Bernd Franzen ist als Stellmacher unterwegs

Zum Erhalt der Tradition

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Bernd Franzen

Hellwege - Von Bettina Diercks. Traurig ist er schon darüber, nicht in Vollzeit als Stellmacher zu arbeiten. Aber in seiner Freizeit hält Bernd Franzen aus Hellwege diesen Beruf am Leben, der 1965 von der Handwerkerrolle gestrichen worden ist.

Stellmacher waren früher einmal Handwerker, die das Gestell für Kutschen hergestellt haben. Die Räder machten die Radmacher, der Wagner die Karosserie. Später flossen alle drei Berufe unter der Bezeichnung Stellmacher zusammen. Einem uralten Handwerk. Denn zweirädrige Karren sollen schon vor 6 000 Jahren im vorderen Orient gebaut worden sein. Damals bereits mit Speichenrädern. Etwa drei- bis viertausend Jahre vor Christi gab es dann die ersten vierrädigeren Wagen.

„Gegründet hat die Werkstatt mein Urgroßvater um 1800 irgendwann“, berichtet Franzen. Nahezu gleichzeitig wurde die Mühle nebenan gebaut, in der die Landwirte ihr Getreide malen ließen. „Die Mühle habe ich noch in Betrieb erlebt“, sagt Franzen. Und wie sein Vater auf den Höfen die Mühlsteine geschliffen hat.

Bernd Franzen widmet sich in seiner Freizeit einem knapp 100 Jahre alten einachsigen Karren, der früher zum Deichbau verwendet worden ist.

Nachdem die Landwirte sich nach und nach selbst Mühlen angeschafft hatten, hatte auch die Arbeit seines Vaters ein Ende. Sein Vater, der 1994 verstarb, war mit Leib und Seele Stellmacher. Dort durfte und musste Bernd Franzen als kleiner Junge immer wieder mit anfassen. „Ich musste als Kind mit helfen, Bretter durch den Hobel zu schieben. Da fing ich an, mich für Holz zu interessieren“, sagt Franzen.

Er lernte mit Hobel, Stemmeisen, Zangen, Winkel und Dornen umzugehen sowie Hobel-, Schnitz- und Zugbank zu lieben. Der feine Holzstaub in der Nase hat dann auch bei Bernd Franzen den Wunsch geweckt, Stellmacher zu werden. Doch damals, 1965, starb der Beruf offiziell aus. „So bin ich mit 15 Jahren Tischler geworden.“ Gelernt hat er im Ort, bei Fritz Freese, einen Tischlereibetrieb, den es mittlerweile auch nicht mehr gibt.

Franzen: „Als das mit der Stellmacherei weniger geworden ist, weil immer mehr Fahrzeuge industriell gefertigt wurden, hat mein Vater bei Haake Beck angefangen. Die brauchten noch einen richtigen Stellmacher. Dort hat er 22 Jahre lang gearbeitet, hat die Kutschen repariert und gebaut“, erinnert sich Franzen.

Die Brauerei Haake Beck, die damals schon im weltgrößten Bier-Konzern Anheuser-Busch InBev aufgegangen, stellte zum großen Unmut vieler Bremer Bürger die Auslieferung des Fassbieres mit pferdegezogenen Bierkutschen 2005 ein. Doch Franzen senior hatte Glück: Auf einmal bekam er zu Hause wieder mehr und mehr Arbeit, da immer häufiger Hochzeiten mit Kutschen gefahren wurden. Durch die Instandsetzung der Fuhrwerke lernte Bernd Franzen erneut dazu und lebt den Stellmacherberuf bis heute. Nebenberuflich. Denn auch er verdient seinen Lebensunterhalt bei InBev, als Abfüller und Bierkutscher.

In seiner Freizeit widmet er sich derzeit einem gut 100 Jahre alten einachsigen Karren, der früher zum Deichbau verwendet wurde. Er gehört dem Förderverein Arberger Mühle (Bremen) und soll jetzt wieder eine Holzdeichsel bekommen, nachdem irgendjemand ihm eine Metallvorrichtung verpasst hatte. „Ich habe nur alte Fotos davon. Das muss ich jetzt irgendwie nachzaubern“, sagt Franzen, der noch eine Familientradition aufrecht erhält: Er betreibt die Heißmangel seiner Mutter weiter. Die Einzige in der Region zwischen Rotenburg und Achim. „Was tut man nicht alles zum Erhalt von Tradition“, sagt Franzen.

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