Regionale Produkte

Der erfüllte Traum vom Käse - aus der eigenen Käserei

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1000 Liter Milch von den eigenen Kühen verarbeitet Herman Solte pro Charge.
  • Matthias Daus
    vonMatthias Daus
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Es war ein lang gehegter Wunsch, den sich Hermann Solte aus Bötersen erfüllt hat: eine eigene Käseproduktion. Damit folgt er gemeinsam mit seiner Frau Petra der gestiegenen Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln. Und auch der Stein des Anstoßes kam aus ihrem Dorf heraus.

Bötersen – Hermann Solte aus Bötersen ist Landwirt und hat einen Betrieb, der sich dem Ackerbau und vornehmlich der Milchwirtschaft verschrieben hat. Rund 250 Kühe geben täglich etwa 6000 Liter Milch. „Die wird zur weiteren Verarbeitung zu den großen Molkereien geliefert und wir wissen im Prinzip nicht, in welchem Joghurt beispielsweise unsere Milch verarbeitet wird“, erläutert der Landwirt. Auf die Idee, einen Teil der Milchproduktion für ein lokal vertriebenes Produkt zu verwenden, kam Solte zusammen mit seiner Frau Petra, als sie von den Betreibern des Bötersener Dorfladens zu diesem Thema angesprochen wurden.

„Es gab damals einige Monate vor der Eröffnung des Ladens einen Tag der offenen Tür, an dem sich lokale Lebensmittelproduzenten präsentieren konnten“, erinnert sich Petra Solte, „und wir waren da mit von der Partie.“ Konkrete Pläne hatten sie damals noch nicht, aber es reifte die Idee heran, einen Automaten für frische Milch im Dorfladen zu installieren.

Ein sehr ehrgeiziges Vorhaben, wie sich herausstellte, denn die Auflagen, die die Soltes erfüllen müssten, um ihre Milch auf diese Weise zu vermarkten, waren doch enorm. „Allein schon ein Pasteurisator, der unbedingt notwendig wäre, kostet ungefähr 50.000 Euro. Dazu kommen noch extra Räume für die Produktion, ein Hygienekonzept und viele weitere Details, die auch mächtig ins Geld gehen“, berichtet Hermann Solte. Sogar ein gekühltes Fahrzeug müsste für die Strecke von nicht einmal einem halben Kilometer angeschafft werden. Insgesamt ergab das eine Investitionssumme von rund 150.000 Euro, zu der dann auch noch die Folgekosten kämen. „Da brauchte man nicht lange rechnen, wirtschaftlich war das für uns nicht umsetzbar“, so Solte.

Bedauerlicherweise verliefen diese Pläne im Sande, aber der Wunsch nach einem eigenen Produkt blieb für die Soltes immer im Hinterkopf. Durch Zufall erfuhren sie, dass es so etwas wie mobile Käsereien gäbe. Diese würden gezielt Milchbetriebe anfahren und dort vor Ort die frische Milch für die Produktion von Käse nehmen. Den fertigen Käse würden die Milchbauern dann zur eigenen Vermarktung bekommen. Eine Idee, für die die beiden sich sehr schnell begeistern konnten. Allerdings machten sie es sich zur Bedingung, dass eine solche mobile Käserei möglichst in der Nähe ihren Standort haben müsste, damit hinter all dem auch immer der Gedanke des lokalen Produktes stand. Wie sich herausstellte, gibt es in Elsdorf Stephanie Heidrich, die dort vor wenigen Jahren ein solches Gewerbe gegründet hatte. Der Kontakt war schnell hergestellt, und mittlerweile ist die zweite Charge in Produktion. Für die Herstellung einer Charge werden 1000 Liter unbehandelte Milch benötigt, die direkt vor Ort auf dem Hof der Soltes abgezapft werden.

Die ersten Schritte zur Käseherstellung werden auch dort vorgenommen. „Was da genau passiert, konnten wir leider nicht sehen und durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, die dabei in diesem Fahrzeug herrscht, konnten wir auch keine Fotos davon machen“, sagt Petra Solte. Mit dem sogenannten Käsebruch fährt die Elsorfer Käseproduzentin zu ihrer Produktionsstätte, um dort in fünf Wochen den Käse so weit reifen zu lassen und zu behandeln, dass er wieder zum Milcherzeuger zurückgegeben wird. „Das fertige Produkt können wir bei uns dann theoretisch über mehrere Jahre lagern“, erläutert Hermann Solte. Man müsse sich allerdings täglich darum kümmern, dass die Käselaibe gewendet und mit Salzwasser eingerieben werden. Dadurch würde vermieden, dass die Rinde aufplatzt und Keime in den Käse dringen könnten.

Für die Lagerung gibt es auf dem Hof der Soltes einen nach den Erfordernissen eingerichteten Raum. Von den ursprünglich 1000 Litern Milchmenge bleiben 100 Kilogramm Käse als Endprodukt übrig. Die als Abfallprodukt anfallende Molke wird an die Kälber des Betriebs verfüttert. Da man auch eigene Nachzucht von Milchkühen betreibt, gibt es immer genügend Kälber auf dem Hof, die mit der Molke versorgt werden können.

Da die beiden Bötersener ihre Käseproduktion auch zukünftig in überschaubaren Grenzen halten möchten, wird auch nicht zu viel Molke anfallen. „Wir beliefern aktuell den Dorfladen in Bötersen und außerdem noch die Familie Bientzle, die in Sottrum den Edeka-Markt betreibt. Wir haben persönlichen Kontakt zu unseren Abnehmern, das ist uns wichtig. Große Supermarktketten zu beliefern, ist nicht unser Anspruch“, erläutert der Bötersener Landwirt. Dafür müsse man komplett andere Strukturen schaffen, und dann würde aus einem gewollten Liebhaberprojekt eine Serienproduktion nach industriellen Gesichtspunkten. „So wie es ist, bleibt das alles für uns wesentlich überschaubarer und wir können uns auf Details fokussieren, wie beispielsweise die Frage, ob sich die Fütterung von Frischgras an unsere Kühe, die gerade saisonal begonnen hat, auf den Geschmack des Käses auswirken wird“, erklärt Petra Solte.

Ansonsten freue man sich auch über direktes Feedback der Verbraucher und sei immer offen für Vorschläge und Anregungen beispielsweise für neue Käsesorten.

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