Dörte Ahlenstorf hat die Veränderung der Friedhofskultur im Blick

Der Platz zum Trauern

Ein Platz zum Trauern ist wichtig. Heute sieht der auf den Friedhöfen aber sehr unterschiedlich aus.
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Ein Platz zum Trauern ist wichtig. Heute sieht der auf den Friedhöfen aber sehr unterschiedlich aus.

Sottrum – Seit dem Frühjahr ist die deutsche Friedhofskultur in Deutschland immaterielles Kulturerbe. Aber durch was zeichnet sie sich überhaupt aus? Feststellen lässt sich jedenfalls ein Wandel in den vergangenen 30 bis 40 Jahren, sagt Dörte Ahlenstorf. Sie ist Inhaberin von Floristik und Friedhofsservice Kahrs. Seit 2008 führt sie den Betrieb, den sie von ihrer Mutter Gudrun Kahrs übernommen hat. Der Betrieb kümmert sich von der Beerdigung an vor allem um die Pflege und Gestaltung von Gräbern. Dadurch bekommt Kahrs aber auch die Entwicklung der Bestattungs- und Friedhofskultur als Ganzes mit.

Der Anfang des Wandels sei vor allem die Entwicklung von größeren Familiengrabstätten hin zu kleineren, Einzel- oder Partnergräbern. Früher habe es noch viele landwirtschaftliche Familienbetriebe gegeben, auf deren Grabstätte nicht nur Familienmitglieder, sondern teilweise auch Angestellte beerdigt wurden. Vereinzelt gibt es zwar noch solche großen Grabplätze, durch den veränderten Lebenswandel habe sich die Aufteilung auf den Friedhöfen aber grundlegend geändert. „Es gibt heute viele Möglichkeiten“, sagt Ahlenstorf hinsichtlich der Bestattungsformen und Grabstellen. Wer sich heute auf einem Friedhof umschaut, sieht Einzel- und Doppelgräber, Urnengemeinschaftsanlagen aber auch weiterhin größere Flächen mit vier, acht, zehn oder sogar mehr Plätzen.

Immer mehr setzen sich die Kommunen auch mit Urnenbestattung auseinander, und viele Friedhof haben mittlerweile anonyme oder halbanonyme Urnengrabfelder. „Vor 30, 35 Jahren hat es mit der Urnenbestattung allmählich angefangen“, berichtet Ahlenstorf. Zunächst sei es aber nicht so verbreitet gewesen, die Menschen noch skeptisch. „Bis heute ist es aber so, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie eine Urnenbestattung abläuft“, schildert Ahlentorfs ihre Eindrücke. Nach wie vor seien vor allem die Abläufe von Erdbestattung im Sarg bekannt.

„Hier in der Region ist die Bestattungskultur aber noch eher klassisch“, sagt Ahlenstorf, die nicht nur Grabstellen auf dem Sottrumer Friedhof betreut, sondern auch in der Umgebung, bis Hellwege, Waffensen, Taaken, Fischerhude und Quelkhorn unterwegs ist.

Vor Corona sei der Anteil an Erdbestattungen auch noch höher gewesen. Dann aber habe ein Wandel stattgefunden, die Urnenbestattungen haben zugenommen. Bedingt durch den Lockdown und die Einschränkungen hätten sich viele Angehörige für eine Einäscherung entschieden. „So konnten sie es ein, zwei Wochen entzerren, in der Hoffnung, dass es dann Lockerungen gibt“, berichtet Ahlenstorf.

Für sie und ihre Mitarbeiter beginnt der Kontakt zu den Angehörigen nach einem Sterbefall während der Planungen für die Bestattung. Dann gehe es um Trauerschmuck und Kränze. Nach der Bestattung gehe es damit weiter, dass sie den Erdhügel abtragen und die Gestaltung der Grabstätte vornehmen.

„Es ist wichtig, dass Menschen einen Platz haben, wo sie trauern können“, ist Ahlenstorfs Eindruck. Auf Rasengräbern, wo eigentlich kein Grabschmuck abgelegt werden darf, lasse sich oft beobachten, dass Angehörige dann trotzdem Blumen oder Kerzen mitbringen. Sie findet es ratsam, dass Menschen sich gut überlegen, welche Bestattungsform die richtige sein könnte. „Aber letzten Endes kann man es vorher nicht ermessen, wie sich der Trauernde verhält, was es mit ihm macht.“

Gleichzeitig sei es vollkommen unterschiedlich, wie Menschen mit Verlust umgehen. Jeder gehe unterschiedlich oft auf den Friedhof. „Und das muss man ganz wertfrei sehen“, meint sie.

„Ich finde es wichtig, Friedhöfe für die Zukunft zu erhalten“, so Ahlenstorf. Nach wie vor ist es ein Treffpunkt. Dort können Menschen gemeinsam trauern. „Das Sprichwort ,Geteiltes Leid ist halbes Leid‘ passt da ganz gut.“ Wenn sie heute ihre Arbeit auf dem Friedhof verrichtet, blickt sie allgemein auf eine große Vielfalt, nicht nur hinsichtlich der Bestattungsformen, auch was die Grabsteine und die Gestaltungsmöglichkeiten betrifft.

Was die Bepflanzung betrifft, sei aber auch das Klima ein großer Faktor. „Die Auswahl an Pflanzen hat sich verändert“, berichtet sie. Heute seien es eher robuste Pflanzen, die auch mit Trockenheit zurechtkommen, weniger jene, die moorige und feuchte Böden mögen. Das sei grundsätzlich kein Problem, „aber man muss sich damit beschäftigen“, erklärt sie. Der stete Wandel und die Vielfalt machen ihren Beruf aus. „Es wird nie langweilig“, sagt Ahlenstorf.

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