MEIN BUCH UND ICH Der Garten liefert Claudia Koppert die Geschichten

Die Naturfreundin

Der Garten des ehemaligen Forsthauses, wo Claudia Koppert und Birgit Lindberg zu Hause sind, ist durch die vielen Nistkästen ein Paradies für Vögel.
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Der Garten des ehemaligen Forsthauses, wo Claudia Koppert und Birgit Lindberg zu Hause sind, ist durch die vielen Nistkästen ein Paradies für Vögel.
  • Antje Holsten-Körner
    vonAntje Holsten-Körner
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Stapel – Was im Landkreis Verden Fischerhude ist, ist in der Samtgemeinde Sottrum das 273-Seelen-Dorf Stapel. Denn im kleinen Ort der Gemeinde Horstedt sind besonders viele kreative Menschen zu Hause. Dazu gehört auch Claudia Koppert, die 2003 gleich mit ihrem Roman-Debüt „Allmendpfad“ überregional auf sich aufmerksam gemacht hatte.

„Das war mein erster literarischer Roman, zuvor hatte ich bereits Aufsätze veröffentlicht“, erzählt Koppert, aufgewachsen in Heidelberg. Als am Ende ihrer Grundschulzeit die Wahl der passenden Schule anstand, profitierte sie von der Bildungsreform. „Bis zu dieser Reform kamen nur wenige Mädchen auf weiterführende Schulen. Meine Eltern bedauerten, dass sie selbst nur kurz zur Schule gegangen waren“, berichtet die heute 62-Jährige. „Da aktiv auf meine Eltern zugegangen wurde, hatte ich das Glück, dass ich das Hölderlin-Gymnasium besuchen durfte.“

Dem Abitur ließ sie ein Sozialarbeit-Studium folgen. Schon der erste Versuch, nach erfolgreichem Abschluss des Studiums in Berlin bei einem Verlag unterzukommen, wurde von Erfolg gekrönt. „Als Verlagsmitarbeiterin habe ich mich in alle – auch die betriebswirtschaftlichen – Abläufe eingearbeitet“, so Koppert. Bei dieser qualifizierten Arbeit merkte sie, dass sie Fehler in Texten erkennt und übernahm daher erste Lektorate. In der Freizeit genoss sie nach eigenen Worten das „Berliner Leben“, war politisch aktiv und engagierte sich für Ökologie, Feminismus und die Friedensbewegung. Doch im Laufe der Zeit nahm die Arbeit im Verlag immer mehr Raum in ihrem Leben ein. „Ich habe die Neigung: Arbeit, die da ist, muss gemacht werden, es gibt also keine Bremse“, verrät die Wahl-Stapelerin, die schon als Kind im elterlichen Gemüsebaubetrieb mitgearbeitet hatte.

Daher nahm sie Ende der 1980er Jahre Abschied vom Verlag und Berlin. Bei einer Radtour von mehreren hundert Kilometern von Helmstedt bis an den Rand der Pfalz sollte die Wahl für den neuen Wohnort fallen. „Durch die guten Unis in Bremen, Hamburg und Hannover, die jeweils über hervorragende Bibliotheken verfügen, war Birgit und mir klar, dass wir in den Raum Bremen/Hamburg möchten“, erinnert sich Claudia Koppert. Zunächst fanden sie ihr Domizil in Posthausen, bevor Claudia Koppert und Birgit Lindberg 1992 das ehemalige Forsthaus in Stapel erwarben. Hier konnten die Wünsche, einen großen Garten zu haben und die freiberufliche Arbeit für Verlage vereint werden.

Der Hauptstadt blieb sie aber weiter verbunden, denn von 1992 bis 1999 hatte sie einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Schwerpunkt Frauenforschung. Neben Lektoraten und Vortragstätigkeiten entstand in Zusammenarbeit mit weiteren Autorinnen das Buch „Glück, Alltag und Desaster “ (1993) über die Zusammenarbeit von Frauen, bei dem Koppert auch als Herausgeberin fungierte. Auch bei „Hand aufs dekonstruierte Herz“ trat die gebürtige Heidelbergerin – hier zusammen mit Beate Selders – als Herausgeberin auf und steuerte eigene Beiträge zum Buch bei. Ihren ersten Roman, „Allmendpfad“, wollte sie zuerst gar nicht schreiben. „Als Romanautorin habe ich mich nicht gesehen. Aber als ich keine geeignete Autorin fand, die über die Entwicklung im Gemüsebau oder auch in der Landwirtschaft und die Konflikte in drei Generationen ein Buch schreibt, übernahm ich dies selbst“, so Koppert.

Und das mit großem Erfolg, denn ihr Debüt wurde von der Presse hoch gelobt. Der zweite Roman folgte mit „Sisterhood – eine Sehnsucht“ im Jahr 2014. Jüngstes Werk ist der Erzählband „Im Vogelgarten“, dem Geschehnisse im heimischen Garten zugrunde liegen. „Das Buch lebt von meiner Faszination von Wildvögeln vor der Haustür und die teilen offenbar viele Menschen, wie ich den Reaktionen entnehme“, betont die Autorin, die weiß, dass einiges getan werden müsste, um den Rückgang des Vogelbestandes zu beenden. Um der Vogelwelt im Garten des ehemaligen Forsthauses ein kleines Paradies zu bieten, hängen dort inzwischen rund 50 Nistkästen in den Bäumen.

Verbunden ist Claudia Koppert auch mit „Malou“, einer ehemaligen Straßenhündin, mit der sie bei den Hundesportfreunden Rotenburg-Scheeßel trainiert. Außerdem ist sie Beiratsmitglied des Fördervereins der Cohn-Scheune, für den sie Veranstaltungen organisiert, sowie im Stapeler Verein „Region Intakt“ aktiv. „Selbstverständlich“ ist es für sie, sich einzubringen. Maßgeblich beteiligt war sie am Stapel-Buch, das im Zuge der 777-Jahr-Feier veröffentlicht wurde. „Es ist ein glücklicher Umstand, dass ich arbeiten und dabei meinen Interessen nachgehen kann“, freut sich Koppert. Derzeit ist sie mit den Recherchen für das nächste Buch beschäftigt. Wie immer hat sie dafür Zettel und Stift dabei, um Ideen festhalten zu können. Für die Ausarbeitung braucht die Stapelerin aber die Ruhe am heimischen Schreibtisch. „Intensives Arbeiten, um intensive Texte erstellen zu können“, erklärt sie.

Froh ist sie auch, dass wieder Lesungen stattfinden. Am Samstag, 22. August, liest sie um 16 Uhr im Fischerhuder Museum „KaFF“ (Kunst am Fluss) ihre Vogelgarten-Erzählungen. Bei gutem Wetter findet dies unter freiem Himmel statt. Ein weiterer Termin ist der 4. September um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Findorffer Bücherfenster im Rahmen von „Bremen liest – die lange Nacht der Literatur“. Der Band „Im Vogelgarten“ ist übrigens überall erhältlich und auch der 2003 im Kunstmann-Verlag erschienene Roman „Allmendpfad“ inzwischen als Taschenbuch zu erwerben.

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