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Das Sottrumer Gymnasium lernt und lehrt jetzt fast ausschließlich digital

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Von: Nina Baucke

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Julius Siska (l.) und Jonas Neumann im Gymnasium Sottrum
Für die Achtklässler Julius Siska (l.) und Jonas Neumann läuft das Lernen und Arbeiten am Gymnasium Sottrum heute ganz anders ab als noch vor zehn Jahren © Baucke

Wissen gibt es am Gymnasium Sottrum künftig direkt aufs Tablet: Für Schulleiter Ferdinand Pals ist damit die Digitalisierung der Schule abschlossen – fürs Erste zumindest.

Sottrum – Nur zwei Schüler sitzen in dem Unterrichtsraum des Gymnasiums Sottrum und trotzdem ist das Klassenzimmer zur Biologiestunde voll – zumindest das virtuelle Klassenzimmer. Denn etliche Mitschüler der beiden tauchen als kleine Kamerabilder auf dem Multimediaboard am Kopf des Raumes auf. Auch Lehrerin Julia Krawzcyk hat sich vom heimischen Arbeitszimmer zugeschaltet.

Vor gut vier Jahren hatte sich die Schule auf den Weg Richtung Digitalisierung begeben. „Jetzt freuen wir uns, dass wir fürs Erste sagen können: Wir sind fertig“, betont Schulleiter Ferdinand Pals.

Seit Kurzem ist die letzte von vier Chargen der Multimediaboards installiert und damit jeder Klassenraum mit dem Hightechgerät ausgestattet, zu dem nicht nur die digitale Tafel mitsamt Kamera gehört, sondern auch ein mittig über den Tischreihen angebrachtes Mikrofon. Die Schule hat einen Glasfaseranschluss, von den Korridordecken aus leuchten W-Lan-Hotspots auch noch die letzten Winkel der Schule aus, und versorgen die Tablet-PCs der Schüler mit Internet. Für Pals liegt das an einer frühen Umstellung der Hardware. „Wir haben uns zügig auf den Weg gemacht, dank der Samtgemeinde und des Landkreises, aber auch dank des Digitalpaktes.“

Zwei Schüler vor dem Mulitmediaboard im Gymnasium Sottrum
Nur zwei Schüler sitzen in einem Unterrichtsraum des Gymnasiums, sie treffen den Rest des Kurses und die Lehrerin im digitalen Klassenzimmer. © Baucke

Die beiden Achtklässler Julius Siska und Jonas Neumann gehören zu der ersten Ipad-Klasse, die die Schule vor eineinhalb Jahren eingerichtet hatte. „Mit den neuen Boards ist das ganz einfach, das, was an der Tafel steht, auf das Ipad zu spiegeln“, erklärt Julius Siska. „Und Schüler, die vielleicht in Quarantäne sind, können sich leichter dazuschalten“, ergänzt Jonas Neumann. Beide sind vom Arbeiten mit dem Ipad überzeugt: „Allen beim Vokabellernen vereinfacht das alles schon sehr“, findet Julius Siska. „Und in das digitale Deutschbuch Notizen reinzuschreiben, ist auch kein Problem.“ Für den Umgang mit dem Tablet hatte das Gymnasium 2017 sogar das Fach Medienkunde eingerichtet. Dort geht es zum einen um die technischen Aspekte, um Apps und Programme, aber auch um Datenschutz, Fake News und Soziale Netzwerke. „Unser Gedanke war dabei, dass wir unsere Schüler digital kompetent machen müssen“, erklärt Pals. Aber auch für die Lehrer gab es Fortbildungen im Umgang mit den Multimediaboards. „Die Möglichkeiten, damit zu unterrichten, sind einfach vielfältiger“, sagt Mathelehrerin Hanako Pade-Meyer.

Schulbücher auf dem Tablet

Mittlerweile sind die Schulbücher auf dem Tablet gespeichert, in einer App hat Julius für jedes Fach einen Ordner, wo er seine entsprechenden Notizen ablegt, die er mit einem speziellen Stift auf der Oberfläche des Ipads gemacht hat. „Ein paar Bücher haben wir noch, aber die Hefte sind fast ganz raus“, sagt der 13-Jährige. Zumindest die Klassenarbeit findet noch auf dem Papier statt. „Das ist auch noch so die Rechtslage“, sagt Pals. „Wir können also auch noch auf Papier arbeiten“, sagt Jonas Jungert. Der 17-Jährige ist in diesem Jahr mit dem Abitur an der Reihe und hat die Entwicklung der Schulen in vergangenen zehn Jahren miterlebt. „Ich kenne noch das Arbeiten mit Overhead-Projektoren“, erinnert er sich mit einem Lachen.

„Unsere Zielrichtung war, dass das Tablet zu 50 Prozent genutzt wird. Aber fast in jeder Stunde arbeiten die Schüler auf diese Weise“, freut sich Pals. „Ich bin sehr stolz darauf, dass auch die Lehrer da mitziehen – selbst die älteren. Mittlerweile ist das digitale Lernen Normalität geworden. Da spielt natürlich auch eine Rolle, dass wir ein im Durchschnitt ein sehr junges Kollegium haben.“

Während die Fünft- und Sechstklässler noch ganz klassisch mit Heften, Stiften, Mappen und „echten“ Büchern hantieren, sind die Jahrgänge sieben bis neun bereits mit eigenen, über die Schule beschafften Ipads ausgestattet – „dafür müssen digitales Wörterbuch und Taschenrechner nicht mehr gekauft werden“, sagt Jonas Jungert.

Ohne diese Möglichkeit, über Video beim Unterricht dabei zu sein, wäre der Schaden durch die Pandemie für uns Schüler noch viel größer geworden.

Jonas Jungert

Er sowie die übrigen Schüler der Jahrgänge zehn bis 13 haben im Gegensatz zu den jüngeren Jahrgängen zwar noch nicht die Pflicht, per Tablet zu arbeiten, „die meisten machen es aber mit ihren privaten Geräten – bestimmt mehr als 90 Prozent“, ist Jonas Jungert überzeugt. Und wer von diesen Schülern kein eigenes Tablet hat, bekommt eines aus dem Pool der Schule. „Dass da jetzt so viel passiert ist, ist auch ein positiver Effekt der Corona-Situation: Vor Corona haben wir die digitalen Plattformen kaum genutzt, seit dem schon – und es wurde danach nie zurückgestuft. Ohne diese Möglichkeit, über Video beim Unterricht dabei zu sein, wäre der Schaden durch die Pandemie für uns Schüler noch viel größer geworden“, ist Jonas Jungert sich sicher.

Zu Pals’ Freude sind auch die Eltern beim schulinternen Portal I-Serv mit an Bord. Unter anderem läuft darüber mittlerweile auch die Erfassung der Corona-Schnelltestergebnisse. „Die können die Eltern dort eintragen und die Lehrer haben mit einem Klick einen Überblick.“ Der Pädagoge sieht die Schüler des Gymnasiums als „digital gut gebildet“ an. Auch Jonas Jungert findet: „Ich denke, ich bin jetzt digital gut aufgestellt.“ Wenn er im Herbst mit dem Studium beginnt, hat Pals bereits ein anderes Kapitel abgeschlossen: Die Overhead-Projektoren sind dann bis auf wenige Ausnahmen ausrangiert.

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