Ehrenamtliche nehmen sich Zeit für Bewohner der K&S Seniorenresidenz

Mit dem Herzen dabei

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Gertrud Krökel (r.) nimmt sich gerne die Zeit für die Bewohner der Seniorenresidenz und malt mit ihnen.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich: ob in der Feuerwehr, der Flüchtlingshilfe oder dem Deutschen Roten Kreuz. Doch was ist eigentlich mit den älteren Menschen in unserer Gesellschaft? Wer kümmert sich um sie, wenn sie im Pflegeheim untergekommen sind, außer den Mitarbeitern? Leider immer noch viel zu wenige, wie Nicole Schröder, Leiterin der K&S Seniorenresidenz in Sottrum, mitteilt.

Sieben Ehrenamtliche – viele von ihnen bereits selbst im Rentenalter – schauen momentan regelmäßig in der Einrichtung vorbei und basteln, backen oder gehen mit den Bewohnern spazieren. „Junge Menschen beschäftigen sich viel zu spät mit dem Thema Pflegeeinrichtungen und mit dem was in Zukunft kommt, sondern erst, wenn sie selbst irgendwie davon betroffen sind“, hat Schröder eine Erklärung für die Alterstruktur.

Viele der Ehrenamtlichen möchten noch etwas Gutes tun und nehmen sich daher die Zeit für die Bewohner des Altenheims. „Das Wichtige ist, dass man mit dem Herzen dabei ist“, macht Schröder deutlich. Eine der vielen Freiwilligen ist Gertrud Krökel. Sie hat sich für ein Kreatviangebot entschieden. Schon seit fast neun Jahren – solange gibt es die Einrichtung an der St. Georg Straße bereits – malt und bastelt sie mit den Bewohnern. Die fertigen Werke zieren dann die verschiedenen Wände der Seniorenresidenz. „Als ich in Pension gegangen bin, wollte ich gleich bei der ehrenamtlichen Hilfe mitmachen“, berichtet die ehemalige Lehrerin, die selbst ein Kunstatelier zuhause hat. „Ich habe, seit ich 16 bin, mit Menschen gearbeitet“, erzählt Krökel. Daher war für sie auch schnell klar, dass sie sich die Zeit für die Menschen im Seniorenheim nimmt.

Doch bei ausschließlich positiven Beispielen bleibt es im Gespräch mit Nicole Schröder nicht. „Ich wünsche, dass sich viel mehr Angehörige mit einbringen“, so die Leiterin. Es würden zwar viele der Familienmitglieder täglich kommen und ihre Eltern oder Großeltern besuchen, doch bei Weitem nicht alle. „Jeder hat doch Hobbies und könnte sich damit ehrenamtlich einbringen“, so Schröder.

Auch die Bewohner würden merken, dass sich ihre Angehörigen keine Zeit mehr für sie nehmen und sich nach und nach in sich zurückziehen. Da sei es an den Mitarbeitern, dass sie das rechtzeitig erkennen, gegensteuern und einen Zugang zu den Bewohnern finden.

Es sei traurig, dass viele ihre Eltern einfach nur in der Pflegeeinrichtung abgeben und sich dann nicht weiter um sie kümmern. „Wir sind kein 24-Stunden- Animationshotel“, so Schröder. Sie kann allerdings auch nachvollziehen, dass viele nicht damit klar kommen, dass ihre Eltern plötzlich krank sind und Hilfe brauchen. „Die Bewohner sind für jede Abwechslung dankbar, die nichts mit Schlafen, Essen oder Bingo zu tun hat“, macht Schröder deutlich. Auch die Einrichtung versucht, den Bewohnern viel zu bieten. „Da ist aber irgendwann die Grenze der Kapazität erreicht.“ Besonders Kinder und Tiere kommen bei den älteren Menschen gut an. Therapiehunde zum Beispiel seien aber finanziell nicht leistbar.

Neben den Ehrenamtlichen, die regelmäßig vorbeischauen, unterstützen sich die Bewohner auch gegenseitig. In der Caféteria treffen sich diejenigen, die noch sehr eigenständig sind. „Einige gehen auch selbst einkaufen und bringen für die anderen dann etwas mit“, berichtet Schröder.

Viele der Bewohner kennen sich auch noch von früher oder haben in der Zwischenzeit eine freundschaftliche Beziehung zueinander entwickelt. Das ist einer der Gründe, warum sich viele der älteren Ehrenamtlichen gerne um die Bewohner kümmern. „Sie sagen, wenn sie später selbst mal Hilfe brauchen, wissen sie schon, wo sie hingehen können, und haben schon Anschluss“, so Schröder.

Die Dresdnerin macht aber auch deutlich, dass die Situation im Ehrenamt in Sottrum schon besser als in der Großstadt ist. Dennoch „muss noch viel getan werden beim Thema Ehrenamt im Gesundheits- und Pflegewesen“. Ein Beispiel, wie man mit den älter werdenden Angehörigen umgehen soll, hat Schröder auch parat: „Das Mädchen aus dem Film Honig im Kopf hat alles richtig gemacht: Einfach ganz normal weiterleben und unbefangen mit dem Thema umgehen.“

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