Einschusslöcher zeugen noch heute vom Ende des Zweiten Weltkrieges

Heftige Gefechte in Ahausen

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Das Gemeindehaus in Ahausen diente von 1939 bis 1945 als Gefangenenlager.

Ahausen - Von Bettina Diercks. 70 Jahre ist es her, als es kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges noch zu heftigen Gefechten in Ahausen kam. Viele Einwohner verlassen am 19. April 1945 ihre Häuser und lagern im Wald, vor allem rings um die Ahauser Mühle. In den folgenden vier Tagen wird das Dorf mehrfach von Tieffliegern angegriffen und von Artillerie beschossen.

Vorher bekommt der kleine Heideort nur am Rande etwas vom Krieg mit. In der Chronik von Anneliese Böhling (Tochter von Hinrich Böhling), spätere Müller, ist nach der Bombadierung Hamburgs im Sommer 1943 zu lesen: „Es war ein trauriger Anblick, wie die armen Flüchtlinge ankamen. Die meisten hatten nur das behalten, was sie in der Hand tragen konnten.“

Am 19. April 1945 gerät das Dorf dann selbst unter schweren Artilleriebeschuss. „Auf der anderen Seite des Baches, auf dem Butterberg und den Diercksschen Fuhren an der Bünte brannte alles, auch hier in Vajens Eichenhofe“, heißt es in der Chronik von Böhling. Nachmittags erfolgt ein Tieffliegerangriff mit Bombenabwurf und Bordwaffenbeschuss.

Ob die Einschüsse, die heute noch gut in zahlreichen Gebäuden in Ahausen zu erkennen sind, von diesem Tag stammen, ist nicht überliefert. Ein Schild an der Kirche datiert die Treffer zwischen dem 21. und 23. April 1945. Gesprochen wird in diesem Zusammenhang von einem Tiefflieger, der durch das Dorf flog und um sich schoss. Oberleutnant Richard Lange, Batteriechef im Artillerie-Regiment 22, in seinem Bericht vom 19. April: „Das Dorf musste jedoch mehrere Jaboangriffe über sich ergehen lassen ... Ein komischer Krieg, ein richtiger Buschkrieg, mal Feindberührung bis aufs Messer, mal Ruhe wie im tiefen Frieden, der nur vereinzelt durch Artillerie- oder Panzereinschläge irgendwo im Gelände unterbrochen wurde.“

In diesen Tagen erlebt der Oberleutnant immer wieder, wie Bürger ihn bitten, das Dorf zu räumen, um die Bevölkerung außer Gefahr zu bringen. Doch Lange ließ sich nicht erweichen (22. April): „Nachdem auch das nichts genützt hatte, kamen Frauen mit ihren Kindern an und baten mich händeringend und unter Strömen von Tränen, doch woanders hinzugehen.“

Am 23. April schickt er zwischen Spange und dem Bortel zwei Soldaten an eine schwach besetzte Stelle: „Da legen sich die beiden doch so blöd ins Gelände, dass sie von einem Panzerspähwagen sofort erkannt werden und wenige Minuten später durch Kopfschuss sofort tot sind.“ Dabei handelt es sich offenbar um die beiden Soldaten, dessen Grab auf dem Bortel zu finden ist: Seekadett Dieter Rißmann, damals 20 Jahre alt, und Obergefreiter Joseph Elbert (45).

Am selben Tag noch ziehen sich die deutschen Soldaten aus Ahausen zurück und die Engländer rücken ein. Chronist Hermann Jacobs (Mühlenstraße), dessen Haus immer wieder in der Historie erscheint, schreibt: „Gegen neun Uhr abends zog der Tommi bei uns ein.“ Da am 24. April morgens alles ruhig ist, schwingt Jacobs sich aufs Rad und fährt mit Hinrich Clüver ins Dorf. Als die beiden bei Clüvers (Mühlenstraße) ankommen, werden sie von zwei bewaffneten Tommis lachend in Empfang genommen. „Wir sahen, die ganze Dorfstraße zerstört“, so Jacobs. Alle, die die Mühlenstraße entlang kommen, werden von den Tommis in Jacobs Haus eingesperrt. Gegen Abend kommen zwei Engländer und führen den Müller der Ahauser Mühle, Heinrich Kothe ab, und erschießen ihn im nahegelegenen Wald „Im Wohld“ (laut Artikel Johann Gätjen in den „Rotenburger Schriften“, Heft 30).

Für Ahausen ist der Krieg zu Ende. 124 Mann waren zum Wehrdienst eingezogen worden. Zahlreiche Bürger kehrten nicht mehr zurück. Davon zeugt das Mahnmal, das seit 2013 neben dem Gelände des Heimatvereins zu finden ist.

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