Erinnerungen an schöne Momente

Birgit Bösen spendet mit ihren Bildern Trost

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Birgit Bösen vor einem ihrer Gemälde. „Meine Arbeiten sollen vergleichbar sein mit einer leichten Sommerlektüre“, sagt die Clüversbortselerin. 

Clüversborstel - Von Matthias Daus. Ein leeres Blatt zu füllen, kann für einen Schriftsteller ein Fluch sein. Für Birgit Bösen hingegen ist es vielmehr eine Chance. Die Gelegenheit, etwas Neues zu schaffen, sich auszudrücken, und zwar mit Farben.

Die Clüversborstelerin malt in ihrer Freizeit, und wenn sie mit einem neuen Bild beginnt, ist das für sie immer eine spannende Sache. „Es gibt im Prinzip keine Regeln, aber ich habe alle Möglichkeiten, das, was ich fühle, mit meinen Mitteln auszudrücken. Mehr Freiheit kann man in der Kunst nicht haben“, erklärt sie.

Auch wenn die Motive dabei variieren, ist ihre Grundausrichtung eindeutig: Es gehe ihr darum, positive Stimmungen zu transportieren, sagt sie. „Meine Arbeiten sollen vergleichbar sein mit einer leichten Sommerlektüre. Die flüchtige Erinnerung an einen schönen Moment, der für immer im Gedächtnis bleibt“, beschreibt sie. Oft sind auf ihren Bildern Menschen in netten Situationen oder vor schönen Landschaften zu sehen. Wobei die Gesichter der Leute nicht zu erkennen sind. Ein Kniff, mit dem sie dem Betrachter die Möglichkeit geben möchte, sich weitestgehend mit dem Bild zu identifizieren.

Unterschiedliche Techniken

Die Techniken, derer sie sich die 48-Jährige dabei bedient, sind recht unterschiedlich und im Laufe der Jahre hat sie sich dabei so einiges angeeignet. Begonnen hat sie im Alter von ungefähr 13 Jahren, als sie Kohlezeichnungen, die im elterlichen Wohnzimmer hingen, mit Bleistift frei Hand kopierte. Es folgten erste Gehversuche mit Skriptol und Kohle. „Wenn ich damals Langeweile hatte, zeichnete ich auch schon mal Karikaturen von manchen Lehrern, die ich hatte“, erinnert sich Bösen. Sehr schnell kristallisierte sich heraus, dass sie dabei den Drang verspürte, sich stets verbessern zu wollen, und so wurde die Suche nach immer neuen Herausforderungen ein bestimmendes Moment in ihrem Wirken. Je kniffliger, desto besser, wie sie selbst sagt. Der erste Schritt vom reinen Zeichnen hin zur Malerei war danach die Arbeit mit bunter Kreide. Der Einsatz von Farben, über den sie hier sehr viel lernte, erweiterte ihren Horizont enorm.

Doch auch wenn diese Technik großen Spaß machte, hatte sie Nachteile: Einerseits sind diese Bilder sehr empfindlich und müssen grundsätzlich hinter Glas gerahmt werden. Das Rahmen übernahm der Vater der Künstlerin, ein Tischlermeister, der auch aktuell noch alle Bilder rahmt und das im stolzen Alter von 92 Jahren. Der andere große Nachteil war der Staub, den man damit buchstäblich aufwirbelte und diese Form der Malerei für ein normales Wohnhaus mehr als ungeeignet machte. Das Malen mit Öl und später dann mit Acrylfarben waren die nächsten Schritte, die aber auch eine komplizierte Farbgestaltung mit sich brachten.

Bis tief in die Nacht vor der Leinwand

Konnte man bei Kreidezeichnungen beispielsweise Farbübergänge oder Schattierungen durch eine Wischtechnik erreichen, so müssen bei Öl und Acryl sämtliche Farbnuancen selbst angemischt werden. „Das ist alles andere als einfach, und ich bin beinahe daran verzweifelt, weil ich hier autodidaktisch nicht mehr weiter kam“, erinnert sich die Clüversborstelerin. Erst ein Kurs, den sie besuchte, brachte das gewünschte Licht ins Dunkel.

Wenn Bösen malt, dann vergisst sie dabei schon mal so profane Dinge wie Uhrzeit und Wochentag, und nicht selten steht sie dann bis tief in die Nacht vor der Leinwand. Und ist ein Bild erst einmal fertig, dann beschäftigt sie sich noch tagelang damit, ob es nicht noch zu verbessern sei.

Lange Zeit malte sie immer nur für sich und zeigte ihre Werke nur Freunden oder der Familie. Doch wie es so ist mit der Kunst, sie braucht die Öffentlichkeit, um ihre Wirkung zu entfalten.

Ebenso schön wie tragisch

Eine erste Ausstellung mit drei Bildern hatte Bösen 2010 in Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden aus Sottrum. Es folgten weitere Präsentationen in der Umgebung, zum Beispiel in Höperhöfen bei „Kunst auf dem Bauernhof“. Mittlerweile kann man die Werke auch an Orten sehen, wo man sie vielleicht so nicht vermuten würde, wie zum Beispiel im Rotenburger Diakoniekrankenhaus. „Dort stelle ich gerne aus, weil dort, wo oft Leid und Krankheit herrschen, meine Bilder einen Kontrast, eine kleine Flucht in einen schönen Moment bilden können“, sagt sie.

Manchmal erhält die Künstlerin auch ein Echo von den Betrachtern ihrer Bilder. Und manchmal können diese Rückmeldungen ebenso schön wie tragisch sein. Wie bei jenem Paar, dass sich durch eines der Bilder immer wieder an einen gemeinsamen Urlaub erinnert fühlte. Ein seltener schöner Moment für die beiden, denn der Mann war schwer krank. Als er dann schließlich starb, war das Bild für die Frau Erinnerung und Trost in einem. „Das sind Momente, die einen demütig werden lassen und mir das dankbare Gefühl geben, mit der Kunst auch die Menschen zu erreichen.“

Wer nun neugierig geworden ist, und einen Blick auf das Schaffen von Bösen werfen möchte, hat dazu Gelegenheit, denn aktuell sind die Werke der Künstlerin in einer Prophylaxepraxis an der Brauerstraße in Rotenburg, im Medizinischen Versorgungszentrum Zeven sowie ab dem 1. Oktober im Osteria Max am Dom in Verden zu sehen.

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