Eine schöne Würdigung

Reinhard Staupe aus Hellwege ist für das „Spiel des Jahres“ nominiert

Reinhard Staupe ist mit seinem Kinderspiel „Wir sind die Roboter“ für den Preis „Spiel des Jahres“ nominiert. Foto: Röhrs
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Reinhard Staupe ist mit seinem Kinderspiel „Wir sind die Roboter“ für den Preis „Spiel des Jahres“ nominiert.

Hellwege – Man kann es nur gemeinsam gewinnen. Reinhard Staupe und Sohn Linus aus Hellwege sitzen am großen Wohnzimmertisch und haben die bunten, mit Robotern bemalten Spielkarten in ihre Mitte gelegt. In einer kleinen Schachtel daneben liegen einige blaue Holzsteinchen – die Punkte. Kurz gesagt, versuchen sie in diesem Spiel „Wir sind die Roboter“, die innere Geschwindigkeit des Gegenübers richtig einzuschätzen. Je besser das gelingt, desto mehr blaue Holzsteinchen wandern in die Schachtel; und je voller die ist, desto besser schneiden sie gemeinsam ab. „Wir sind die Roboter“ hat Staupe selbst erfunden, das gehört zu seinem Beruf. Mit diesem Spiel ist er einer von drei Nominierten des „Kinderspiels des Jahres“.

Ein höheres Renommee gibt es für einen Preis in der Spielerszene wohl nicht. Man muss nicht einmal besonders versiert sein, um die je nach Kategorie roten, blauen und grünen Logos mit goldenem Lorbeerkranz zu kennen. Jedes Jahr dürfen drei neue Spiele – in den Kategorien Spiel, Kinderspiel und Kennerspiel – dieses Abzeichen auf die Verpackung drucken lassen. Den Preis vergibt der Verein „Spiel des Jahres“, und für die Schöpfer sowie Verlage bedeutet schon die Nominierung einen schönen Werbeeffekt, von dem bei Gewinn ganz zu schweigen. „Das hat eine ganz schöne Sogwirkung“, sagt der Hellweger.

Staupe selbst hat sein Leben dem Spielen gewidmet. Als Redakteur für den Nürnberger Spielkarten Verlag ist er dafür zuständig, Spielen von anderen Autoren den letzten Schliff zu geben. „Das ist das, was ich machen möchte“, sagt er. Nur wenn es um Kinderspiele mit pädagogischen Ansatz geht, entwickelt der frühere Lehramtsstudent noch selbst. „Daran hängt mein Herz.“ Davon hat er in den vergangenen Jahren eine Vielzahl erfunden – zuletzt eben „Wir sind die Roboter“. Trotzdem: Mehr als 100 Spiele sind in den über 25 Jahren, wo er professionell als Spiele-Redakteur arbeitet, seinem Geist entsprungen.

„Ein Spiel ist eigentlich nie richtig fertig“, sagt Staupe. Gelegentlich verschwindet es zunächst jahrelang in seiner Schublade, ehe er tatsächlich die perfekte Idee hat, die es zu einem Erfolg machen könnte. Oft fasziniere ihn bei den eingereichten Anleitungen nur die Grundidee, das Entscheidende könnte dabei noch fehlen. Das erwartete er auch nicht. „Die das entwickeln, sind in der Regel keine Profis“, sagt er. Immer wieder denkt Staupe dann über das Spiel nach, bis es dann „Klick“ macht – die zündende Idee, das gewisse Etwas. „Ich mache es solange, bis ich denke, dass es nicht mehr besser geht.“ Manchmal müsse man eben lange dranbleiben und vor allem immer selbstkritisch bleiben.

Bei der Entwicklung von Spielen seien oft die letzten Prozent entscheidend. Dabei sei der Grad zwischen Mittelmaß und einem zukünftigen Klassiker durchaus schmal. „Oft entscheiden Details, ob es ein Flop wird“: Vermeintliche Belanglosigkeiten, die eigentlich nichts über die Qualität des Spiels aussagen. Vielleicht ist der Titel zu sperrig, die Schachtel zu groß oder die Anleitung nicht einfach genug zu verstehen. Er selbst schmeißt bei einem Spiel gerne alles Überflüssige raus, versucht, es auf das Bestmögliche zu reduzieren. Je einfacher, desto besser eigentlich. Die Käufer – seine Zielgruppe und die des Nürnberger Spielkarten Verlags sind Familien – wollen sich schließlich nicht lange mit der Anleitung Beschäftigung, sondern gleich loslegen. Manchmal erreiche man dann auch die richtigen Spiele-Freaks, wie vor zwei Jahren mit „The Mind“.

Es ist nicht die erste Nominierung für Staupe. Sechs Mal ist er bereits in diesen Genuss gekommen, nur geklappt hat es bislang nie. Vielleicht klappt es dann am 15. Juni, wenn die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben werden. Neben dem Hellwege sind in der Kategorie „Kinderspiel“ noch „Foto Fish“ von Michael Kallauch und „Speed Roll“ von Urtis Ulinskas nominiert.

Die Nominierung „hat eine große Bedeutung für uns“, sagt Staupe. Der Nürnberger Spielkarten Verlag sei eher ein kleiner Verlag im Zirkus von Hasbro, MB und Co. Insbesondere, weil „Wir sind die Roboter“ eben „kein großes Ding für 40 Euro sei“, sondern lediglich eine kleine Idee für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Dennoch bleibt er zweckpessimistisch: „Kleinere Spiele haben es erfahrungsgemäß immer etwas schwerer“, sagt er. Der Preis hänge am Ende von vielen Faktoren ab – was bevorzugt die Jury oder wie stark ist die Konkurrenz in diesem Jahr? Stolz auf die Nominierung für seine „kleine Idee“ scheint Staupe dennoch zu sein: „Es ist schön, dass sie eine Würdigung findet.“

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