Fische aus Wachs

Sottrumerin Adriana Kupicz gestaltet besondere Taufkerzen

Mit ihren selbst gemachten Taufkerzen tobt sich Adriana Kupicz kreativ aus.
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Mit ihren selbst gemachten Taufkerzen tobt sich Adriana Kupicz kreativ aus.

Alles, aber nicht Standard: Adriana Kupicz aus Sottrum gestaltet Taufkerzen. Mit Liebe zu Detail hat sie sich mittlerweile einen Namen gemacht.

Sottrum – „Ich bin das Licht der Welt“: Dieser Satz aus dem Johannes-Evangelium gehört zu jeder Tauffeier – wie auch das Entzünden einer Kerze. Allerdings: Mit den oft üblichen schlichten weißen Kerzen haben die Werke von Adriana Kupicz eher wenig zu tun. Zarte Ranken mit blau-grünen Blättern, eine Girlande aus blauen Sternen oder ein rosa Schiff mit Fischen – auf etwa 23 Zentimeter hohen, mal weißen, mal grauen Rohlingen lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf. „Dabei war das alles irgendwie Zufall“, sagt die Sottrumerin.

Angefangen hat alles vor vier Jahren mit Paul, Adriana Kupicz’ Patenkind. „Der andere Pate hatte den Auftrag, eine Taufkerze zu besorgen, und hat das leider vergessen. Zum Bestellen war es zu spät – und da habe ich gedacht: Dann mache ich das halt selber“, erinnert sich die Sottrumerin mit einem Lachen. Sie besorgte sich einen Kerzenrohling und verschiedenfarbige Wachsplatten und macht sich an die Arbeit.

„Das Licht ist das Symbol für Jesus Christus“, erklärt Michael Blömer, Superintendent im Kirchenkreis. „Es ist Orientierung – und gleichzeitig stellt die Kerze eine Erinnerung an die Taufe dar.“ Auch ohne Kerze wäre eine Taufe gültig, so Blömer. „Aber eigentlich bekommt jeder Täufling eine Kerze. Schließlich ist sie neben dem Wasser ein schönes Symbol für die Taufe.“

Manchmal gestalten Eltern oder Paten die Kerzen, und so hat es auch bei Adriana Kupicz angefangen, obwohl sie mittlerweile auch auf Nachfrage arbeitet. „Es geht natürlich auch, ein Motiv per Digitaldruck auf die Kerze aufzutragen. Aber das ist für mich keine Handwerkskunst“, sagt Adriana Kupicz. Sie geht anders vor: Jedes einzelne kleine Blatt, jeden Fisch, jedes Ornamentstückchen schneidet sie aus dem Bastelwachs mit dem Skalpell aus. Fädelt kleine Perlen mit Buchstaben zu Namenskettchen auf, die sie dann an der Kerze befestigt. Drapiert dünne Wachsstränge zu Buchstaben und feinen Strukturen.

Etwa eineinhalb bis zwei Stunden braucht sie für eine Kerze, und das bei einer sehr kleinteiligen Arbeit, bei der ihr allerdings ihre Ausbildung als Zahntechnikerin entgegenkommt. „Von daher bin ich den Umgang mit Wachs gewohnt.“ Bis vor zehn Jahren hat die heute 39-Jährige in ihrem Beruf gearbeitet, bevor sie mit ihrer Boutique den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. „Aber schon in der Schule hatte ich Spaß an solchen feinen Arbeiten.“ Wichtig ist es dabei, keine allzu warmen Hände zu haben: „Aber meine sind sowieso eher kalt“, sagt sie und lacht. „Wenn das Wachs etwas zu hart ist, macht das nichts, zu weich ist aber eher das Problem.“ Und das taucht vor allem im Hochsommer auf. „Da bin ich auch schon mal für die Produktion mit meinem Material zu Hause zum Basteln in den Keller umgezogen und habe meine Hände sicherheitshalber mit Eiswürfeln gekühlt.“

Schon einige Kerzen hat sie verkauft, „ohne das ich irgendwie Werbung dafür gemacht hätte“, sagt Adriana Kupicz und etwas Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Denn bislang läuft es allein über Mundpropaganda: „Das war schon bei der Taufe von Paul so: Irgendjemand sah die Kerze, sie gefiel, und da hieß es ,Oh, so eine hätte ich auch gerne für mein Patenkind.‘ Das Ganze ist also einfach so entstanden.“

Viele Nachfragen trudeln mittlerweile über Facebook und Whatsapp ein, auf diesem Weg hält sie Kontakt und schickt zwischendurch auch mal Bilder über den Stand der Dinge. „Oft kommen meine Kunden schon mit einer eigenen Idee, die ich dann umzusetzen versuche“, sagt sie. Manchmal allerdings geben die Interessenten nur wenig vor, dann ist Adriana Kupicz volle Kreativität gefragt. „Ich kann mich da auch oft richtig austoben, meine eigenen Ideen, meinen eigenen Stil umsetzen – und am Ende kommt etwas Schönes dabei heraus.“ Einen gezeichneten Rohentwurf auf Papier macht sie nicht: „Ich gestalte das Motiv direkt auf der Kerze.“

Die Symbolik ähnelt sich immer wieder – Fische, Friedenstauben, das Kreuz. „Fast auf jeder Kerze ist das Kreuz zu sehen – und manchmal auch ein wenig versteckt“, verrät Adriana Kupicz und zeigt auf das Motiv mit dem Schiff, wo sich erst auf den zweiten Blick der Mast inmitten von Segel und Fähnchengirlande als das christliche Symbol entpuppt.

„Für mich ist das Entspannung“, erklärt Adriana Kupicz. „So wie andere Leute Yoga machen, finde ich Ruhe, wenn ich mit Wachs und Perlen arbeite.“

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