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Die Leine als Chance: Mit dem Hund unterwegs in der Brut- und Setzzeit

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Von: Nina Baucke

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Berit Jack ist auch in der Brut- und Setzzeit mit ihren Hunden
Berit Jack ist auch in der Brut- und Setzzeit mit ihren Hunden unterwegs – allerdings nur an der Leine und auf offiziellen Wegen. © Baucke

Seit Freitag ist wieder Brut- und Setzzeit, und damit gilt auch wieder die Leinenpflicht für Hunde. Bis zum 15. Juli darf es nur mit dem angeleinten Vierbeiner in die Natur gehen, und auch da sollten Hund und Mensch nur auf offiziellen Wegen bleiben. Hundetrainerin Berit Jack rät zudem, diese Zeit auch als Chance zu sehen.

Hellwege – Am Ende der Schleppleine, die Berit Jack in der Hand hält, laufen fast 65 Kilogramm. Ganz so zackig ist Broholmerhündin Frigga nicht mehr unterwegs, im Gegensatz zu ihren noch nicht ganz so schweren beiden Töchtern Mathilde und Brunhilde. Ein ganzes Bündel an Leder- und Kunststoffbändern hält die Hellwegerin Jack in den Händen, wenn sie mit den drei Hundedamen unterwegs ist. Das hat vor allem jetzt eine Bedeutung, denn seit Freitag ist bis zum 15. Juli Brut- und Setzzeit.

In den folgenden Wochen dürfen beispielsweise Äcker und Wiesen nicht mehr betreten werden, unter anderem, um Nutzpflanzen zu schützen. Zugleich bekommen am Boden brütende Vögel, Feldhasen und Rehwild ihren Nachwuchs und brauchen daher Ruhe. In dieser Zeit gehört der Hund bei Spaziergängen durch Wald und Flur an die Leine. „Auch wenn viele Hundehalter der Meinung sind, ihr Hund bräuchte das nicht. Dabei hat jeder Hund diesen Bewegungsreiz in sich, jeder hat ein riesengroßes Bedürfnis zu erforschen, folgt Bällen oder Rädern“, sagt Hundetrainerin Jack. „Es ist mit die größte Herausforderung, denn weniger die Hunde, als die Menschen fühlen sich eingeschränkt, wenn sie ihren Hund an die Leine nehmen müssen. Sie fühlen sich von der Bestimmung geknebelt und wollen selbst entscheiden, was sie mit ihrem Hund machen.“

Kitze im hohen Gras

Doch ganz so einfach ist es nicht: Die Ricke legt ihr Kitz beispielsweise oft in hohem Gras ab und entfernt sich. „Der Wildtiernachwuchs mag noch so verwaist wirken, er ist es in der Regel nicht“, warnt die Jägerschaft Rotenburg in einer Pressemeldung. „Deshalb: nicht anfassen, sondern möglichst schnell vom Fundort entfernen.“ Das scheint offenbar nicht allen Hundebesitzern klar zu sein: „Es gibt viel Unwissenheit. Da erzählt mir eine Hundehalterin, wie lieb ihr Hund zu dem Kitz war und es abgeleckt hatte“, berichtet Jack. „Kitze riechen zwar nicht – aber die Nachgeburt. Daher versucht die Ricke auch, andere von ihrem Kitz wegzulocken. Die ganze Duftwelt des Waldes bleibt uns völlig verschlossen. Dem Hund nicht. Aber auch sie hinterlassen eine Duftspur, die eine Ricke dann abschrecken kann.“

Auch bei Bodenbrütern ist Vorsicht angesagt, denn wird beispielsweise ein Fasanengelege zweimal gestört, lässt die Henne es im Stich. Als Störung reicht schon ein Gang über die Wiese zu dicht an einem Gelege aus.

Daher sollten Halter mit ihren Tieren auf den Wegen bleiben, und Hunde vor allem zwei Dinge beherrschen: ihren Rückruf und die Aufforderung „Sitz“. „Und beides klappt bei vielen nicht“, bemängelt Jack.

Es geht darum, sich auf die Bedürfnisse des Hundes zu konzentrieren: Wofür interessiert er sich überhaupt?

Berit Jack

Dann fällt das Kind schnell in den Brunnen: „Wenn der Hund abhaut, ist das Pech. Dann bleibt nur: Stehenbleiben und warten, denn die meisten Hunde folgen ihrer eigenen Spur zurück.“ Manche schon nach einer Minute, andere auch erst nach drei Tagen. „Das hängt von der Bindung zwischen Hund und Mensch ab.“ Auch umdrehen, wenn der Hund zu ziehen beginnt, ist keine Option. „Dann ist er schon in seinem Modus“, sagt Jack. Eine Lösung ist, das Interesse des Vierbeiners umzulenken. Ansonsten hilft nur Management: den Hund hinsetzen lassen und festhalten, so Jack.

„Wir haben hier im Landkreis so viele Möglichkeiten, mit dem Hund spazieren zu gehen, auch auf breiten Waldwegen. Außerdem gibt es Freilaufflächen“, sagt die Hundetrainerin. Sie appelliert, in der Leinenpflicht eine Chance zu sehen. „An der Leine zu sein, müssen Hunde ohnehin lernen. Dabei haben Mensch und Tier die Möglichkeit, mal wieder richtig miteinander zu kommunizieren und nicht einfach nur nebeneinander herzulaufen“, betont die Hundetrainerin. „Es geht darum, sich auf die Bedürfnisse des Hundes zu konzentrieren: Wofür interessiert er sich überhaupt?“ Ein weiterer Ansatz ist, zusammen mit anderen Hundehaltern spazieren zu gehen. „Denn das gibt es fast gar nicht. Dabei ist das ein gutes Training, auch bei unverträglichen Hunden: beispielsweise zu üben, Abstände einzuhalten – und wenn der Hund sich an alles hält, ihn auch zu belohnen.“ Zudem eröffneten sich in der Leinenzeit neue Routen, da viele nun freie Flächen meiden, weiß die Hellwegerin.

Mehr Informationen

Sie rät allerdings dazu, keine kurzen Ein-Meter-Leinen zu nutzen, zudem sollte der Hund ein Geschirr tragen – und kein Halsband. „Denn wenn der Hund losdonnert, besteht beim Ziehen an der Leine akute Verletzungsgefahr“, weiß sie. „Und auch mit einem Geschirr kann das Tier Spaß haben.“ Das gilt auch für die Leine: „Die Leine muss ein Freund sein – und kein Zeichen für ,Das darf ich nicht!‘“, erklärt Jack.

Mehr Informationen vonseiten der Jägerschaft für Hundebesitzer: Das wünscht Jack sich für die Zukunft. „Beide Seiten sollten da mehr aufeinander zugehen.“ Denn: Ein Gang mit Hund durch die Wälder in der Brut- und Setzzeit kann funktionieren, weiß sie aus eigener Erfahrung: „Allein das stille Beobachten mit Abstand kann eine Belohnung sein.“ Und das geht auch an der Hundeleine.

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