60 MINUTEN Einatmen, ausatmen

Entschleunigen bei der Yoga-Stunde in Reeßum

Ulrike Mertens beim Yoga-Kurs im Mehrzweckgebäude in Reeßum.
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Ulrike Mertens leitet den Yoga-Kurs, zu dem an diesem Tag acht Teilnehmer in das Mehrzweckgebäude in Reeßum gekommen sind. Eine weitere Teilnehmerin ist online via Laptop dabei.

Den Alltagsstress für eine Weile ausschalten: Eine Hilfe dazu kann Yoga sein. Wir waren für einen Selbstversuch 60 Minuten in dem Yoga-Kurs von Ulrike Mertens in Reeßum dabei.

Reeßum – Der Tag ist noch jung, die Raumtemperatur ist angenehm muckelig, aber nicht zu warm, die Lammwolldecke auf der dünnen Schaumstoffmatte so schön weich und die Jogginghose sitzt – beste Voraussetzungen eigentlich, sich auszustrecken und noch einmal ein kleines Nickerchen zu machen. Zumindest ist es sehr verlockend, erneut die Augen zu schließen und dem Arbeitstag einen imaginären Klaps auf die „Snooze-Taste“ zu verpassen – vielleicht nur für ein paar Minuten? Aber schlafen ist jetzt nicht, auch, wenn es um Entspannung geht: Denn im Reeßumer Mehrzweckgebäude steht Yoga auf dem Programm. Genauer gesagt: Hatha-Yoga, und noch genauer: Viniyoga. Letzteres beschreibt eine bestimmte Art und Weise, Yoga zu unterrichten. Und das ist an diesem Morgen in Reeßum der Job von Kursleiterin Ulrike Mertens.

Es ist Punkt acht Uhr. Neben Mertens steht auf einem Hocker ein aufgeklappter Laptop, auf dem hellen Holzfußboden liegen vor ihr mit jeweils weiten Abständen und in U-Form acht Matten plus Kursteilnehmer. Auf einer Unterlage ist die Redakteurin, die den Selbstversuch wagt. Auch, wenn seit einiger Zeit wieder Kurse in Präsenz möglich sind, nehmen nach wie vor auch Yoga-Freunde via Internet an Mertens Kursen teil. An diesem Tag hat sich eine Teilnehmerin online eingeloggt.

Ruhe im Raum

Ein Auto fährt draußen am Gebäude vorbei und erinnert kurz und gedämpft daran, dass es auch noch eine Welt außerhalb dieser Blase gibt, in die sich die Kursteilnehmer für eine kurze Zeit begeben haben. Abgesehen davon ist es mucksmäuschenstill im Raum, lediglich eine Uhr an der Wand tickt leise vor sich hin, aber Zeit spielt in diesem Augenblick ohnehin keine große Rolle. Mit ruhiger Stimme beginnt Mertens Anweisungen zu geben, von den Kursteilnehmern kommt währenddessen nicht ein Laut. Sie führen still und konzentriert die Übungen aus, die Mertens Schritt für Schritt anleitet: langsames Ein- und Ausatmen, langsame Bewegungen der Arme und Beine. Das sorgt dafür, dass es nicht lange dauert, bis sich die Entschleunigung auf den ganzen Körper als auch auf den Gedankenstrom im Kopf auswirkt, der ansonsten nur selten zur Ruhe kommt – und schon gar nicht an einem Arbeitstag. Waren beim Betreten des Raumes noch die weiteren Termine an diesem Tag und das, was auch noch auf dem Schreibtisch im Büro wartet, im Kopf, fokussieren sich nun die Gedanken auf das Atmen und die Übungen.

„Ausatmen mit dem Buchstaben ,F‘, ,Ch‘ oder mit Ujjayi“, erklärt Mertens. Letzteres ist eine spezielle Yoga-Atemtechnik. Grundsätzlich sollen alle drei Methoden dafür sorgen, durch einen sanften Widerstand den Atem kontrolliert aus dem Körper entweichen zu lassen. Tatsächlich dauert das Ausatmen so länger und ist deutlich bewusster.

Mit dem Ton der Klangschale endet die Yoga-Stunde.

Erst im Liegen, dann im Stehen, bis es dann in Sitzhaltung auf einen Hocker geht, den Mertens vor Beginn der Stunde neben jeder Matte platziert hat: Immer geht es darum, die Bewegungen mit der Atmung zu koordinieren. „Und jetzt im Ausatmen den Körper um den Bauchnabel drehen und mit den Fingerspitzen Richtung Hallendecke“, sagt Mertens. Auch, wenn diese Form des Yoga als eine sanftere Variante gilt – gänzlich ohne körperliche Anstrengung ist das nicht. Auch die Konzentration ist mehr und mehr bei den Übungen, die Kamera für die notwendigen Fotos rückt gedanklich für eine Weile in weite Ferne – auch, wenn sie einsatzbereit direkt neben der Matte liegt.

Dennoch macht sich mehr und mehr eine angenehme Entspannung breit, die vor allem zum Ende der Stunde, im Liegen auf der Matte, ihre Entfaltung erlebt. Der metallene Ton der Klangschale, die Mertens mit einem weichen Klöppel angeschlagen hat, führt dann aus dieser Stille wieder hinaus. Und auch, wenn beim Einpacken der Decke und dem Anziehen der Jacke klar ist, dass es jetzt wieder zurück in den Alltag geht – dafür ein bisschen Entspannung im Gepäck zu haben, kann nicht schaden.

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