Michael Itzen ist Stadtradel-Star

Verzicht auf das Auto – das Signal ist ihm wichtig

Michael Itzen ist Stadtradel-Star in der Samtgemeinde Sottrum.
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Michael Itzen ist Stadtradel-Star in der Samtgemeinde Sottrum.

Sottrum – Noch bevor die zweite Auflage des Sottrumer Stadtradelns zu Ende ist, steht für Michael Itzen bereits fest: In der Samtgemeinde ist noch einiges zu tun, um die Radwege attraktiver zu machen und dadurch noch mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen zu lassen. Itzen ist neben Herbert Cordes aus Clüversborstel einer der beiden Stadtradel-Stars, die sich entschieden haben, drei Wochen lang komplett auf das Auto zu verzichten.

Das Radfahren gehört für den 66-jährigen, ehemaligen Polizeibeamten zum Alltag. „1 000 Kilometer sind das Ziel, mein sportlicher Ehrgeiz treibt mich aufs Rad, auch wenn ich mal keinen Bock habe.“ Rein sportlich betrachtet ist Itzen im Tischtennis zu Hause. Zum zweiten Mal hat er daher ein Stadtradeln-Team in der Tischtennis-Abteilung des TV Sottrum auf die Beine gestellt. Fünf Männer und eine Frau radeln mit. Itzen hat nach dem ersten Drittel der Aktion bereits 326 Kilometer auf dem Tacho – er liegt also voll im Soll. Mehr als 13 Jahre lang ist der Sottrumer regelmäßig von April bis Oktober zu seiner Polizeidienststelle in Bremen mit dem Rad gefahren. Morgens 26 Kilometer hin, abends 26 Kilometer zurück. „Da sind dann schon rund 1 000 Kilometer pro Monat zusammengekommen.“ Und das ganz unabhängig vom Wetter. Im Winter dann ist er mit dem Rad immerhin zum Bahnhof gefahren, um von dort aus mit dem Zug die Hansestadt anzusteuern. „Im April dann musste ich zwar jedes Mal erst wieder den inneren Schweinehund überwinden, aber das habe ich geschafft“, sagt Itzen, der sich im vergangenen Jahr ein neues Fahrrad zugelegt hat.

Das Rad – es blitzt in der Sonne und hinterlässt einen enorm sportlichen Eindruck – steht im Garten, gleich an der Terrasse. Und wenn der 66-Jährige davon spricht, dass er beim Radfahren vor allem auch die Verbundenheit zur Natur genießt, dann spiegelt sich genau das im Garten wider. Der blüht und grünt. Ein Ort zum Entspannen. Die Ruhe, das Gezwitscher der Vögel. Was auffällt: Der Rasen könnte mal wieder gemäht werden. Sei’s drum.

Die Verbundenheit mit der Natur ist eine Sache, die Michael Itzen am Radfahren gefällt. Wegzukommen vom Autoverkehr eine andere. Außerdem hinterlasse das Radfahren körperlich ein gutes Gefühl. Probleme mit dem Knie hatten ihn einmal geplagt – eine OP war jedoch nicht erforderlich. Das Rad half ihm, den Eingriff zu vermeiden. „Außerdem macht es den Kopf frei, und wenn man zu zweit unterwegs ist, kommt es auch noch zu guten Gesprächen.“ Beim Radeln, sagt er, kämen ihm immer wieder gute Ideen, im Sattel zu sitzen bedeute für ihn eine Möglichkeit, über viele Dinge nachzudenken.

Das Stadtradeln ist eine bundesweite Aktion vom Klimabündnis, der sich inzwischen viele Kommunen angeschlossen haben. Bei uns im Landkreis hatte einst die Stadt Rotenburg damit angefangen. Unmittelbar vor dem zweiten Start der Samtgemeinde Sottrum hatten mehr als 1 000 Teilnehmer in der Kreisstadt im Sattel gesessen – zum bereits siebten Mal.

Dort hat sich das Stadtradeln etabliert, aber dennoch werden die Teilnehmer immer wieder auch belächelt. „Das bringt doch alles nichts“, heißt es. „Was soll das Ganze“, fragen einige Menschen. Dabei ist allen klar, dass sich mit der Aktion selbst das Problem des Klimawandels nicht beheben lässt. Mit Blick auf die dafür erforderliche Verkehrswende jedoch lässt sich einiges erreichen. Auch Michael Itzen sieht darin ein ganz wichtiges Signal, das vom Stadtradeln ausgeht. Für ihn stehe am Ende die Erkenntnis, dass keine noch so kurze Fahrt mit dem Auto erledigt werden muss, wenn es nicht auch mit dem Fahrrad geht. „Das lässt sich auch den Kindern vermitteln“, ist der 66-Jährige überzeugt. Das Eltern-Taxi in der Familie Itzen ist nur ganz selten zum Einsatz gekommen.

Das bekam sein Sohn zu spüren, der vor einigen Jahren seine Ausbildung in Elsdorf machen wollte, aber noch keinen Führerschein hatte. Mit dem Rad ist er morgens vom Hof gefahren – „das hat den Chef beeindruckt“, berichtet Itzen.

Das Signal des Stadtradelns ist für den Stadtradel-Star ganz wichtig. Nicht zuletzt, weil bei dieser Aktion das Umweltthema eine ganz zentrale Rolle spielt. „Ich hatte zum Beispiel nie ein zweites Auto.“ Und er werde nicht müde in seinem Bemühen, wo immer es geht, für das Radfahren zu werben. „Ich spreche die Leute direkt an, denn viele Menschen denken gar nicht darüber nach.“ Die Fahrt mit dem Auto, und sei es nur der Weg zum Bäcker um die Ecke, sei für viele völlig normal.“

Michael Itzen fährt allerdings nicht nur zum Bäcker um die Ecke, sondern unternimmt auch richtig lange Touren – im Urlaub beispielsweise. Einmal sei er von Füssen aus die 400 Kilometer bis zum Gardasee in Italien geradelt. Im August dieses Jahres nun möchte er mit einem Freund zusammen von München aus über den Brenner bis nach Venedig fahren.

Wer mit Michael Itzen auf dessen Terrasse sitzt und über das Stadtradeln spricht, versteht schnell, warum dieser Mann genau der richtige Stadtradel-Star ist, der auch nicht lange überredet werden musste. Das Radfahren ist eine Herzensangelegenheit für ihn. Die innere Überzeugung ist tief verankert, das Bewusstsein für die Vorteile auf Grundlage einer jahrelangen Erfahrung stabil. Er ist Stadtradel-Star aus Überzeugung. „Ja“, sagt Michael Itzen bei der Suche nach einem schönen Platz für ein Foto, „eigentlich müsste ich den Rasen mal wieder mähen.“ Lang ist er geworden. Doch der Rasen muss noch warten, „denn zurzeit kann ich das Gras nicht wegbringen.“ Dafür müsste er dann doch das Auto bemühen – aber den Schlüssel dafür nimmt er als Sottrumer Stadtradeln-Star bekanntlich für drei Wochen nicht zur Hand. Das ist die Vereinbarung – und daran hält sich der 66-Jährige selbstverständlich.

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