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Dorfentwicklung in Hellwege: Der Traum vom gemeinsamen Radweg

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Baulücken sollen bei der Dorfentwicklung möglichst geschlossen werden.
Baulücken sollen bei der Dorfentwicklung möglichst geschlossen werden. © mro

Hellwege und Ottersberg machen gemeinsame Sache: Der Rat hat jetzt einem entsprechenden Dorfentwicklungsprogramm zugestimmt.

Hellwege – Einhellig der Meinung zeigte sich am Montag der Hellweger Rat, beim Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen mitzumachen. An die Kommune herangetreten war Posthausens Bürgermeister Reiner Sterna (CDU): „Ich wollte schon immer mit Hellwege zusammenarbeiten.“

Der Flecken Ottersberg plant für Posthausen und den Ortsteil Bahnhof, einen Antrag auf Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm zu stellen. Bei Hellweges Bürgermeister Wolfgang Harling (SPD) wurde dann die Anfrage gestellt, ob die Gemeinde im Rahmen einer kreisübergreifenden interkommunalen Zusammenarbeit in den Antrag mit aufgenommen werden will. Erste Gespräche dazu habe es laut Harling bereits zwischen den Verwaltungen des Fleckens Ottersberg, der Samtgemeinde Sottrum und den Ortsbürgermeistern von Posthausen und Ottersberg gegeben.

Mit Posthausen teilt Hellwege einen gemeinsamen Traum: einen Radweg zwischen den beiden Dörfern über Stelle. Das Dorfentwicklungsprogramm macht es ja vielleicht möglich. Sterna bedankte sich Montag persönlich bei den Ratsmitgliedern, auf so großes Interesse in der Nachbargemeinde zu stoßen und sieht viele spannende Themen, die jetzt für die Förderung diskutiert und vorgeschlagen werden können.

Ziel des Programms ist, Kommunen zukunftsfähig zu machen, was vor allem mit Blick auf den demographischen Wandel geschehen soll. Da Menschen in der Regel heute älter werden, aber nicht pflegebedürftig, stellt sich die Frage, wie sie in Zukunft versorgt und sozial eingebunden werden können. Für sie und alle anderen Mitbürger gilt, die Lebensqualität und Wohnattraktivität zu stärken und zu sichern. Interessant ist, dass das Dorfentwicklungsprogramm darauf abzielt, dass die beteiligten Ortschafen (oder -teile) sich möglichst nicht erweitern, sondern auf ein Leerstandskataster zurückgreifen sollen. Baulücken sollen geschlossen und vorhandene eventuell leerstehende Gebäude (beispielsweise gerade auch alte Hofstellen) für eine sinnvolle Nutzung optimiert werden.

Entwickelt werden sollen die Pläne nach einer gemeinsamen Strategie, die möglichst unter Einbindung aller Generationen und Nutzergruppen entwickelt werden soll. Ein Leerstandskataster soll noch entstehen. Zur Antragstellung zusammen getragen werden bestehende strategische Ansätze (beispielsweise Regionales Entwicklungskonzept), strukturelle, organisatorische oder methodische Ansätze (zum Beispiel bestehende Netzwerke wie die Kräuterregion), den Prozess unterstützende Faktoren wie Vereine und bürgerschaftliches Engagement, Finanzlage und der gesamte Betrachtungsraum, also das Gebiet über die Dorfregion hinaus.

Berücksichtigt werden sollen dabei wirtschaftliche Lage, Nahversorgung, Landwirtschaft, Kultur, Bildung, Einrichtungen für Kinder, Daseinsvorsorge und Infrastruktur, Vereine, Soziokultur, Bausubstanz und -kultur, Verkehr und Mobilität, Innenentwicklung, Reduzierung der Flächeninanspruchnahme, Umwelt- und Klimaschutz, Klimafolgeanpassung, Tourismus sowie Naherholung und Gesundheit. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dürfte aber alles abdecken. Aufgenommen und berücksichtigt werden im Dorfentwicklungsprogramm sowohl kommunale wie private Vorhaben, die gegebenenfalls aus verschiedenen Töpfen gefördert werden.

Im Fokus steht, innerorts Straßen, Wege und dörfliche Plätze zu verbessern, Freizeit-, Naherholungs- und dörfliche Gemeinschaftseinrichtungen zu schaffen, auszubauen, zu erhalten oder zu verbessern sowie Mehrfunktionshäuser oder auch Räumlichkeiten für zeitlich flexible Arbeitsplätze (Coworking Spaces) zu schaffen. Innerörtliche oder landschaftstypische Gewässer können mit den Mitteln umgestaltet oder zurückgebaut werden. Ortsbildprägende oder landschaftstypische Gebäude sollen erhalten werden, inklusive der dazugehörigen Hof- und Gartenflächen.

Da es in Kürze eine Änderung der Förderkulissen gibt, stehen die Förderhöhen noch nicht fest. Projekte in privater Trägerschaft können voraussichtlich mit bis zu 25 Prozent (gegebenenfalls plus fünf Prozent weiterer Mittel) bei Mindestkosten von 8 400 Euro gefördert werden. Bei kommunalen Vorhaben liegt der Prozentsatz zwischen 43 und 80 (gegebenenfalls plus zehn Prozent) und bei gemeinnützigen Vereinen bei 63 (plus zehn Prozent) sowie die Förderung der eigenen Arbeitsleistung.

Der Antrag muss bis zum 1. August gestellt werden. Wird das Ortstrio aufgenommen, wird das Dorfentwicklungsprogramm ab kommendem Jahr in den nächsten sechs bis acht Jahren umgesetzt. Dafür werden verschiedene Fördermittel beantragt, je nach Vorhaben aus den verschiedenen Ministerien des Landes. Die Bürgerbeteiligung soll möglichst kontinuierlich stattfinden – erstmalig am 28. Juni in der Grundschule Posthausen. Dann findet ab 19 Uhr ein Infoabend statt. Die Bürger sollen in dem Prozess ein Bindeglied darstellen. Zur Seite steht dem Prozess das Regionalmanagement der GesundRegion Wümme-Wieste-Niederung – Marcel Bonse und Christiane Sell-Greiser vom Planungsbüro Consultants Sell-Greiser.

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