Auftakt in Kassel

„Eine Farce“: Reeßumer kritisieren Endlager-Konferenz

Im September hat das BGE den Zwischenbericht zur Endlagersuche veröffentlicht. Eine erste Veranstaltung zum Thema war ernüchternd.
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Im September hat das BGE den Zwischenbericht zur Endlagersuche veröffentlicht. Eine erste Veranstaltung zum Thema war ernüchternd.

Taaken – Man hatte sich schon mehr versprochen. Noch eine Woche zuvor hatte Bürgermeister Marco Körner im Interview mit dieser Zeitung seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, sich mit anderen Gemeinden vernetzen zu können. Doch die Auftaktveranstaltung zu den Fachkonferenzen Teilgebiete – ein Weg der Bürgerbeteiligung bei der Suche nach einem atomaren Endlager für die Bundesrepublik – blieb ihm diesen Wunsch schuldig. Stattdessen geriet sie zur „Farce“. So drückt es zumindest Rolf Wedemeyer aus, der für die Gemeinde Reeßum die Lage in Sachen Endlager im Auge behält.

Ein Salzstock unter Taaken bis hin nach Ostervesede gehört zu den 90 sogenannten Teilgebieten, die die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Ende September zumindest aus rein geologischen Gesichtspunkten für ein Atommüll-Endlager für geeignet hält. Bis 2021 soll eine Entscheidung fallen, und in Taaken ist man schon eine Weile sensibilisiert, eine Bürgerinitiative ist in Planung. Die zweitägige Auftaktveranstaltung sollte eigentlich in Kassel stattfinden, wurde aufgrund der Corona-Situation vollständig ins Internet verlegt.

Sehr zum Bedauern Wedemeyers und vielen anderen Kritikern des Konzeptes. Auch die Organisation „ausgestrahlt.“ lies nach der Konferenz kein gutes Haar an der Durchführung. „Die Konferenz wurde dem Anspruch von Bürgerbeteiligung und Selbstorganisation nicht gerecht. Das veranstaltende Atommüll-Bundesamt hatte diese Erwartung im Vorfeld geschürt, konnte sie aber nicht einlösen“, so Sprecher Jochen Stay in einer Mitteilung.

Andere Bürgerinitiativen und Umweltverbände äußerten ebenfalls Kritik am reinen Online-Format der Auftaktveranstaltung zur Fachkonferenz. Die Diskussions- und Interaktionsmöglichkeiten würden dadurch massiv einschränkt. Wolfram König, Präsident des veranstaltenden Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) wies die Kritik zurück: „Es fällt manchen leichter, anderen schwerer, in der neuen Zeit anzukommen.“

Wedemeyer hat ebenfalls nicht viel von einer Bürgerbeteiligung erkennen können, erklärte er am Montag gegenüber der Kreiszeitung. Zwar hätten die Erläuterungen des BGE am Samstag gut zum technischen Verständnis beigetragen, aber Teilnehmer seien in keinem Fall ausreichend zu Wort gekommen. Oft seien Wortbeiträge abgewürgt worden.

Auch Reeßums Bürgermeister Marco Körner hatte eigener Auskunft nach den Eindruck, dass die Veranstalter insbesondere am Sonntag die Tagesordnung schnell abarbeiten wollten – dazu gehörte auch die Wahl eines Gremiums, das die zukünftigen Fachkonferenzen im kommenden Jahr mit durchführen soll. Das kommende Jahr wäre auch ein Zeitpunkt, den Körner auch für die nun vergangene Veranstaltung bevorzugt hätte. Dafür sei noch Zeit gewesen. „Natürlich muss man versuchen, die Leute einzubinden. Auf diese Weise ist das aber ein Witz“, sagt Rolf Wedemeyer. Er und Körner hoffen und pochen auf mehr Beteiligung bei den Veranstaltungen im Frühjahr – wohlwissend, dass auch dies vom Verlauf der Corona-Krise abhängig ist.

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