Bürger befürchten Weggang der jungen Familien / Gemeinderat nimmt sich Thema an

Fehlendes Baugebiet das Ende für Winkeldorf?

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Henning Schnackenberg (Mitte) mit Sohn Nico, sowie Manfred und Sabine Romer gehören zu den Winkeldorfern, die auf ein Baugebiet am Ortseingang aus Richtung Nartum hoffen.

Winkeldorf - Von Antje Holsten-Körner. Im 330-Seelen-Ort Winkeldorf, wo sich der Schützenverein und die Feuerwehr großer Beliebtheit erfreuen, ist die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls fast. „Für die jungen Leute, die gerne bauen möchten, fehlen Grundstücke“, bedauern Sabine und Manfred Romer.

Ihr 25-jährige Sohn Kevin gehört zu den jungen Winkeldorfern, die in absehbarer Zeit gerne den Bau eines Eigenheims angehen möchten. Derzeit sollen zwar zwei Grundstücke im Ort zum Verkauf stehen, doch bei beiden Flächen gibt es, so Familie Romer, jeweils ein Manko: Während auf dem einen Grundstück Eichen stehen, bei denen unklar ist, ob sie ohne Auflagen gefällt werden dürfen, grenzen an das andere, das dazu noch keilförmig geschnitten ist, gleich zwei Straßen.

Das Problem, dass es an geeigneten Bauplätzen mangelt, gibt es nicht erst seit gestern. „Gerd Schneider und ich waren schon vor vielen Jahren im Dorf unterwegs, um Unterschriften für ein Baugebiet zu sammeln“, berichtet Sabine Romer. Und weiter: „Unterstützung durch den Gemeinderat gab es damals nicht.“

Bürger fühlen sich im Stich gelassen

Auch jetzt fühlen sich viele Bürger im Stich gelassen, denn obwohl sich SPD und CDU bei der Kommunalwahl 2011 auf die Fahne geschrieben hatten, genügend Baugrundstücke für die eigenen Bürger anzubieten, ist nur in Horstedt ein Baugebiet vorgesehen. „Die jungen Leute möchten nicht in Horstedt, sondern hier bauen. Es ist so wichtig, auch in Winkeldorf die Möglichkeit zu schaffen“, betonen die Romers. Beide befürchten, dass die Vereine im Laufe der Jahre ausbluten, wenn immer mehr Bürger abwandern, weil sie im Dorf ihren Traum vom eigenen Haus nicht verwirklichen können.

„Kevin Schnackenberg darf für die Freiwillige Feuerwehr am kommenden Lehrgang teilnehmen – doch wie lange ist er noch hier?“, fragt Ortsbrandmeister Romer, der – neben Schnackenberg und seinem eigenen Sohn – noch von drei weiteren Bauinteressenten weiß.

Teilweise ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, denn in den vergangenen Jahren sind bereits viele junge Leute weggezogen, da es in Winkeldorf keine Möglichkeit zum Eigenheimbau gab. „Und das waren oft welche, die sich aktiv am Dorfleben beteiligen“, so die 50-Jährige.

Besonders ärgert das Ehepaar, dass sie vom Gemeinderat immer wieder vertröstet werden und es keine konkreten Aussagen gibt. Vorschläge liegen von Winkeldorfer Seite bereits auf dem Tisch. So könnte eine rund einen Hektar große Fläche, wo vier, fünf oder sogar mehr Grundstücke für Einfamilienhäuser Platz hätten, am Ortsausgang in Richtung Nartum in den Bebauungsplan aufgenommen werden. „Dort gibt es bereits einen Kanal“, weiß Sabine Romer, der bei einem Besuch beim Bauamt im Kreishaus sogar vorgeschlagen wurde, dort gleich ein ganzes Baugebiet mit Stichstraße entstehen zu lassen.

Obwohl Wohnhäuser in diesem Seitenweg für Familie Romer auch Nachteile mit sich bringen, da damit der Blick in die Natur verbaut wird, ist es dem Ehepaar wichtiger, dass attraktive Bauplätze zum Verkauf angeboten werden. „Wir müssen unbedingt die Leute, die bleiben wollen, fördern. Sonst stirbt unser Ort im Laufe der Jahre aus“, so der selbständige Zimmermann. Vom Grundstückseigentümer hat er die mündliche Zusage, dass dieser, wenn sein Sohn dort einen Bauplatz erhält, auch an weitere Interessenten verkaufen wird.

„Eine gute Idee, dass dort etwas gebaut werden soll“, meint Horstedts Bürgermeister Michael Schröck (SPD). Um ein Baugebiet am Ortsrand überhaupt ausweisen zu dürfen, müsste aber überprüft werden, ob eine Nachverdichtung im Innenbereich ausgeschlossen ist. „Dafür benötigen wir die Unterschriften der Grundstückseigentümer, dass sie nicht verkaufen wollen“, erklärt der Bürgermeister, hauptberuflich Architekt, das Prozedere.

Wenn eine Änderung des Flächennutzungsplans erfolgen soll, muss die bereits im Bebauungsplan aufgenommene Fläche gegenüber des Dorfgemeinschaftshause wieder herausgenommen werden. „In diesem Jahr kann ein solches Projekt von Seiten der Gemeinde allerdings nicht angegangen werden, denn wir sind durch das Horstedter Baugebiet sowie das geplante Gewerbegebiet eingespannt. Auch die finanziellen Mittel müssen im Haushalt vorhanden sein“, betont Schröck.

Vorfinanziert werden muss von der Gemeinde nicht nur der Grundstücksankauf, sondern auch die Änderung des Flächennutzungsplans, die Aufstellung des Bebauungsplans sowie die Erschließung. „Über ein Bodengutachten kann festgestellt werden, ob ein Rückhaltebecken erforderlich ist, oder die Versickerung auf den Grundstücken erfolgen kann“, so der Bürgermeister. Fällig wird außerdem eine Strukturabgabe.

Wichtig sei es, so Schröck, den tatsächlichen Bedarf abzuklären. „Außerdem müssen sich die Bürger bewusst sein, dass durch ein kommunales Baugebiet die Grundstückspreise sicherlich steigen.“ Möglich wäre zwar auch eine Erschließung durch einen Bauunternehmer, doch dabei meint der Architekt, dass die Kosten die der kommunalen Erschließung auf jeden Fall übersteigen. Bei der nächsten Ratssitzung soll das Thema auf der Tagesordnung sein.

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