Verzögerung beim Europäischen Heimat- und Kulturhaus in Sottrum

Keine Einweihung im Herbst

Die Balken ehemaligen Häuslingshauses.
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Die Balken des ehemaligen Häuslingshauses müssen noch mit einer Schutzfarbe versehen werden.

Sottrum – Im März war die Grundsteinlegung des neuen „Europäischen Kultur- und Heimathauses“ in Sottrum. Es ist ein besonderes Projekt, das der Heimatverein dort im wahrsten Sinn aus dem Boden stampft: Er hat dazu ein sogenanntes Häuslingshaus von einem Bauernhof bei Osterholz-Scharmbeck gekauft, es dann abbauen und nach Sottrum transportieren lassen.

Ursprünglich war angedacht, das Gebäude im Herbst einzuweihen – doch daraus wird wohl nichts, wie Heimatvereinsvorsitzender Hans-Jürgen Krahn vor Ort berichtet.

Noch sieht es sehr modern aus, von außen ist eine weiße Grundmauer auf einem Ziegelsockel zu sehen. Doch wer näherkommt, erkennt die alten, frisch gestrichenen Eichenbalken des Häuslingshauses im Inneren. Einige sind auf der Wiese am angrenzenden Spieker verteilt, Vereinsmitglieder haben sie erst neu gestrichen. Und auch das Äußere wird noch angepasst, sagt Krahn. Es bettet sich dann passend in das übrige Ensemble auf dem Gelände ein. Optisch wird es so aussehen, wie das alte Häuslingshaus aussah. Technisch und energetisch ist es aber an heutige Standards angepasst. Beispielsweise mit Wärmedämmung, „so etwas gab es früher natürlich nicht“, so Krahn – ist heute aber notwendig.

Wir hatten einen anderen Zeitplan.

Heimatvereinsvorsitzender Hans-Jürgen Krahn

Ohnehin liegt das neue Heimathaus ein Stück höher als der Spieker nebenan. Das ist der Tatsache geschuldet, dass das Grundstück im Überschwemmungsgebiet liegt – anders wäre ein Bau nicht möglich gewesen, das war Vorgabe des Landkreises. Wenn aber erst mal der Außenbereich später hergerichtet ist, wird der Unterschied nicht mehr so sichtbar sein, versichert Krahn.

Eigentlich wollten sie aber jetzt schon viel weiter sein mit dem Bauwerk. „Wir hatten einen anderen Zeitplan.“ Doch den haben Corona und die stark gestiegenen Baustoffpreise zunichtegemacht. „Vor einem Jahr war das noch anders, aber da hatten wir noch keine Baugenehmigung.“ Insgesamt wird es nun teurer, Krahn rechnet mit Kosten von etwa einer halben Million statt der bisher erwarteten 450 000 Euro. Das funktioniere, dank der Förderung aus bis zu 200 000 Euro vom Land Niedersachsen, 50 000 Euro vom Landkreis und weiteren 100 000 Euro aus einer Erbschaft, die der Heimatverein über die Gemeinde erhalten hat, und eines kleinen Puffers des Vereins, der den Rest aus Eigenmitteln stemmt. Aber: „Wir müssen aufpassen.“

Für die Finanzierung hat der Verein nun einen Zwischenkredit aufgenommen, wofür er aber warten musste, bis die Pandemielage wieder eine Mitgliederversammlung erlaubt hat. Die Finanzmittel aus der Landesförderung gibt es erst bei Abschluss des Projekts. Der Verein hat aber Glück gehabt: Er hat einen Sponsor gefunden, der die Zinsen des Kredits übernimmt. „Ich bin immer Optimist, aber wir dürfen uns auch finanziell nicht überfordern“, sagt Krahn.

Die Zusammenarbeit mit den Firmen sei gut, lobt er, dennoch wollen sie, wo möglich, Eigenleistungen erbringen und auch „an der ein oder anderen Stelle abspecken“. So hatten sie ursprünglich an Eichenbohlen, passend zu den vorhandenen Balken gedacht. Die Originalbalken sind aus dem 18. Jahrhundert, vermutlich von Eichen aus dem 16. Jahrhundert. „Aber die Preise sind explodiert.“ Jetzt verwenden sie ein anderes, dunkles Holz, was nachher aber optisch keinen Unterschied mache.

Es geht voran auf dem Gelände des neuen Europäischen Heimat- und Kulturhauses in Sottrum – doch nicht so schnell, wie sich der Heimatverein das erhofft hatte.

Krahn rechnet derzeit damit, im August das Richtfest feiern zu können. Die Einweihung findet aber wahrscheinlich erst im Winter statt. Auch hat es hier und da noch Nachbesserungen geben müssen. „So ein Haus ist schon was anderes als ein Einfamilienhaus, das ist eine Herausforderung“, merkt er bei der Begehung an. So muss unter anderem unter die Eichensäulen im Erdgeschoss jeweils ein neues Fundament, um die Höhe des Raums zu erreichen, da ein Teil der dicken Balken vermodert war. Schon jetzt ist aber ein schöner, großer Raum erkennbar. Im hinteren Teil befinden sich noch ein Technikraum, der Aufgang später zum Obergeschoss, eine Küche und die Toiletten. Im Obergeschoss sind eine Wohnung, zum Beispiel für Künstler aus den Partnerstädten in Polen und Frankreich, und das Archiv geplant.

Das Backhaus, was vorher an der Stelle stand, wo jetzt das neue Heimathaus entsteht, ist vorerst noch beim Bauhof eingelagert. Künftig wird es seinen Platz im neugestalteten Park am Eichkamp finden. Der Abbau war notwendig, weil das Heimathaus sonst keinen Platz gehabt hätte. Einen Ofen könnte es aber vielleicht wieder geben: Krahn spielt mit dem Gedanken, auf der Wiese zwischen Spieker und dem Heimathausgarten einen Ofen aufzubauen. Er muss lachen: „Aber erst, wenn das hier fertig ist!“

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