Niklas Lohmann berichtet von seinem Jahr als Freiwilliger im Kinderheim „Kids Haven“ in Südafrika

„Es hat einfach perfekt gepasst“

Niklas Lohmann ist mit einigen Eindrücken zurück aus Südafrika gekommen. Dort hat er ein Jahr im Kinderheim „Kids Haven“ gearbeitet.

Stuckenborstel - Von Niklas Lohmann. Ich war ein Jahr in Südafrika und habe dort in einem Kinderheim gearbeitet. Während des ganzen Jahres habe ich mir ausgemalt, wie es sein würde, zurück nach Deutschland zu kommen. Ich dachte, alles wäre mir völlig fremd und ich würde sofort zurück nach Südafrika wollen. Jetzt bin ich seit drei Wochen wieder in Deutschland – und die Rückkehr war ganz anders als gedacht.

Alles ging viel zu schnell für mich, um es richtig zu verarbeiten: Abschied mit vielen Tränen, dann zwölf Stunden Flug, und schon stand ich in Bremen am Flughafen. Seitdem habe ich wenig über meine Rückkehr nachgedacht und es einfach hingenommen, jetzt hier zu sein.

Es hatte sich eher angefühlt wie ein Urlaub in Deutschland, nach dessen Ende ich wieder zurück zu „Kids Haven“ kommen und meine Arbeit fortsetzen würde. Ich habe mich ein bisschen wie ein Tourist gefühlt, der in Sottrum und Umgebung unterwegs ist. Zum Beispiel das satte Grün überall um mich herum zu sehen, war zu Anfang besonders schön. In Südafrika war vor meiner Abreise Winter und deshalb alles sehr vertrocknet.

Allerdings war das Autofahren auf der rechten Straßenseite erstaunlicherweise keine allzu große Umstellung, obwohl ich in Südafrika sehr viel Auto gefahren bin. Insgesamt hat die Tatsache, dass ich nun wieder in Deutschland bin, für mich keine große Umstellung erfordert. Es war einfach nur interessant, alles wiederzusehen. Seit kurzem fange ich jedoch an, auf mein Jahr zurückzuschauen.

Ein Teil der „Kids Haven Familie“

Ich hatte ein unglaublich tolles Jahr in dem Kinderheim „Kids Haven“. Wenn ich mich mit anderen Freiwilligen über die vergangenen zwölf Monate austausche, merke ich immer wieder, wie froh ich bin, in diesem speziellen Kinderheim und in diesem speziellen Land gewesen zu sein. Es hat einfach perfekt für mich gepasst.

Auch in Südafrika kann Niklas Lohmann mit Fußball bei den Kindern punkten.

Ich habe in dem Kinderheim richtig gearbeitet und gelebt. Das kann man als Stress ansehen, da man nur frei hat, wenn man „Kids Haven“ verlässt. Ich habe es aber eher so gesehen, dass ich durch meine ständige Anwesenheit Teil der „Kids-Haven-Familie“ geworden bin. Lange Gespräche bis tief in die Nacht, Spieleabende, Fußballspiele am Nachmittag, gemeinsames Frühstücken oder auch zum Krankenhaus fahren um drei Uhr morgens, all diese Dinge und noch vieles mehr haben mein Jahr dort so intensiv gemacht. Sie gehörten zwar nicht zu meiner offiziellen Arbeit als Lehrer der Kinder, gehörten aber trotzdem zum Alltag als Freiwilliger dazu.

Meine beiden Mitfreiwilligen Kira und Fiona sind auch ein Grund dafür, dass mein Jahr so gut verlaufen ist. Wir drei haben uns sehr gut verstanden und hatten viele Gespräche, in denen wir das Erlebte teilen und reflektieren konnten. Andere Freiwilligengruppen in „Kids Haven“ vor uns hatten häufig Probleme untereinander, was sehr belastend sein kann. Man lebt ansonsten nur mit Afrikanern zusammen und versteht nicht immer ganz, wie gewisse Dinge gehandhabt werden. Da kann es sehr wichtig sein, mit seinen Mitfreiwilligen zu reden, auch wenn das manchmal nur heißt, die Verwirrung zu teilen.

