Das Heimathausgelände in Ahausen bekommt Zuwachs

Ein Schafstall zieht um

Neun mal 14 Meter: Der Schafstall nimmt langsam Form an auf dem Heimathausgelände in Ahausen. Olaf Mahnken koordiniert die Arbeiten am Fachwerk – das Wissen darüber hat er sich angelesen. 
Fotos: Beims
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Neun mal 14 Meter: Der Schafstall nimmt langsam Form an auf dem Heimathausgelände in Ahausen. Olaf Mahnken koordiniert die Arbeiten am Fachwerk – das Wissen darüber hat er sich angelesen. Fotos: Beims
  • Ann-Christin Beims
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Ahausen – Neun mal 14 Meter: Die Dimension des neuen Gebäudes, dass das Ensemble auf dem Heimathausgelände in Ahausen komplettieren wird, ist bereits erkennbar. Es ist ein alter Schafstall, aus dem Jahr 1851. Der stand ursprünglich auf dem Hof Tadel zwischen Visselhövede und Kirchlinteln. Dort wäre er wahrscheinlich über kurz oder lang nur noch Geschichte gewesen – der Besitzer brauchte ihn nicht mehr und hatte es daher dem Heimatverein angeboten, als dieser einen Aufruf über die Zeitung gestartet hatte. „Sonst wäre er vielleicht auch Feuerholz geworden“, sagt Olaf Mahnken. „Es geht leider viel verloren mittlerweile.“ Das möchte er gerne verhindern.

Denn auch in Ahausen sind immer mehr alte Häuser verschwunden. „Das wieder herzurichten, lohnt sich oft nicht für die Leute“, sagt der Fahrzeugbauer, der sich sein Wissen über den Bau solcher Häuser angelesen hat, mit leichtem Bedauern in der Stimme. Er ist von der Bauweise fasziniert, hat auch sein eigenes Haus aus altem Fachwerk selber gebaut. „Die Häuser haben noch ein Gesicht, wurden mit Materialien gebaut, die verfügbar waren. Sie sind gut, haltbar und langlebig gebaut – mit Holzverbindungen, die schwierig herzustellen waren“, sagt er.

Um dem Schwund entgegenzuwirken, investiert Mahnken viel von seiner Freizeit – denn der Ahauser baut das Gebäude mit seinen eigenen Händen wieder auf, ganz im Sinne alter Handwerkskunst. Dabei bekommt er immer wieder Hilfe aus dem Ort – oder auch einfach nur neugierigen Besuch, der sich einmal ansehen möchte, was dort passiert, so wie heute an diesem warmen, fast wolkenlosen Nachmittag. Ein fester Stamm ist dabei eine kleine Truppe im Heimatverein, die für den Bau verantwortlich zeichnet. Dazu gehören neben Mahnken auch der ehemalige Vorsitzende Heiko Rosebrock sowie Gerhard Holsten. Gemeinsam haben sie das Backhaus und die Durchfahrtscheune auf dem Gelände errichtet. „Beim translozieren eines Gebäudes kommen auch immer wieder Leute dazu, zum Beispiel der ortsansässige Zimmermann“, erklärt Mahnken. Gemeinsam haben sie am ehemaligen Standort alles abgebaut, Steine geklopft, auch die Fundamentsteine mit nach Ahausen gebracht. Beim Transport der Balken und Steine haben Landwirte aus der Umgebung geholfen, mit Anhängern und Traktoren.

In die Planung dafür gegangen war der Heimatverein vor zwei Jahren. Die Nachricht, dass sie den Schafstall bekommen könnten, kam dann relativ kurzfristig – im Winter 2018 sollten sie ihn direkt abtragen, etwa vier Wochen hatte es gedauert, bis alle Teile in Ahausen angekommen waren. Der Schafstall ist noch erstaunlich gut erhalten, meint Mahnken. „Gerade das Außenfachwerk.“ Die Fundamentsteine sind noch die Originalsteine. Der Dachstuhl müsse hingegen auf jeden Fall erneuert werden, dort hatte es zuletzt reingeregnet. Und ein paar weitere Teile erneuert Mahnken ebenfalls, wie die Schwellen. Manches war witterungsbedingt abgängig. Auch ein paar Steine müssen neu her: Erdbienen hatten sich daran zu schaffen gemacht. Einige waren nicht ganz durchgebrannt und die Insekten hatten sich den Lehm herausgeholt, was die Ehrenamtlichen dann beim Abbau des Schafstalls gemerkt hätten.

Wiederaufbau im Sinne alter Handwerkskunst, das hei��t, dass Mahnken zum Beispiel die Holzverbindungen „einigermaßen fachmännisch“ macht, er verwendet keine Stahlwinkel, aber zum Beispiel Holznägel. So wie bei den anderen beiden Gebäuden. Auf die Details achtet er bei seiner Arbeit ganz besonders, diese sind ihm wichtig. Der Schafstall hatte zuletzt eine Schiebetür, nachträglich eingebaut. Das gab es aber früher nicht. Deswegen wird es nun wieder eine Flügeltür geben. Die Beschläge für diese sammelt er zum Beispiel, wenn Gebäude abgerissen werden. „Dann gleich mitnehmen“, sagt er und lacht. Und wenn es mal etwas nicht gibt, dann baut er es halt selbst – so wie beim Backhaus. Weil er die Stromkabel nicht mit Plastikverbindungen an die Wand nageln wollte, baute er kurzerhand selber welche aus Holz. Die Grundsteine für den Schafstall musste er ebenfalls bearbeiten, denn es gibt eine Sache, die aus der „modernen“ Welt hinzugefügt werden musste: ein Fundament. Das schreibt das Bauamt vor. Da die Grundsteine vorher nur so in der Erde saßen und es daher egal war, wie groß sie waren, musste Mahnken sie nun verkleinern, damit sie auf das Fundament passen. Alleine das habe schon etwa eine Woche in Anspruch genommen. Seit Mitte des vergangenen Jahres bauen Mahnken und andere aus dem Ort den Schafstall wieder auf, aber auch hier sorgte Corona nun für die ein oder andere ungeplante Pause. Denn wenn Mahnken Hilfe braucht, musste der Arbeitsschritt ruhen – jetzt kann es aber wieder weitergehen.

Insgesamt nimmt der Heimatverein für das Projekt etwa 50 000 Euro in die Hände, finanziert aus Spenden und den Mitgliedsbeiträgen – und mit sehr viel Eigenleistung. Es ist wichtig, dass solche Gebäude erhalten werden, findet Mahnken. Und die Resonanz zeige, dass die Entscheidungen für das Ensemble bisher immer richtig waren. „Viele Leute halten hier auch an, sehen sich um oder machen auch mal ein Picknick auf dem Gelände“, erzählt er. Auch für den Ort selber sei die Bedeutung groß. Während der ursprüngliche Ortsmittelpunkt um den Ahauser Treff lag, der nun „Geschichte ist“, sagt Mahnken, habe man damit einen neuen Mittelpunkt geschaffen. „Früher standen dort am alten Mittelpunkt drei Fachwerkhäuser, davon ist kein einziges mehr da jetzt. Man muss gucken, was machbar ist – sonst verschwindet immer mehr.“

Suche nach Material

Für die Bauarbeiten am Schafstall ist Olaf Mahnken noch auf der Suche nach alten Mauersteinen und Pflasterklinker. Wer so etwas hat, könne sich gerne bei ihm (04269/6392) oder dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Carsten Kaßburg, (04269/ 105710) melden.

Aus dem Jahr 1851 ist der Schafstall, den die Ahauser bald auf ihrem Heimathausgelände haben werden.

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