Vorstellungen von der Zukunft des Wieste-Ortes

„Sottrum 2030“: Was darf’s denn sein?

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Die Qual der Wahl? Wir haben einige Personen sich einmal aussuchen lassen, wie Sottrum in zwölf Jahren aussehen kann und sollte.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Die Gemeinde Sottrum habe kein Ziel, kein Konzept für das Jahr 2030. Die Kritik aus den Reihen der Grünen vor einigen Tagen hat für Diskussionen gesorgt. An Ideen, wie der Wieste-Ort in zwölf Jahren aussehen und wofür er stehen könnte, mangelt es nicht.

Wir haben uns bei Parteien und anderen Institutionen umgehört und dort einige Personen um einen Blick in die persönliche Glaskugel gebeten. Was sind ihre Visionen für Sottrum 2030?

Hans-Jürgen Krahn

Sottrums CDU-Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn: „Mir ist es wichtig, dass Investoren auch in Zukunft die Sicherheit haben, dass wir uns mit ihren Anliegen beschäftigen und wenn möglich unterstützen. Das gilt natürlich auch für alle Anliegen der Bürger in Sottrum.“ Es sei richtig, die Bebauungspläne im Ortskern zu überdenken. Dazu gehörten auch ein Verkehrs- und ein Einzelhandelskonzept. 

„Das kann aber nur der eine Teil sein. Gleichzeitig werden wir weiterhin Baugebiete ausweisen, damit wir unsere Infrastruktur weiter entwickeln können.“ Sottrum solle als Grundzentrum gestärkt werden. „Mein ,Sottrum 2030‘ ist, eine Gemeinde, die lebenswert und liebenswert ist. Es herrscht ein reges Vereins- und Kulturleben. Die Gemeinde ist auf über 7 000 Einwohner angewachsen. Die Gewerbeentwicklung ist fortgeschritten. Es ist gelungen, die Landwirtschaft in Sottrum für unsere Betriebe zu sichern. Es ist ein Ortskern entstanden, der sowohl für jüngere als auch ältere Menschen etwas bietet“, fasst Krahn zusammen.

Gerd Helms

„Ich sehe Sottrum auf dem Weg zur eigenen Stadt mit entsprechender Einwohnerzahl und Infrastruktur“, sagt Gerd Helms zur Zukunft Sottrums über das Jahr 2030 hinaus. Das Gemeinderatsmitglied und der SPD-Vorsitzende in der Samtgemeinde sieht die Kommune auf einem guten Weg. „Jeder Weg fängt mit den ersten Schritten an und unsere sind in Ordnung.“ 

Zentraler Baustein sei für den Stuckenborsteler das Gewerbegebiet an der Autobahn 1, bei dem er die Kritik der Grünen, es werde schlecht vermarktet, nicht teilt. Er habe eine hohe Nachfrage ausgemacht. „Das Gewerbegebiet garantiert uns in naher Zukunft Einnahmen und Arbeitsplätze“, so Helms. Die geplanten Wohngebiete würden ihren Teil zur Entwicklung Sottrums Beitragen.

Jan-Christoph Oetjen

In der FDP-Fraktion des Gemeinderates liegt der Fokus bei der Frage nach „Sottrum 2030“ auf den Kindern. „Für 2030 wünsche ich mir, dass Sottrum das Prädikat ,familienfreundlich‘ trägt“, sagt Ratsmitglied und Landtagsabgeordneter Jan-Christoph Oetjen. Das heißt: genügend Krippenplätze mit pendlerfreundlichen Betreuungszeiten von früh bis spät. Auch müsse es eine Ganztagsgrundschule geben, in den übrigen Mitgliedsgemeinden zudem einen Hort. „Von den Kleinsten bis zum Gymnasium muss es ein ganztägiges Angebot geben“, so Oetjen. 

Und mehr: So müssten für Kinder und Jugendliche die Freizeitangebote verbessert werden. Es müsse mehr „Highlights“ geben, meint der FDP-Politiker – etwa einen Rodelberg oder einen Spielplatz nicht nur für kleine, sondern auch für „große Kinder“. Der Bereich Eichpark oder das Wieste-Ufer würden dafür nicht zum Beispiel ausreichend hervorgehoben. Warum der Fokus auf die Kinder? „Im Unterschied zu Kindern können Erwachsene überall hinfahren. Mit Bremen vor der Haustür muss Sottrum kulturell nicht konkurrieren“, sagt Oetjen. Allerdings dürfe man trotzdem das Engagement derjenigen, die sich in Sottrum dahingehend einbringen, nicht vernachlässigen, sondern sollte es weiter fördern.

Karin Fuge-Venzke

„Bis 2030 geht die Landeskirche von einer deutlich verringerten Kirchenmitgliedschaft aus“, sagt Karin Fuge-Venzke, die Vorsitzende des Sottrumer Kirchvorstands, zur Zukunft des Ortes aus kirchlicher Sicht. Gemeinden wie die Sottrumer stünden vor Herausforderungen: Es gebe einen zu hohen, meist überalterten Gebäudebestand, der finanzielle Mittel fresse. „Hier gilt es zu reduzieren, das heißt die Verwaltungen von Gemeinden zusammenzulegen und Manpower zu konzentrieren.“ Zudem werde die Versorgung mit hauptamtlichen Kräften nachlassen. 

Schon jetzt sei es schwierig, freie Pfarrstellen zu besetzen. Bei der Kirche setzt man daher aufs Ehrenamt, auch in Leitungsfunktionen. In Zukunft werden nach Ansicht Fuge-Venzkes auch die Gottesdienste anders gestaltet werden müssen, um insbesondere für kirchenfernere Mitglieder und Nichtmitglieder attraktiv zu sein. „Wir müssen uns von den üblichen Gottesdiensten lösen und zunehmend mehr auf die Menschen zugehen und sie an ihnen vertrauten Orten begrüßen. Also auch gelegentlich Gottesdienste in anderer Form und an anderen Orten abhalten.“ Kirche sei zukunftsfähig, „wir müssen sie aber auch kreativ wahrnehmen“.

Heinz-G. Hill

Für den Seniorenbeirat der Samtgemeinde in Person seines Vorsitzenden Heinz-G. Hill kommt es bei der Zukunftsplanung der Kommune darauf an, dass nicht nur die besonderen Interessen einzelner Bevölkerungsgruppen oder Altersklassen im Vordergrund stehen. So profitiere „etwa ein Senior mit seinem Rollator oder Rollstuhl genauso von einem breiten und ebenen Fußweg wie eine Mutter mit dem Kinderwagen“, sagt Hill. 

„Wenn die jüngere Gruppe zum Beispiel den Bau von Krippen und Kindergärten sowie alle Maßnahmen, die Familie und Beruf ,unter einen Hut‘ bringen, ganz oben auf der Agenda sieht, dann wünscht sich die ältere Generation künftig mehr Einrichtungen für Altenpflege und seniorengerechtes Wohnen.“ 

Abgesehen von Sonderfällen seien dies keine gegensätzlichen Interessen, so der Beiratsvorsitzende. Aber Konzepte oder Planungen, die allein auf spezifische Gruppeninteressen ausgerichtet sind, seien nicht zukunftsweisend. „Niemand kann sich demografische ,Monokulturen‘ wünschen“, meint Hill. Da die Bevölkerung auch in Sottrum immer älter wird, wünsche sich der Seniorenbeirat einen Ausbau seniorengerechter Wohnungen im Ortskern oder der ärztlichen Versorgung. Ebenfalls auf der Wunschliste stehen bessere Pflege der Fußwege, aber auch Mehrgenerationen-Projekte. 

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