Hassendorf diskutiert am Montag über den Ersatzneubau einer Stromtrasse

„Hassendorf unter Strm“ - Ein Dorf in der Debatte

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Eine Trasse über dem Ortsteil Bahnhof wird umgeleitet.

Das Thema Stromtrasse lässt Hassendorf nicht los. Seit einigen Jahren plant der Netzbetreiber Tennet, eine der Stromleitungen über den Ortsteil Bahnhof von 220 Kilovolt auf 380 aufzurüsten. Das bedeutet, dass die Trasse zukünftig östlich um das Dorf herum geführt wird. Vielen Hassendorfern schmeckt das nicht, sie fürchten um das ohnehin durch viele Stromleitungen rund ums Sottrumer Umspannwerk geprägte Landschaftsbild, ihre Gesundheit und vor allem um einen aus ihrer Sicht angemessenen Umgang mit der Natur. Die in der Zwischenzeit gegründete Bürgerinitiative „Hassendorf unter Strom“ fordert ein Erdkabel. Doch es gibt auch einen gemeindeinternen Konflikt, der am Montag während einer Gemeinderatssitzung erneut debattiert wird.

Hassendorf - Die Bürgerinitiative wähnt die Mehrheit des Dorfes hinter sich. Sie hat Unterschriften gesammelt. 558 der Wahlberechtigten in Hassendorf haben sich den Angaben zufolge beteiligt, das ist mehr als die Hälfte. Die Liste soll am Montag dem Rat vorgelegt werden, so Hans-Uwe Franke, der Sprecher der Initiative. Auch der Nabu Rotenburg gibt Rückendeckung, der sorgt sich vor allem um die Vögel in der Wümmeniederung, für die die hohen Strommasten und Leitungen eine Gefahr darstellen würden.

Ursprünglich stand das Erdkabel gar nicht zur Debatte. Erst im Sommer 2018 hatte das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg Tennet den Prüfauftrag für eine Erdkabel-Variante erteilt. Dieses würde dann nicht wie die Freileitung seinen Weg zwischen Windpark und Sportplatz, an den Tonkuhlen vorbei die Landschaft bis zur Wümme durchschneiden, sondern zwischen dem Dorf und dem Ortsteil Bahnhof auf Höhe des Solarparks verlaufen.

Die Bürgerinitiative ist spät dran, erst seit diesem Frühjahr ist sie aktiv: „Wir sind relativ spät auf die Thematik gekommen“, gesteht auch Franke ein. Schon 2014 war der Ersatzneubau erstmals ein Thema, ab Ende 2017 wurden die Pläne konkreter, und vor ziemlich genau einem Jahr hat der Hassendorfer Gemeinderat noch relativ unbeachtet eine Stellungnahme pro Freileitungen verabschiedet. Und diese Stellungnahme, hofft zumindest „Hassendorf unter Strom“ soll am Montag zu einem pro Erdkabel verändert werden. Dasselbe Anliegen hat man an den Samtgemeinderat. „Wir verstehen nicht, warum die Stellungnahmen so früh verabschiedet werden mussten.“

Die Bürgerbewegung hat viel dafür getan, um sichtbar zu werden. Neben der Unterschriftenaktion haben viele Einwohner gelbe Kreuze als Mahnmal an ihre Hofeinfahrten gestellt. Es gab eine sogenannte Mastenfahrt, wo mit dem Fahrrad die Standorte der zukünftigen Strommasten abgefahren wurden. Etwa 80 Personen waren laut Heike Stäcker, ebenfalls in der Bürgerinitiative, dabei. „Ich glaube, wir haben schon einiges bewirkt“, so Franke.

Das gelbe Kreuz ist das Symbol der Bürgerbewegung „Hassendorf unter Strom“.

Man wolle mit dem Rat zusammenarbeiten und keine Feindschaften schüren, fährt er fort. Genauso wenig sei man auf einem Auge blind. Man wolle sich auch für die Interessen der betroffenen Grundstückseigentümer einsetzen, unter deren Besitz das Kabel führen würde. Das sind vornehmlich Landwirte, die Ernteeinbußen befürchten. „Die müssen entschädigt werden“, so Franke. Natürlich habe ein Erdkabel auch Nachteile, etwa die hohen Kosten, aber die Nachteile eine Freileitung würden überwiegen.

Im Moment befindet sich der Abschnitt im Planfeststellungsverfahren, das im Sommer 2020 abgeschlossen sein könnte. Die Entscheidung, ob eine Freileitung gebaut oder ein Erdkabel verlegt wird, fällt auf Landesebene. Ob Hassendorf sich da geschlossen aufstellen kann, wird sich am Montag entscheiden. Tennet plant eine Fertigstellung Anfang 2023. Das könnte sich vielleicht noch verzögern. Denn die Bürgerinitiative lässt durchblicken, dass auch Klagen von Betroffenen möglich sind, sollte man sich gegen ein Erdkabel entscheiden.

Die Bürgerinitiative ist sich sicher, viele Hassendorfer werden sich am Montag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus einfinden, wenn das Thema Erdkabel wieder zur Diskussion steht. Es gibt einen Antrag der Ratsmitglieder Petra Guderian und Hannelore Mann-Sander zur Sache, auch die Anregung der Bürgerinitiative selbst wird besprochen

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