Familie, Firma, Umweltschutz

Aries Umweltprodukte aus Stapel setzt auf Bio

Anna (v.l.), Catherine, Mathilde, Elsa und Dieter Szczesny entwickeln und vertreiben umweltfreundliche Produkte. Foto: Holsten-Körner
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Anna (v.l.), Catherine, Mathilde, Elsa und Dieter Szczesny entwickeln und vertreiben umweltfreundliche Produkte.

Stapel - Im Jahr 2019 brachte die Friday-For-Future-Bewegung unzählige Schüler auf die Straße. Doch nicht nur bei den großen Themen wie Senkung der Treibhausgasemissionen, Kohleausstieg und Co. denken viele Bürger um, sondern auch bei der Verwendung von Produkten im Alltag und Haushalt. „Umweltbewusste Alternativen statt Chemiekeulen“ hat sich die Firma Aries Umweltprodukte aus Stapel auf die Fahne geschrieben.

Die Anfänge gehen mehr als drei Jahrzehnte zurück, als die Stapeler Familie Szczesny bei den Schwiegereltern in Süd-Frankreich zu Besuch war. Als Tochter Anna sehr von Mücken geplagt wurde, „entdeckten wir das biologische Insektenspray Pistal, für das wir hier den Vertrieb übernahmen“, erzählen Catherine und Dieter Szczesny, damals schon bioaffin und aktive Mitglieder der Anti-Atomkraft-Bewegung. 1988 gründeten sie die Firma, die ihren ersten Sitz im Souterrain eines Hauses im Bremer Ostertor hatte. Das Insektenspray sollte sich als Türöffner zur Biobranche erweisen, denn dort wurden biologische Schädlingsbekämpfungsmittel dringend gebraucht. 1991 erfolgte der Umzug von Bremen nach Taaken und einige Jahre später nach Stapel.

Im Laufe der Jahre fing Dieter Szczesny an, selbst Produkte wie die sogenannte Samenbombe, mit der die Firma Aries Umweltprodukte gleich nach der Markteinführung im Jahr 2011 den ersten Preis bei der Biofach, der Weltleitmesse für Bioprodukte, im Non-Food Bereich gewann. Die Kugeln bestehen aus Ton, Erde und Biosaat. Wenn sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, entstehen aus ihnen die Blühpflanzen. „3000 bis 4000 Stunden wurden damals für die Entwicklung der Samenbomben benötigt“, erinnert sich der heute 67-Jährige. In kleinen Papiertüten verpackt und mit Werbeflyern versehen, wurden die Samenbomben bereits aus ganz Deutschland und der EU geordert.

Das Hauptaugenmerk der Firma Aries Umweltprodukte liegt aber auf biologischer Schädlingsbekämpfung, die rund 50 Prozent des Umsatzes ausmacht. Das Sortiment umfasst mehr als 100 Produkte für den ökologischen Haushalt und Garten. Auf einer eigenen Bioland-Anbaufläche werden Dünger und Saatprodukte getestet.

„Vieles ist selbst erdacht. Zur Marktreife haben wir die Unterstützung von Experten“, berichtet der Wahl-Stapeler nicht ohne Stolz. Dabei werde mit zuverlässigen Partnern zusammengearbeitet. Das ist auch bei „Mottcontrol“ der Fall, eine Bekämpfung von Motteneiern durch fast unsichtbare Nützlinge. „Eine umweltfreundlichere und ungiftigere Schädlingsbekämpfung gibt es nicht“, so Dieter Szczesny. Deutlich gestiegen ist auch die Nachfrage nach der Bio-Kosmetikserie. „Unsere Pflegeeier sind durch die Decke geschossen. Damit verzeichnen wir ein Umsatzplus von 30 Prozent“, freut sich Szczesny.

Am Firmenerfolg wollen sogar die Chinesen teilhaben, die die Motten-Box der Firma Aries nachgebaut und darauf in Amerika ein Patent angemeldet haben. Da in Deutschland kein Patent darauf möglich ist, hat die Firma aus Stapel dies in anderen Ländern nicht weiterverfolgt. Um ihrem Kunden den weiteren Vertrieb in den USA zu ermöglichen, wurde die Motten-Box, eine Klebefalle für Kleidermotten, jetzt umgestaltet. „Und dafür melden wir dort selbst das Patent an“, betont er. Die rechtliche Seite deckt in der Firma eine in Teilzeit beschäftigte Rechtsanwältin ab, ohne deren Fachkompetenz in der heutigen Zeit eine Arbeit kaum möglich ist. „Leider werden wir oft kopiert. Was möglich ist, haben wir uns schützen lassen“, erklärt der 67-Jährige.

Um die Datenblätter und Rezepturen, die für Zertifizierungen erforderlich sind, kümmert sich eine Diplom-Biologin. Insgesamt sind in der Firma 25 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu gehören seit einigen Jahren auch Tochter Anna und ihr Lebensgefährte Sebastian Schams, der den Großhandel betreut. Anna Szczesny leitet seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Vater die Firma. Ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin folgte ein Germanistik- und Medienwissenschaftsstudium, bevor die heute 36-Jährige in leitender Funktion im Verlagswesen arbeitete.

Die Erfahrungen kommen ihr bei Aries zugute, wo sie für das laufende Geschäft, Marketing und Personal zuständig ist. Auch Produktentwicklungen laufen mit über ihren Tisch. „Ich versuche, den ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen zu haben“, sagt sie. Anna Szczesny weiß die zahlreichen Kontakte, das richtige Gespür und den großen Erfahrungsschatz ihres Vaters sehr zu schätzen. „So können schnell gute Entscheidungen getroffen werden.“

Im kommenden Jahr wartet weitere Arbeit auf das Team, denn es soll die Iso-Norm im Bereich Umweltmanagement eingeführt werden. „Für uns ist Nachhaltigkeit kein leeres Wort“, hebt sie hervor. Daher hat, wo es nur möglich ist, Regionalität einen hohen Stellenwert. So kommt das Wachs für die Kosmetikprodukte von einer Bio-Imkerei aus Oldenburg oder die Verpackung – auch wenn sie aus dem Ausland billiger wäre – aus Norddeutschland. Die Säckchen für die Lavendelblüten werden sozusagen nebenan in Taaken genäht. „Wir arbeiten nur mit Firmen und Personen zusammen, die ethisch zu uns passen“, betont Dieter Szczesny.

Er freut sich schon darauf, wenn seine Töchter Mathilde und Elsa, die sich derzeit in Elternzeit befinden, wieder in den Familienbetrieb einsteigen, er sich dann Schritt für Schritt zurückziehen kann, um sich seinem Hobby, dem Wandern mit Hund „Yoko“ widmen zu können. Gerne auch auf den heimischen Nordpfaden.

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