60 MINUTEN Blech und Ballon

Das Nachwuchsorchester des JOA probt mit viel Engagement

Nachwuchsorchester des JOA probt in der Eversener Mehrzweckhalle
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Beim Nachwuchsorchester treffen Anfänger und erfahrene Musiker, als auch Jung und Alt aufeinander.

Was haben Luftballon auf einer Blasorchesterprobe zu suchen? Und was genau sind die „vier großen Ts“? Für unsere Reihe 60 Minuten haben wir dem Nachwuchsensemble des Jungen Orchesters Auenland in Eversen mal bei einer Probe über die Schulter geschaut.

Ahausen – „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten“, soll der Komponist Gustav Mahler einmal gesagt haben. Vermutlich ist auf keinem Notenblatt, das das Junge Orchester Auenland aus Ahausen in seinem Fundus hat, die Anweisung „Luftballon aufpusten“ notiert. Von daher sind die Blicke des Nachwuchsorchesters „JOA! Next Generation“ etwas skeptisch, als Dirigentin Sandra Behrens Luftballons austeilen lässt. Doch bevor der an der Reihe ist, geht es erst einmal an die „gewohnten Instrumente“.

Es ist Freitagabend, die Uhr an der Wand der Eversener Mehrzweckhalle zeigt 18 Uhr. Normalerweise kommen die Musiker des Nachwuchsorchesters jede Woche um diese Zeit dort für eine Stunde zur Probe zusammen. Zuletzt war allerdings alles ein bisschen anders, wie so vieles in diesen Monaten. Das hatte jedoch nichts mit Corona zu tun: Behrens hatte aufgrund einer Verletzung mehrere Wochen keine Probe leiten können, heute ist es wieder so weit. „Hallo, ich bin die Neue!“, scherzt die Eversenerin und schaut in die Runde.

Für eine besondere Atemübung greifen die Musiker zum Luftballon.

15 Musiker sitzen auf den grüngepolsterten Stühlen, an den Notenständern baumeln die Mund-Nasen-Masken, die sie eben noch beim Ankommen und Aufbauen getragen hatten. Einige von ihnen sind Anfänger, andere machen eigentlich bereits im Hauptorchester Musik und nutzen diese Stunde vor ihrer eigenen Probe zum Warmspielen – „und weil es hier einfach Spaß macht“, wie Behrens sagt. Was auch auffällt, ist die große Altersspanne der Orchestermitglieder, die sich von elf bis 66 Jahren erstreckt – Musik ist offenbar keine Frage des Alters. An diesem Abend ist die Dirigentin besonders über die Zahl der Klarinetten in der ersten Reihe erfreut: „Das ist ja ein ganzer Wald!“

Dieser Wald ist auch gleich gefordert, neben den anderen Instrumentengruppen, denn es geht ans Einspielen: Mit einer Tonleiter wärmen die Musiker ihre Instrumente auf – und dann schlägt die Stunde des Luftballons. Es ist eine Übung für die richtige Atemtechnik, um richtig tief „in den Bauch atmen“ zu können. Statt Trompetentöne und Schlagzeugrhythmen bestimmen nun Pustgeräusche und das typische Quietschen und Knarzen des Luftballons – bis von Behrens die Ansage kommt, den Ballon schnell gegen das Mundstück zu tauschen und den aufgebauten Atemdruck jetzt ins Instrument entweichen zu lassen.

Sandra Behrens leitet das Nachwuchsorchester.

Währenddessen laufen im Hintergrund schon Vorbereitungen für die kommenden Wochen, denn an einem großen Tisch sortieren Katja Willenbrock und Tanja Adermann-Meyer die Notenblätter mit Weihnachtsliedern. Weihnachtlich wird es jetzt auch auf den Notenständern des Nachwuchsorchesters mit „Dona nobis pacem“, einem Kanon von Mozart. Bevor es allerdings losgeht, klopft Behrens noch ein bisschen Wissen ab – die „großen vier Ts“: Titel, Takt, Tonart und Tempo. „Und natürlich das inoffizielle fünfte ,T‘, die ,Tynamik‘“, bemerkt sie mit einem Lachen. Als sie zwei Minuten später die Schlussnote dirigiert hat, ist sie noch skeptisch: „Da waren noch ein paar schiefe Töne dabei.“ Nächste Chance, nächstes Stück: „Olympic Spirit“, John Williams’ Fanfare zu den Olympischen Spielen 1988, ist an der Reihe. „Die Noten etwas kürzer denken, dann passt es“, fordert Behrens auf. Und es passt, die Musiker füllen den Saal der Mehrzweckhalle mit kraftvollen Klängen, vor allem die Saxofonisten und Tiefblechbläser drehen auf.

Mittlerweile kommen die Mitglieder des Hauptorchesters auf leisen Sohlen in den Raum und stellen ihre Taschen und Koffer ab. Als die Nachwuchsmusiker die letzten Töne der Williams-Fanfare spielen, klappern in einer Ecke schon die Notenständer. Es ist fast ein fliegender Wechsel, zumindest ein Teil der Nachwuchsmusiker geht nun in den Feierabend, für andere geht der Probenabend nun richtig los.

Auch für Sandra Behrens ist nach der Probe vor der Probe, einmal den Notenstapel auf dem Dirigentenpult ausgetauscht – und weiter geht es, mit zum Teil anderen Musikern, aber ebenso viel Spaß. Und aus der Perspektive betrachtet liegt Gustav Mahler mit seinem Spruch gar nicht mal so verkehrt.

Das Junge Orchester Auenland

Das Nachwuchsorchester „JOA! Next Generation“ des Jungen Orchesters Auenland probt jeden Freitag ab 18 Uhr in der Mehrzweckhalle in Eversen, danach um 19 Uhr kommt das Hauptorchester zusammen. Mehr Informationen gibt es unter www.junges-orchester-auenland.de.

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