„Muckelige Spielstätte“

Jon Flemming Olsen in Ahausen: Wiederhören nach 25 Jahren

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Jon Flemming Olsen zeigte sich dem Publikum zugewandt.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Er ist ein Musiker, der mit Muschel und Aal auf dem Meeresgrund auf dem Meeresgrund liegt und von einem Erdbeermund träumt. Dessen Leben auf einmal vor der Tür steht und er auf ein Bier herein und zum Bleiben bittet: Der Gelegenheitshamburger Jon Flemming Olsen – einigen eher bekannt als Imbiss-Wirt Ingo aus der Fernsehserie „Dittsche“. Der Sänger gastierte mit seinem neuen Album „Von ganz allein“ am Freitag auf dem Ahauser Kulturhof.

So sehr die sozialen Medien im Internet ein Fluch sind, zumindest in einer Hinsicht hatten sie Vorzüge: Alte Freunde und Bekannte lassen sich aufstöbern, alte Kontakte aufwärmen und mitunter halten; sofern man sich etwas zu sagen hat. Offensichtlich war das der Fall bei Kulturhof-Chefin Christina Fry und Olsen. Sie hatte ihn bei Facebook aufgestöbert. Vor 30 Jahren war sie Backgroundsängerin bei dem Gründer der Country-Gruppe Texas Lightning, die 2006 den Ohrwurm „No No Never“ lieferte.

„Ich bin ganz aufgeregt, ich bin happy“, sagt die Sängerin, als Olsen in die Spielstätte getänzelt kommt. „Ahausen, Mensch, endlich kommen wir zusammen, ein Konzert, auf das sie 25 Jahre warten mussten. Manchmal brauchen Dinge einfach lange“, liefert Olsen sein Warm-up. „Schön, in dieser kleinen muckeligen Spielstätte zu spielen.“

Ebenfalls schön, dass Olsen den Weg nach Ahausen gefunden hat, wo eine brechend volle Bude wünschenswert gewesen wäre. Olsen zeigte sich sehr dem Publikum zugewandt, überzeugte mit Bühnenpräsenz, phantasie- und gefühlvollen, teils innigen Texten, Entertainer-Qualitäten und Gesang. Letzteres mit klarer Artikulation, was nicht immer bei „Singer-Songwriter“-Konzerten der Fall ist.

So trafen die ausschließlich eigenen Songs – vorwiegend Balladen – mal den Nerv der Zeit, ins Herz, die Tränendrüse. Die Texte sind dem realen Leben und der Gefühlswelt entsprungen und mit einem Hauch Phantasie angereichert. Wie immer geht es um das Leben mit all seinen Höhen, Tiefen, Sehnsüchten, Hoffnungen, Enttäuschungen, gebrochenen Tabus, Ängsten und Schmerzen sowie natürlich die Liebe. Auch zu sich selbst. An sich glauben, so wie es scheinbar Olsen mit seinem Album „Von ganz allein“ getan hat, dass er mit einem Crowdfunding-Projekt finanziert hat. Vielleicht festigte der Song „Wenn du’s wirklich willst“ den Glauben daran, dass es funktioniert, denn: „Wenn du’s wirklich willst – Ja, dann gib nicht auf – Wenn du’s wirklich liebst – Ja, dann lass es raus – Wenn’s zu dir gehört – Ja, dann halt es fest – Wenn du das nicht tust, dann ist es besser, wenn du’s lässt“. Ob es nur für Projekte oder auch die große Liebe gilt, verriet Olsen nicht.

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