Entwurf stößt sauer auf

Erzieherinnen sehen Mängel bei neuem Kita-Gesetz

Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn bekommt von Kathrin Schwaan und den Leitungen der anderen Sottrumer Kindergärten die Proteste überreicht.
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Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn bekommt von Kathrin Schwaan und den Leitungen der anderen Sottrumer Kindergarten die Proteste überreicht.

Sottrum – Die Anforderungen an die Kindergärten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Daher drängen seit Langem zahlreiche Eltern und Erzieher auf eine Überarbeitung des Niedersächsischen Gesetzes über Tageseinrichtungen für Kinder (KitaG), das noch aus dem Jahr 1993 stammt. Jetzt liegt ein Entwurf vor, der aber bei direkt Betroffenen sauer aufstößt.

„In diesem wurden dringend benötigte Änderungen nicht aufgenommen. Im Gegenteil, denn teilweise werden die bestehenden Standards sogar herabgesetzt“, erklärt Kathrin Schwaan, die seit 1998 den Sottrumer Kindergarten Pusteblume leitet.

So berichtet sie, dass weiterhin nur wöchentlich 7,5 Stunden Verfügungszeit für jede Kindergartengruppe vorgesehen sei. „Damit stehen jeder pädagogischen Fachkraft nur 3,75 Stunden zur Verfügung. Die Aufgaben, die in diese Zeit fallen, sind aber extrem gestiegen“, sagt die Leiterin und nennt Beispiele, was in dieser Zeit erledigt werden soll: Vorbereitung des Tagesablaufes, Vorbereitung und Durchführung von Elterngesprächen, Dokumentation der Beobachtung und die Führung der Portfoliomappen, Planung und Durchführung von Projekten, Festen und Elternabenden.

Weiter geht die Liste mit Sprachförderung, Teambesprechungen, Anleitung von Auszubildenden und die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Institutionen. Das ist jedoch nicht der einzige Kritikpunkt am Gesetzesentwurf. So sieht das neue Kindertagesstättengesetz vor, dass in den Kindergartengruppen der Personalschlüssel mit zwei pädagogischen Fachkräften für die Betreuung von 25 Kindern gleich bleiben soll. Bei der zweiten pädagogischen Fachkraft kann es sich aber um eine pädagogische Assistenzkraft handeln, die durch eine Helferin ersetzt werden darf. „Es wird mehr Qualität und mehr Arbeit gefordert, aber mit weniger Ausbildung“, ist Kathrin Schwaan enttäuscht. Eine dritte Kraft für die Gruppen sei im Entwurf, so die Leiterin weiter, erst in einem Stufenplan vorgesehen. „Dies wird mit dem Fachkräftemangel begründet“, ist Schwaan zu Ohren gekommen.

Nicht nur in ihren Augen trägt an der zu geringen Anzahl von pädagogischen Fachkräften der Gesetzgeber einen Großteil der Schuld. „Die bis zu vier Jahre dauernde Ausbildung muss auf eigene Kosten finanziert werden, eine Ausbildungsvergütung wird auch im praktischen Teil nicht bezahlt“, sagt Kathrin Schwaan, die von angehenden Erziehern weiß, dass sie sich nebenbei einen weiteren Job suchen müssen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Rechts und links neben der Tür weisen Plakate auf den Missmut hin.

Auch im Anschluss sieht es bei den Erzieherinnen in den Sottrumer Kitas alles andere als rosig aus: „Die Arbeitsbelastung ist sehr hoch, und die Rahmenbedingungen passen nicht. Deshalb verlassen 25 Prozent der ausgebildeten Kräfte zwischen dem dritten und fünften Arbeitsjahr das Arbeitsfeld Kita.“

Ein Thema, das ebenfalls auf Missbilligung stößt, ist das fehlende Recht auf Inklusion: „Wir sprechen in Schulen über Inklusion, schaffen es aber in den Kindergärten nicht, den Schritt von der Integration in die Inklusion zu verankern, natürlich mit Fachpersonal.“

Jetzt haben sich die Sottrumer Einrichtungen Pusteblume, Wiestekindergarten, Kunterbunt und die Wurzelfreunde am Dannert zusammengeschlossen, um gemeinsam mit Kindern und Eltern auf die bevorstehende Gesetzesänderung aufmerksam zu machen. „Wir haben Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn gebeten, die vielen Postkarten, die wir zu dem Thema erhalten haben, nach Hannover weiterzuleiten“, sagt Schwaan. Wichtig ist der Kita-Leiterin: „Auf kommunaler Ebene haben wir großen Rückhalt in der Verwaltung und der Politik. Wenn wir einen Bedarf gut erklären können, wird auf uns gehört.“

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