„Mit Rückenwind“

Durch Sottrum mit Bürgermeisterkandidat Lühr Klee

Lühr Klee lehnt an einer Hauswand
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Lühr Klee ist ein alter Haudegen in der Sottrumer Lokalpolitik. Nun greift der Grüne nach dem Bürgermeisteramt in der Gemeinde.

Lühr Klee (Grüne) ist ein alter Haudegen der Sottrumer Lokalpolitik. Nun möchte er Bürgermeister werden. Die Gründe lassen sich bei einem Spaziergang nachvollziehen.

Sottrum – Lühr Klee ist mit dem Rad gekommen. Es ist verhältnismäßig warm an diesem Morgen, lässig legt er sich die Übergangsjacke über den Arm und lehnt sich an die Wand des Einganges zur Kirchstraße 16 – der Heimat der Kulturinitiative Sottrum und von Klee gewählter Ausgangspunkt für diesen Spaziergang durch Sottrum. Der Stuckenborsteler ist Spitzenkandidat der Grünen für die Gemeinderatswahl am 12. September mit Ambitionen auf das Bürgermeisteramt.

Zurück zur Kulturinitiative. Er möchte demonstrieren, dass ihm die Kultur in Sottrum zu kurz kommt, sagt Klee. Und die liege ihm am Herzen. Zwar gebe es die Kulturinitiative und auch der Heimatverein unter dem Vorsitz seines politischen Gegners Hans-Jürgen Krahn (CDU) würde super Arbeit in der Brauchtumspflege leisten. „Aber ich würde mir wünschen, dass sich der Bürgermeister mit gleicher Energie auch den anderen Kulturschaffenden widmen würde“, sagt Klee. Der Ton ist gesetzt. Wortgefechte sind keine Seltenheit zwischen den beiden langjährigen Ratsmitgliedern.

Auf was für Kultur steht Lühr Klee? „Das hat sich mit der Zeit gewandelt“, sagt er, schon beginnend in seiner Zeit als Waldorfschüler. Geboren 1950, sei er zeitgemäß geprägt Fan der Rolling Stones und der Beatles – das gehe beides. Doch diese wilden Jahre scheinen vorbei. Heute liest er gerne Richard David Precht, geht mal ins klassische Konzert, mag und tanzt gerne zu lateinamerikanischer Musik. Reisen nach Südamerika in den 80er-Jahren haben den Stuckenborsteler geprägt.

Es geht durch den Park am Eichkamp. Den einst abgängigen, nun stark beschnittenen großen Baum am Rande zum Pfarrhaus sieht Klee als Beweis kurzsichtiger Entscheidungen in er Gemeinde. Man schaffe zu früh Fakten in Sottrum, sagt er bedauernd. Dann geht es an der Grundschule am Eichkamp vorbei, wo Klee einst selbst Schulleiter war, ehe er zur nun geschlossenen Theodor-Heuss-Schule nach Rotenburg wechselte. Einen ehemaligen Schüler von dort treffen wir an der Großen Straße. Kurzer, versöhnter Wortwechsel zweier Männer, die sich zu Schulzeiten nicht immer einig waren, wie Klee augenzwinkernd erläutert.

Kurzserie „Um den Pudding“: Unterwegs mit den Kandidaten

Im Pandemiejahr findet der Wahlkampf vornehmlich draußen statt. In der Kurzserie „Um den Pudding“ stellen wir die drei Spitzenkandidaten der Parteien und damit die Bewerber auf das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Sottrum vor. Sie wählen Ausgangspunkt und Route. Letztere bestimmt das Gespräch über Pläne für Sottrum, über ihre Verbindungen und Vergangenheiten im Dorf. Den Anfang macht der Spitzenkandidat der Grünen, Lühr Klee. In den kommenden beiden Wochen folgen der amtierende Bürgermeister, Hans-Jürgen Krahn (CDU), und der zweite Herausforderer, Andreas Rosebrock (SPD).

Klee ist Sottrumer Urgestein, in Stuckenborstel aufgewachsen und dort mittlerweile – wieder – wohnhaft. Stuckenborstel ist ein Anhängsel von Sottrum, so Klee mit bedauernden Unterton, und es ist ein bisschen ein Schlafort geworden durch die direkte Anbindung an die Autobahn. Stuckenborstel könne in der Sottrumer Politik eine gewichtigere Rolle einnehmen. Man könne es gut am Brettmannschen Haus an der Wassermühle erkennen. Das verfalle, während sich der Bürgermeister ums Heimathaus mehr bemühe.

Wir nähern uns den Supermärkten. Der Edeka plant einen Neubau entlang der Großen Straße. Es bieten sich neue Chancen für den Lienworth – ein Kapitel des Entwicklungskonzeptes „Sottrum 2030“. Auch Klee hat Ideen. Dort soll der Verkehr verlangsamt werden, ein Mobilitätshub soll der Lienworth einmal sein. Der ehemalige Schlecker könnte zum selbstverwalteten Jugendtreff werden, schlägt er vor. Junge Leute können Quartiere beleben, ist er überzeugt. Die Grünfläche daneben: ein guter Standort für einen Wochenmarkt. Viele seiner Themen finden sich bei „Sottrum 2030“ wieder. Der Treffpunkt-Charakter des Lienworths müsse gestärkt werden.

Während Klee den Weg Richtung Carsharing-Stützpunkt der Bürgerenergiegenossenschaft einschlägt – er ist Mitglied, möchte, dass sie mit der Gemeinde eine Allianz bildet – geht es wieder um die „wilden“ Jahre. Zur Lehre ging Klee zunächst nach Bremen. „Sottrum war damals nichts für mich“, sagt er. Als junger Mann war ihm das Dorfleben zu festgefahren – „miefig“, wie er sagt. Das soziale Leben sei zu langweilig gewesen. „Man wollte in die Disco gehen, sich mit jungen Leuten treffen, was erleben.“ Nach der Lehre zum Fernmeldemonteur bei Siemens studierte er an der Bremer Uni Mathematik und Politik. Es folgten mehrere Projekte im Ausland, ein Umzug nach Delmenhorst, und Anfang der 90er-Jahre Hausbau und Familiengründung zurück in die alte Heimat Stuckenborstel.

Nach und nach kommt der Ausgangspunkt Kirchstraße 16 wieder immer näher. Klee erzählt von Impulsen, die er in die Gemeinschaft einbringen möchte. Wie einst mal das Jugendzentrum oder den Bürgerbus. Er möchte mehr gestalten als ein normales Ratsmitglied, bis jetzt habe ihn nur politisch der Rückenwind dazu gefehlt. Ist jetzt seine Zeit gekommen? „Wir Grünen sind im Aufwind – auch in Sottrum“, sagt er. Er spüre, auch im Wahlkampf mit Nicolas Fricke, der mit Unterstützung von Grünen und SPD als Samtgemeinde-Bürgermeister kandidiert, dass es ihm leicht falle, Sachen zu organisieren. Das mache ihm Spaß, sagt er, als das Backsteinhaus der Kulturinitiative ins Blickfeld gelangt.

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