer“, so der Schwimmmeister. Fast immer liegt er damit richtig, denn das ist erst der zweite Taucheinsatz in seinen 15 Dienstjahren im 40 Jahre alten Bad.

Elf Fliesen verlegen, das klingt erst mal nach wenig. Der Aufwand, den die beiden Kollegen dafür betreiben müssen, ist groß: Während Wallbaum den kleinen Tisch mit Fliesen, Kleber und Hammer an den Beckenrand stellt, legt Kraft die Tauchausrüstung an. Um seine neuen Badeshorts nicht zu ruinieren, denn es wird mit schnellhärtendem Material gearbeitet, hat der 53-Jährige ein älteres Modell aus dem Schrank geholt.

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, geht es für ihn runter in das an dieser Stelle rund zwei Meter tiefe Wasser. „Damit ich nicht beim Andrücken der Fliesen nach oben treibe, bin ich heute überbleit“, erklärt er. Bleigewichte sind ein wichtiger Teil eines Tauchganges, denn sie kompensieren den statischen Auftrieb des Tauchers und seiner Ausrüstung. 

Die Menge des Bleis berechnet sich nicht nur nach Körpergewicht, sondern außerdem nach Ausrüstung und Art des Gewässers. Reine Mathematik ist das nicht, denn die Erfahrung Krafts spielt ebenfalls eine Rolle.

Sorgfältig arbeitet Schwimmmeister Henry Kraft mit der Silikonspritze. Die neuen Fliesen sind ein Provisorium. Im Frühjahr kommt ein Handwerker vorbei. 

Die erste Aufgabe, den grauen Kleber zwischen vorhandenen Fliesen und Betonboden mit einer Silikonspritze aufzubringen, ist schnell erledigt. Es folgen die ersten schwarzen Fliesen, die Wallbaum zuvor mit reichlich Kleber versehen hat. Während Kraft die vierte Fliese an seinen Platz bringt, verlässt sein Kollege kurz den Arbeitsplatz am Becken. „Es ist gleich 9 Uhr, ich muss die Türen öffnen“, sagt er. Die ersten Gäste stehen schon vor der Tür.

Inzwischen ist Kraft bei den sechs weißen Fliesen angelangt. Weiß? Aber die anderen Fliesen sind doch blau! „Das ist eine optische Täuschung, die durch die blauen Wandfliesen und die UV-Strahlung entsteht“, so der Freibad-Chef. Währenddessen kommen die ersten Schwimmer ins 25 Grad warme Wasser. Schnell summiert sich ihre Anzahl auf fast zwei Dutzend, die ihre Bahnen ziehen.

Auf einem kleinen Tisch liegen die Fliesen bereit. Elf muss Henry Kraft neu einsetzen.

Durch das gute Wetter der vergangenen Wochen liegt die Besucherzahl in dieser Saison bisher bei mehr als 26.000. Dabei handelt es sich nicht nur um Badegäste aus der Samtgemeinde, denn zu ihnen gehört auch Ursula Schmitz-Hintze aus Achim. „Es ist hier sehr schön“, schwärmt die Rentnerin. 

Sehr gut gefällt ihr auch der Service, zu dem sie nicht nur die Betreuung durch Henry Kraft und Patrick Wallbaum zählt, sondern auch Heike Landwehr-Johannsen, die heute an der Kasse sitzt. „Bei der Bezahlung wurde sogar gefragt, ob ich Rentnerin bin“, sagt sie. Mit einem Eintrittspreis von 3,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder und Senioren liegt Sottrum nicht zu hoch.

Für die Kinder sind die Taucher eine besondere Attraktion

Der Bademeister in Taucherausrüstung erregt die Aufmerksamkeit der Badegäste. „Henry, was machst du da?“, fragt Stammkundin Rita Kruse, die gerade in Höhe der Baustelle schwimmt. Auch sie kommt gerne ins Freibad der Wieste-Gemeinde. 

Inzwischen hat die letzte Fliese auf dem Boden des 50 mal 20 Meter großen Beckens ihren Platz gefunden. Mit dem Verfugen kann Kraft allerdings keinen Schönheitspreis gewinnen. „Damit stehe ich schon an Land auf Kriegsfuß“, meint er schmunzelnd. Die Reparatur muss auch nur bis zum Saisonende – also Ende September – halten, denn im Frühjahr kommt der Handwerker wieder und wird die elf Fliesen fachgerecht austauschen.

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