Familie Prüser aus Hellwege verkauft Weihnachtsbäume / Auch Selbstschlagen ist möglich

Angespitzt und eingenetzt

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Grzegorz Pialik (l.) und sein Onkel Mirek Pialik netzen den Baum ein.

Hellwege - Von Jessica Tisemann. Jetzt, kurz vor Weihnachten geht es für Familie Prüser aus Hellwege noch einmal richtig zur Sache. An den Tagen direkt vor Heiligabend kommen die meisten vorbei, um sich noch mit einem Tannenbaum einzudecken. Einige lassen sich auch den Spaß nicht nehmen, und schlagen ihn selbst.

Zur Mittagszeit wird es auf dem Feld, das Familie Prüser an dem dritten und viertem Adventswochenende in Hellwege zum Selbstschlagen freigegeben hat, voll. Gleich am Anfang des Feldes schnappen sich die Väter, Mütter, Großeltern oder Jugendlichen eine Handsäge und machen sich an die Auswahl des richtigen Baumes.

Die Geübten unter ihnen haben ihre eigene kleine Motorsäge im Gepäck. „Damit geht es leichter, aber wir dürfen keine Motorsägen herausgeben“, erzählt Jana Prüser. Die 21-Jährige kümmert sich an dem Wochenende vor Weihnachten um den Glühweinstand an dem Feld.

Zu jedem gekauften Tannenbaum gibt es einen Glühwein oder einen Kinderpunsch. „Die Kinder freuen sich auch immer ganz besonders über die Kekse und Schokoladen-Weihnachtsmänner“, weiß die Studentin zu berichten. Damit der Nachschub nicht ausgeht, kommt Mutter Doris in regelmäßigen Abständen vorbei. Den Glühwein hat sie bereits am Morgen am Stand vorbereitet.

Während sich einige Käufer noch nach einem geeigneten Baum umschauen, kommen die ersten schon zurück. „Viele sehen am Anfang schon den Baum, den sie haben wollen, wollen aber nicht gleich den erstbesten nehmen und laufen doch nochmal bis ans Ende des Feldes“, erzählt Jana Prüser.

Am beliebtesten ist die Nordmanntanne, doch der Forsthof hat auch Blaufichten im Angebot.

Die nächste Station nach dem Schlagen ist bei Mirek Pialik und seinem Neffen Grzegorz Pialik. Sie messen den Baum aus – danach richtet sich der Preis. Ein Meter kostet 17 Euro. Dann geht es ans „Einnetzen“. Mit vereinten Kräften heben die beiden den Baum in den Trichter, Milek Pialik schiebt, sein Neffe zieht auf der anderen Seite am Stamm, schon nach kurzer Zeit ist der Baum fertig verpackt und kann verladen werden.

Kaum eine Minute vergeht und schon wartet der nächste Baum auf sein Netz. Jetzt muss es schnell gehen. „Wir bieten auch an, dass wir den Stamm ansägen, damit er in den Ständer passt“, erklärt Mirek Pialik. Und auch das Angebot wird gut genutzt.

Wer glaubt, dass die Prüsers nur im Dezember arbeiten, täuscht sich. Auf dem zertifizierten Forsthof müssen alle das ganze Jahr über mit anfassen, wenn es jeweils im Frühjahr und Herbst an das Einsetzen der kleinen Pflanzen geht. Etwa zwölf Jahre braucht ein Weihnachtsbaum, bis er zimmerhoch ist, berichtet Doris Prüser. Viel Handarbeit ist nötig, damit er ordentlich wächst.

Der Familienbetrieb hat sich außerdem dem Projekt „Fair-Trees“ angeschlossen. Für jeden verkauften „Fair-Trees“-Baum gehen 70 Cent an Sozialprojekte in Georgien, dem Haupternteland der Nordmanntannensamen.

Mittlerweile ist die Mittagszeit vorbei, die Autos parken kreuz und quer und es fällt auf, dass die Menschen nicht nur aus der direkten Nachbarschaft kommen, um sich bei Prüsers einen Baum zu schlagen. „Wir haben auch Menschen, die aus Bremen kommen, obwohl wir dort auch viele Stände haben“, so Doris Prüser.

Damit der Vorrat an den Ständen nie ausgeht, holt Rainer Prüser von den knapp 30 Feldern immer wieder geschlagene und eingenetzte Bäume auf den Hof in Hellwege. „Dort spitzen wir auch den Stamm schon an. Dafür haben die Verkäufer keine Zeit mehr“, erklärt der Chef. Vom Hof aus geht es für die Ware weiter an die Stände.

Der Verkauf läuft gut. Auf dem Hof sind die Tannen ebenfalls bereits angespitzt und warten in einem Metallständer auf ihren neuen Besitzer.

„Manchmal kommt es auch zu lustigen Begebenheiten“, erzählt Jana Prüser. Es sei schon einmal passiert, dass jemand an Heiligabend um 15 Uhr an der Tür geklopft und gefragt hat, ob die Familie ihm noch einen Baum verkaufen würde. „Bei ihm stand plötzlich die Verwandschaft vor der Tür“, sagt die 21-Jährige und lacht.

Weihnachtliche Stimmung kommt bei Familie Prüser aber erst so richtig an Heiligabend ab 18 Uhr auf. Jana Prüser: „Dann genießen wir die ruhigen Stunden auch umso mehr, weil die Vorweihnachtszeit bei uns so stressig ist.“

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