Vereinsvorsitzender Achim Figgen über die Schützentradition im Lockdown

Doppelt betroffen

Verwaist: Der Schützenhof in Sottrum.
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Verwaist: Der Schützenhof in Sottrum.

Sottrum – Auf der Strecke geblieben ist vieles in den vergangenen Monaten durch die Covid-19-Pandemie. Traditionen sind ebenfalls durch das Virus bedroht, sie erfordern meist Nähe zu anderen Menschen. Geselligkeit und Veranstaltungen – alles Dinge, auf die es aktuell zu verzichten gilt. Das betrifft auch die Schützenvereine der Region, denen mittlerweile eine komplette Saison weggebrochen ist, und auch was die nun eigentlich anstehende anbelangt, sehen viele schwarz.

Veranstaltungen wie das Anschießen oder die normalerweise in ein paar Monaten beginnende Schützenfest-Saison sind trotz gestarteter Impfkampagne kaum denkbar. Immerhin kann sich so mancher Schützenkönig freuen, mit der Zeit einen Vereinsrekord mit der längsten Amtszeit aufzustellen. Doch zum Lachen ist den meisten nicht mehr zumute.

Auch Achim Figgen ist die Ratlosigkeit deutlich anzumerken, wenn man ihn nach dem aktuellen Stand des Schützenwesens und seinen Traditionen fragt. Der Vorsitzende des Sottrumer Schützenvereins kommt ursprünglich aus dem Sauerland, ihm liegt das Schützenwesen quasi im Blut, erfährt es dort doch noch eine ganz andere Bedeutung als in unserer Region. „Die Schützenvereine sind doppelt getroffen“, sagt Figgen. Immerhin würden diese doch Sport und Tradition miteinander verknüpfen, aber beides sei zurzeit verboten. „Eigentlich geht gar nichts, das ist das große Problem“, sagt der Vorsitzende.

In Sottrum wie auch andernorts im Landkreis gilt für ihn: Das Schützenwesen lebt von seinen Traditionen, insbesondere durch die Veranstaltungen. Das müsse nicht unbedingt gleich das Schützenwesen sein, es reiche seinen Worten nach schon der Übungsabend, der momentan nicht mehr existiert. „Für mich war früher immer klar, der Mittwochabend gehört dem Schützenverein“, sagt Figgen. Über den Sommer, als die Infektionszahlen hinweg etwas niedrig waren, habe man noch versucht, den Termin so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, damit zumindest der sportliche Aspekt nicht unter den Tisch fällt. Aber das gesellige Miteinander im Anschluss vielleicht mit einem Bier? Fehlanzeige! Alternative Angebote, wie etwa eine Online-Zusammenkunft, erscheint Figgen nicht unbedingt passend oder sogar gewollt. Das hat auch mit den Altersstrukturen zu tun. „Viele, die den traditionellen Teil besonders hochhalten, gehören zur Risikogruppe“, so der Sottrumer Schützenchef. Und wie solle das Schützenwesen mit seinen Umzügen etwa in die digitale Welt auch übertragen werden?

Immerhin: Die Zahl der Austritte aus dem Verein hält sich laut Achim Figgen im üblichen Rahmen. Die sei nicht höher als zu normalen Zeiten. Ein kleines Aber gibt es in diesem Punkt dennoch. Eigentlich würden sich Aus- und Eintritte beim Verein die Waage halten, doch ohne Veranstaltungen könne man auch keine neuen Mitglieder gewinnen.

Figgen sagt, er fühle sich nahezu „hilflos“. Man wolle seinen Kameraden schließlich auch etwas bieten, doch man könne es nicht. Die Sottrumer Schützen haben für 2021 darauf verzichtet, einen Terminplan herauszugeben. „Das erscheint uns nicht sinnvoll, wir können nicht seriös planen.“ Bis auf Weiteres findet also nichts mehr statt beim Verein. Man halte sich aber die Option offen, kurzfristig etwas auf die Beine zu stellen, sofern es die Lage zulässt. Figgen denkt dabei zum Beispiel an das Pflanzen der Königseiche, eine Veranstaltung, die draußen stattfindet.

„Ich bin ein überzeugter Schütze. Es fehlt einem was“, sagt er. Das Einzige, was noch bliebe, sei das Schießen alleine auf dem Schießstand, um nicht einzurosten. Ende vergangenen Jahres habe der Vorstand noch Schokolade an die Mitglieder verteilt, um ein kleines Zeichen zu setzen. Ansonsten könne man nur noch hoffen, dass es bald wieder vorbeigeht.

Und wird dann alles wieder wie früher sein? „Ich hoffe es. Aber es wird eine Weile dauern.“ Am Ende sei der Mensch ein geselliges Wesen, und die Geselligkeit wolle er auch unbedingt wiederhaben.

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