1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Sottrum

Einsatz am Stacheldraht: Tierärzte und Helfer befreien einen Hirsch

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nina Baucke

Kommentare

Mit vereinten Kräften befreien die Helfer das Tier aus dem Stacheldraht.
Mit vereinten Kräften befreien die Helfer das Tier aus dem Stacheldraht. © Baucke

Zwei Tierärzte und drei Helfer machten sich am Mittwoch daran, einen in Stacheldraht verhedderten Hirsch in Schleeßel zu befreien. Dafür brauchte es einen Schuss aus dem Betäubungsgewehr.

Schleeßel – Erst ist der Hirsch nur sehr schwer auszumachen, ins Auge fällt lediglich ein sich bewegendes dunkelgrünes Knäuel. Immer wieder schüttelt sich das Tier, stemmt sich gegen den Zug des Zaunes. Dessen Stacheldraht ist um das Geweih des Damwilds gewickelt.

Heinz Bruns ist es, der ihn in dieser Notsituation am Mittwochnachmittag in der Feldmark nahe Schleeßel entdeckt. Der Landwirt und Jäger schätzt das Alter des Tieres auf gut zwei Jahre – und er weiß, dass er da alleine nicht viel ausrichten kann: „Der hat so noch ziemlich viel Kraft.“ So bleibt ihm nichts weiter, als auf Abstand zu warten. „Je dichter dran, desto mehr Stress hat der Hirsch.“ Zusammen mit Angela Harms, ebenfalls Jägerin, und Friedel Lossau rekonstruiert er das Geschehen, denn bevor der Hirsch in den Stacheldraht geraten sein muss, hatte er sich bereits in mehreren Metern zurückgelassenem Krötenschutzzaun verheddert.

Der Hirsch hat sich verheddert.
Der Hirsch hat sich verheddert. © -

Sieht man als Spaziergänger ein Tier in so einer Situation, sollte man am besten die Polizei informieren. „Die wissen, wer jeweils Jagdpächter ist und reichen dorthin den Kontakt“, erklärt Lossau. Daraufhin sollte man in der Nähe bleiben und auf die Ankunft des Jägers warten. Dieser informiert zudem den Tierarzt. Im Schleeßeler Fall ist es der Pächter selbst, der den Hirsch entdeckt.

Mehrere Kontakte telefoniert er vergeblich ab, bis die Tierärztliche Praxis Ottersberg einspringt. Tierarzt Jan Punsmann reicht ein gezielter Schuss aus etwa 20 Metern Entfernung mit dem Betäubungsgewehr, um den Hirsch über seinem linken Hinterbein zu treffen. Wie lange es zum Einsetzen der Wirkung braucht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Unter anderem davon, wie lange das Tier bereits festhängt und wie erschöpft es dementsprechend ist – in der Regel fünf bis zehn Minuten. Das gilt auch für die Frage, wie lange die Betäubung hält: „Zwischen 30 Minuten und vier Stunden ist alles möglich“, sagt Punsmann. „Aber die Zeit reicht, um ihn in Ruhe zu befreien.“

Ein Schuss reicht Jan Punsmann aus.
Ein Schuss reicht Jan Punsmann aus. © -

Nach fast zehn Minuten ist der Hirsch ruhiger geworden. Als Punsmann und sein Kollege Tobias Breßer, Heinz Bruns, sein Sohn Henning und Lossau sich nähern, scheint noch einmal der Adrenalinpegel des Tieres nach oben zu schnellen. Denn um ihn vorsichtig zu befreien und mit einem Seitenschneider den Stacheldraht zu durchtrennen, braucht es alle fünf Männer, die ihn fest an den Beinen und am Geweih packen. Ein paar Minuten dauert es, bis sie den Draht und den Krötenzaun beiseite ziehen können. Punsmann und Breßer tragen das Tier noch ein paar Meter weiter und untersuchen es auf Verletzungen. Dann überlassen sie den Hirsch sich selbst. Der läuft etwas taumelnd ins Dickicht, wo er sich versteckt.

Für die Tierärzte ist der Einsatz erledigt, dessen Kosten das Unternehmen Tennet tragen wird – war der Krötenschutzzaun doch um einen Strommast des Netzbetreibers herum gebaut. Lossau sieht sicherheitshalber am Abend und am nächsten Morgen nach, ob sich der Hirsch noch an seinem Zufluchtsort aufhält. Von dem Tier ist nichts zu sehen – sehr zu seiner Freude: „Dann haben wir wohl alles richtig gemacht.“

Tobias Breßer (l.) und Jan Punsmann untersuchen den Hirsch auf Verletzungen.
Tobias Breßer (l.) und Jan Punsmann untersuchen den Hirsch auf Verletzungen. © -

Auch interessant

Kommentare