Bastelnd durch die Pandemie

Das Junge Orchester Auenland nimmt musikalische Früherziehung wieder auf

Sandra Behrens auf dem Rasen
+
Sandra Behrens blickt dem Neustart der Nachwuchsgruppen entgegen.

Eversen - Beim Jungen Orchester Auenland beginnt wieder Stück für Stück die Probenzeit. Das gilt auch für die Nachwuchsgruppen der musikalischen Frühförderung.

15 Monate Pandemie und die dadurch notwendige Pause sind eine lange Zeit – vor allem für Kinder. Umso größer ist bei Sandra Behrens die Hoffnung, dass es bald wieder in Sachen Musikmachen weitergeht. Die Eversenerin leitet das Junge Orchester Auenland, zu dem auch drei Gruppen – die Musi-Minis, die Trommel-Trolle sowie die Flöten-Flöhe – gehören, in denen der Verein musikalische Frühförderung für Kinder anbietet. Dort soll nun langsam wieder der Betrieb losgehen.

„Gerade bei den Kleinen ist das wöchentliche Üben eine feste Größe, und Kontinuität unglaublich wichtig“, betont die Musikerin. „Musikmachen fördert gerade in diesem Alter das Zusammenspiel von linker und rechter Gehirnhälfte, Kinder lernen so leichter lesen und strukturiertes Denken.“ Bedeutend ist auch die soziale Komponente innerhalb der Gruppe: „Die Kleinen erfahren hier, wie sie sich einbringen können und wann sie sich auch mal zurücknehmen müssen. Und das Schöne, was ich immer wieder beobachte, ist, wie sie sich gegenseitig helfen. Wie ein Kind, das das Gelernte schon sehr gut umsetzen kann, ein anderes Kind, bei dem das noch nicht der Fall ist, unterstützt.“

Online-Unterricht keine Option

Umso abrupter war der Stop im vergangenen Jahr: „Wir hatten uns in den Gruppen gerade einmal fünf bis sechs Mal gesehen“, erinnert sie sich. „Vor allem im Kindergartenalter, wenn sie auch dort gerade erst angekommen sind, verliert man sich so schnell wieder aus den Augen.“

Online-Unterricht anzubieten war aus ihrer Sicht keine Option: „Durch Homeschooling und mangelnden Freizeitmöglichkeiten saßen sowieso schon viele Kinder häufiger als sonst vor dem Bildschirm. Dann wollten wir nicht auch noch mit Online-Angeboten kommen“, betont Behrens. Das führt allerdings auch dazu, dass einige bei den Trommel-Trollen und Flöten-Flöhe den Bezug zum Instrument verloren haben, andere allerdings weitergeübt haben, zum Teil im zeitweise erlaubten Einzelunterricht. „Daher macht mir der Anfang mit diesem Unterschied ein wenig Bauchschmerzen“, so Behrens. „Das wird eine schwere Aufgabe, das wieder zusammenzuführen.“ Vor allem bei den „Trollen“ muss sie wieder weit zurückgehen. „Die wenigsten haben eine Trommel zu Hause“, weiß Behrens.

Ausbildungsräume verloren

Trotz allem haben die Organisatoren der Früherziehung versucht, die Kleinen weiterhin zu motivieren, am Ball zu bleiben. „Unsere Jugendwartin hat zum Beispiel eine Abenteuergeschichte verfasst und zusammen mit Bastelanleitungen an die Kinder verschickt. Wir hoffen, dass wir das Finale der Geschichte Ende Juli mit allen zusammen live erleben können“, so Behrens. Eine weitere Ausbilderin hatte den Musi-Minis ein Bastelset für eine Rassel geschickt. „So konnten sie wenigstens zu Hause etwas Musik machen“, tröstet sich Behrens. „Wir haben halt immer wieder versucht, zu motivieren. Da draußen ist nunmal etwas passiert, dass unser aller Leben betroffen hat.“ Was ihr auch Kopfzerbrechen macht, sind die Ausbildungsräume, die der Verein verloren hat. „Wir durften bisher dankenswerterweise in der Grundschule Ahausen proben. Das geht jetzt aufgrund der Hygienemaßnahmen leider nicht mehr. Und im Mehrzweckhaus in Eversen fehlen uns die Räume für den Einzelunterricht.“ Und dann ist da die Frage nach dem Nachwuchs, „denn der ist unsere Zukunft“, sagt Behrens. Mittlerweile fehlt dem Orchester ein Jahrgang. Immerhin: Gut zwei Drittel derer, die im Januar 2020 angefangen hatten, sind nach wie vor im Boot. „Bei der ersten Probe in der vergangenen Woche waren die Kinder sehr konzentriert dabei. Und ich habe gemerkt: Es ist noch was da!“

Auch bei der Gruppe JOA! Next Generation und dem Stammorchester ist es aktuell spannend: „Wie mache ich aus den ganzen Solisten wieder einen Klangkörper?“, fragt sich Behrens.

Was ich erstaunlich finde: wie viele Eltern einfach so ihre Beiträge weitergezahlt haben.

Sandra Behrens

Doch auch die Erwachsenen geben Grund zur Freude: „Was ich erstaunlich finde: wie viele Eltern einfach so ihre Beiträge weitergezahlt haben und uns so eine große Unterstützung gewesen sind“, erzählt Behrens. „Dafür sind wir sehr dankbar, denn das hat uns finanziell über diese Zeit gerettet.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Meistgelesene Artikel

Kommentare