Erfolgskonzept Kinderladen Stuckenborstel kommt bei vielen Eltern an

„Der Geist ist noch da“

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Johanna Schlusnus gefallen die freie Arbeit und die Ausflüge in die Natur.

Stuckenborstel - Von einer Betreuung an drei Vormittagen in einem Ein-Zimmer-Appartement zu einer kleinen Kinderkrippe mitten im Ortskern von Stuckenborstel – die Erfolgsgeschichte des Kinderladens. Zwei Erzieherinnen betreuen dort bis zu zehn Kinder. Wichtig dabei: Die Mädchen und Jungen spielen so gut wie jeden Tag draußen.

Einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren zu finden, ist auch heute noch nicht einfach, doch als sich die Elterninitiative in Stuckenborstel vor mittlerweile 18 Jahren zusammengetan hat, war die Betreuung vor allem im ländlichen Raum nicht vorhanden. Das wollte Gründungsmitglied Elke Paul mit den ersten sechs Eltern ändern. „Sie konnten ihr Kind abgegeben, mussten dafür aber auch an einem Tag alle Kinder betreuen. Das Konzept war Betreuung gegen Betreuung“ erklärt Paul. Innerhalb kürzester Zeit war das Interesse an dem Angebot so groß, dass die Elterninitiative von drei Tagen auf fünf erhöhen musste. „Es war uns recht schnell klar, dass der Platz nicht ausreichen würde und wir auf Spenden angewiesen sein würden“, berichtet er.

Die Räumlichkeiten an der Mühlenstraße in Stuckenborstel waren ein Glücksgriff. Nach der Vereinsgründung Frühjahr 1998 kam es bereits 2004 zum Aufbau der professionellen Kinderkrippe. Das Konzept Betreuung gegen Betreuung fiel weg, dafür kümmern sich zwei Erzieherinnen seither um die Mädchen und Jungen.

Das Besondere an der Kinderkrippe in Stuckenborstel ist das Angebot. Neben einer kleinen Gruppe mit maximal zehn Kindern ist die Krippe eigenständig und nicht an einen Kindergarten angeschlossen. Außerdem herrsche ein familiäres Verhältnis, das auch durch die gemeinsamen Essen gestärkt werde. Wichtig dabei ist, dass das Mittagessen vegetarisch-biologisch gekocht wird. Dafür ist jeden Tag ein anderer Elternteil dran. „Das ist wie in einer Familie auch. Da probieren die Kinder auch verschiedene Gerichte aus“, betont Sabine Schäfer, Vorsitzende des Vereins Kinderladen. Außerdem würden sich die Mütter und Väter somit noch deutlicher mit der Krippe identifizieren. „Auch die Kinder berichten richtig stolz, wenn ihre Eltern gekocht haben.“

Dass das gemeinsame Essen auch bei den Kindern gut ankommt, bestätigt Johanna Schlusnus: „Wenn das Frühstück mal ein bisschen länger dauert, ist das bei uns auch nicht schlimm. Es ist wichtig, dass die Kinder sich ausprobieren können.“ Jedes Kind könne sein Brot am Ende seiner Krippenzeit selbst schmieren. Deswegen sei es schade, dass das im Regelkindergarten nicht weitergeführt ist. „Dort haben die Erzieherinnen aber auch viel mehr Kinder, die sie betreuen“, weiß die 27-Jährige über die Belastung. Das schöne in der Krippe sei, dass kein Konkurrenzdruck zwischen den Kindern entstehe, da sie alle das Gleiche zum Frühstück zur Auswahl haben.

Ein weiterer Punkt, der allen Beteiligten gleich gut gefällt, ist, dass die Kinder so gut wie jeden Tag nach draußen gehen. „So sind sie auch im Ort bekannt, weil sie so oft unterwegs sind“, berichtet Schäfer. „Wenn die Autos auf der A1 hupen, wissen die Stuckenborsteler schon, dass wir mit den Kindern wieder auf der Autobahnbrücke stehen“, erzählt Schlusnus und lacht. Gegen 10 Uhr würden sie und ihre Kollegin Kathrin Henze schon merken, dass die Mädchen und Jungen so langsam unruhig werden und raus wollen.

Das hört auch Elke Paul gerne. „Es ist schön, dass die Ideen, die wir vor 18 Jahren schon hatten, noch da sind. Der Geist von früher ist noch da.“ Es sei schön zu sehen, was alles aus einer Idee und dem „Pioniergeist“ von einigen Eltern entstanden ist. Das sieht auch Schäfer so. „Die Idee, sich Dinge, die fehlen, selbst zu erschaffen, ist toll. Man kann sich immer beschweren, dass etwas nicht so ist, wie gewünscht, aber man hat auch die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.“ Das würde die Krippe – bei der sich auch heute die Eltern noch stark einbringen – beweisen.

Die Betreuung in der Kinderkrippe findet täglich zwischen 8 und 13 Uhr statt. Zusätzlich gibt es einen Frühdienst ab 7.30 und einen Spätdienst bis 13.30 Uhr. Ab Februar sind alle zehn Plätze belegt, jedoch nimmt der Kinderladen das ganze Jahr über Kinder auf – je nach Bedarf der Eltern und Möglichkeit der Unterbringung in der Krippe. Zusätzliche Infos gibt es auch auf der Homepage des Kinderladens.

www.kinderkrippe-sottrum.de

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