Kein Dritte-Welt-Land und kein Erste-Welt-Land

Südafrika ist ein spannendes Land. Es liegt auf dem afrikanischen Kontinent und deshalb denken viele, es wäre ein Dritte-Welt-Land ohne fließend Wasser und Elektrizität, mit Hungersnot und armen Kindern, die mit einem Ball im Dreck spielen. All das gibt es zwar in Teilen des Landes auch, aber allgemein ist das nicht das richtige Bild von Südafrika.

Der deutsche Botschafter, Walter Lindner, den ich mit Fiona und Kira in Pretoria besucht habe, hat es sehr treffend beschrieben, als er sagte, es wäre kein Dritte-Welt-Land und kein Erste-Welt-Land, es sei irgendetwas dazwischen. Die wohlhabenden Südafrikaner leben in riesigen Villen, mit hohen Zäunen, großen Autos in den Garagen, und kaufen in Einkaufszentren ein, die größer sind als der Weserpark und die Waterfront zusammen. Sie genießen ein sehr luxuriöses Leben, denn in Südafrika gibt es alle Konsumgüter, die es hier auch gibt, in jedem Supermarkt.

Die Zeit in Südafrika und bei „Kids Haven“ vermisst der Stuckenborsteler sehr.

Im Kontrast dazu stehen die Townships und ländlichen Gegenden. Dort herrscht immer noch ein Mangel an sauberem Trinkwasser und Strom. Die Arbeitslosigkeit in Südafrika liegt bei circa 40 Prozent und löst viele andere Probleme aus, Kriminalität ist eines davon. Im ganzen Land ist es für Weiße und Schwarze sehr gefährlich, bei Dunkelheit nach draußen zu gehen. Man kann sich nachts nur im Auto bewegen, was eine wirklich gewöhnungsbedürftige Einschränkung ist.

Kurz zusammengefasst waren dies die Umstände, mit denen ich mich in meinem Jahr in Südafrika arrangieren musste. Jetzt, nach drei Wochen in Deutschland, habe ich realisiert, dass es nicht Urlaub ist, was ich nun erlebe. Bald fängt mein Studium in Leipzig an und mir ist klar, dass ich doch erst einmal hier bleibe. Mittlerweile fallen mir mehr Sachen auf, an die ich mich noch gewöhnen muss. Man kann sich nachts frei bewegen, ohne Angst vor einem Überfall haben zu müssen. Ich fühle mich aber immer noch sehr unsicher, wenn ich nachts mit dem Fahrrad unterwegs bin.

Das Warten auf das Taxi

Außerdem wird der Faktor „Zeit“ in Deutschland ganz anders bewertet als in Südafrika. In Südafrika macht man eine Uhrzeit aus, zu der man sich treffen will, aber allen ist eigentlich klar, dass dies eigentlich der Zeitpunkt ist, zu dem man sich langsam zum Treffpunkt aufmacht. Aber auch das Warten auf Taxis, auf das Essen im Restaurant oder an der Kasse in der Schlange gehört einfach zum Alltag.

Etwas anderes ist mir jetzt in Deutschland auch erst so richtig bewusst geworden: Es ist viel leiser. In Südafrika ist immer irgendwo Lärm zu hören, entweder durch laute Gespräche, laute Musik oder auch einfach die Taxis, die hupen.

Ich vermisse Südafrika und „Kids Haven“ wirklich sehr. Mir ist aber auch bewusst geworden, wie froh ich sein kann, dass ich in Deutschland geboren wurde. Es ist gut so, dass ich jetzt wieder da bin und mein Studium bald anfängt, aber die Zeit mit den Kindern und Betreuern in „Kids Haven“ ist eine Zeit gewesen, in der ich viel über das fremde Land, über mich, über das Leben, aber auch über Deutschland gesamt gelernt und erfahren habe.

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